nach oben
Lange ist es her: Die Premiere der Turning Days in der Goldstadt 2004 (von links): Landrat Karl Röckinger, die damalige Oberbürgermeisterin Christel Augenstein und Mitveranstalter Günter Ihlenfeld. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
Lange ist es her: Die Premiere der Turning Days in der Goldstadt 2004 (von links): Landrat Karl Röckinger, die damalige Oberbürgermeisterin Christel Augenstein und Mitveranstalter Günter Ihlenfeld. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
23.09.2016

Stadt trennt sich von Messe Turning Days

Pforzheim. Die Messelandschaft ist in Bewegung. Nachdem die Pforzheimer Solarmesse längst zu einem Exportschlager geworden ist und über Freiburg nach München expandierte, soll auch die Fachmesse „Turning Days“ weiter wachsen. Allerdings künftig ohne Pforzheimer Beteiligung. Nur ein einziges Mal wurde sie 2004 in der Goldstadt veranstaltet, dann entschied sich die Mehrzahl der Aussteller für einen Standortwechsel nach Villingen-Schwenningen, der Hochburg der Präzisions-Drehteilehersteller.

Warum hat sich die Stadt Pforzheim jetzt von ihrer Beteiligung an den Turning Days getrennt?

Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung seien in umfassender Weise auch die Tochterbetriebe Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) und „Pforzheim Kongress- und Marketing GmbH (PKM) gefordert, sich auf Kernaufgaben zu konzentrieren und Kosten einzusparen, erläutert WSP-Chef Oliver Reitz. „Vor diesem Hintergrund wurde der Gemeinderatsbeschluss gefasst, auf die Fortführung der eigenen Messeaktivitäten Turning Days und MomenTour zu verzichten.“ Es würden dadurch zwei Vollzeitstellen eingespart. Zudem sei die Etablierung der Drehteile-Messe an den Standorten Friedrichshafen und Dortmund angesichts möglicher vor dem Risiko anstehender Regressansprüche von Messe-Gesellschaften und Ausstellern für die Stadt Pforzheim mit einem erheblichen Risiko behaftet. Zuletzt seien nur noch drei Pforzheimer Aussteller an Bord gewesen.

Warum wurde für den Fall des Ausscheidens eines Partners eine Abfindung von 300 000 Euro vereinbart und der WSP-Anteil jetzt sogar verschenkt?

Es ging damals um eine langfristige Zusammenarbeit und die nötige Planungssicherheit, so Reitz. Im Jahr 2010 habe der WSP zum Preis von 282.500 Euro den hälftigen Anteil an der Wortmarke „Turning Days“ erworben; aktuell liege der Zeitwert bei rund 190.000 Euro. Dem gegenüber stehen Abfindungszahlungen in Höhe von 300.000 Euro sowie eventuelle Schadensersatzansprüche im Falle einer außerordentlichen Kündigung. „Mit der Übernahme des Anteils durch unseren langjährigen Partner, Dirk Spahn, der die beiden Messen künftig alleine weiterführt, konnte man diese Vertragsstrafen vermeiden.“

Gab es wegen des Verkaufs jetzt einen „Rüffel“ vom Regierungspräsidium Karlsruhe?

„Nein, vielmehr werden die inhaltlichen Beweggründe, die ja letztlich den Auflagen des Regierungspräsidiums entsprechen, anerkannt“, betont Oliver Reitz. „Unser Vorgehen wäre vorlagepflichtig, aber nicht genehmigungspflichtig gewesen. Somit räume ich hier ein Versäumnis ein, welches aber die Rechtswirksamkeit der vertraglichen Vereinbarung in keiner Weise in Frage stellt.“

Wie hoch ist der finanzielle Schaden aus diesem Geschäft, ein Stadtrat spricht von einem knappen Millionenbetrag?

„Nach meiner Überzeugung ist ein finanzieller Schaden für die Stadt Pforzheim mit Blick auf die kommenden Jahre durch die gefundene Regelung abgewendet worden“, sagt WSP-Chef Reitz. In den wenigen sehr guten Jahren der Turning Days habe man zwar einen Betrag erwirtschaftet, der leicht über 100.000 Euro lag. „Inzwischen haben sich aber die Rahmenbedingungen und Risiken verändert.“

Leserkommentare (0)