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Starker Franken belastet Unternehmen in Pforzheim und Enzkreis.
Starker Franken belastet Unternehmen in Pforzheim und Enzkreis © dpa
07.09.2011

Starker Franken belastet Unternehmen in Pforzheim und Enzkreis

PFORZHEIM. Alles hat seine zwei Seiten – so wie die Münze des Schweizer Franken. Die eidgenössische Wirtschaft leidet unter dem starken Kurs der einheimischen Währung. Schweizer Produkte werden dadurch für Abnehmer in Deutschland deutlich teurer. Am Dienstag hat die Schweizer Nationalbank gehandelt: Sie will einen Wechselkurs unter 1,20 Franken je Euro künftig nicht mehr tolerieren.

„Der starke Franken ist für unsere Muttergesellschaft in der Schweiz tatsächlich ein gewaltiges Problem“, erläutert Peter Nischwitz, Pressesprecher der Bystronic Lenhardt GmbH in Neuhausen-Hamberg, die zur international agierenden Bystronic glass-Gruppe gehört. „Unsere Maschinen zur Glasbearbeitung, die in Schweizer Franken exportiert werden, kosteten in den vergangenen Monaten durch den Verfall des Euro plötzlich über 20 Prozent mehr.“ Ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz, die im Euro- oder Dollarraum produziert. Die gesamte Schweizer Exportindustrie leidet unter diesem Problem und sucht nach Kostensenkungspotential – etwa verstärkte Einkaufsmöglichkeiten im Euroraum.

Wenn weniger Maschinen ins Ausland verkauft werden, kommt es zu Arbeitsplatzverlusten. Deshalb hat gestern die Notenbank ein klares Signal gesetzt, um den massiven Kursanstieg des Franken zu stoppen. „Ein ernstes Problem“, bestätigt auch Michael Jouvenal, Geschäftsführer der Schmuckfirma Karl Scheufele/ Chopard Deutschland in Birkenfeld. In der Zentrale von Chopard in Genf klingeln die Alarmglocken, denn neben dem Euro schwächeln seit Monaten auch der US-Dollar und das britische Pfund. Durch die Währungsturbulenzen sinken die Umsätze in Schweizer Franken. Chopard habe deshalb die Verkaufspreise in den Euroländern außerplanmäßig zum 1. August erhöht. Anders sieht es bei der Wimsheimer Dentaltechnik-Firma Altatec aus, die zur Schweizer Camlog-Gruppe gehört. Die Zahnimplantate werden vorwiegend für den deutschen Markt gefertigt.

Während die Kassen vieler Supermärkte in grenznahen deutschen Städten klingeln, weil dort die Schweizer ihre starke Währung in Euro-Schnäppchen umsetzen, stöhnen viele deutsche Urlauber über die gestiegenen Lebenshaltungskosten im Nachbarland. „Wir haben für unsere Kunden viele Leistungen bereits im Reisepreis inkludiert“, erläutert Peter Wagner, Geschäftsführer von Eberhardt-Reisen in Pforzheim. „Trotz des starken Franken sind die Ausgaben deshalb überschaubar.“ Die Fahrt mit dem Clasier-Express oder eine Rundreise in der Schweizer Bergwelt seien nach wie vor gefragt. Die entsprechenden Kontingente habe sich Eberhardt über seine Partner langfristig zu festen Preisen gesichert, betonte Wagner. Dennoch sei die Entscheidung der Schweizer Nationalbank zu begrüßen.

Prokurist Stephan Schmidt von der Volksbank Pforzheim spricht von einem Erdrutsch, den die Schweizer Währungshüter quasi über Nacht ausgelöst hätten. „Der Euro hat dadurch fast zehn Prozent an Wert gewonnen.“ Die Ankündigung, den Kursanstieg des Franken zu begrenzen, sei „taktisch und zeitlich perfekt“ gewesen. Viele Spekulanten, die auf eine Parität mit dem Euro gewettet hätten, seien auf dem falschen Fuß erwischt worden, ergänzte Schmidt. Die Wirtschaft aus Pforzheim und der Region mache relativ wenig Geschäfte mit Kunden in der Schweiz.

Mit einem Eurokurs von 1,20 Franken könne die deutsche Wirtschaft gut leben, glaubt Wolfgang Albert, Abteilungsdirektor Außenhandel bei der Sparkasse Pforzheim Calw. Werkzeugmaschinen aus dem Nachbarland, die von vielen regionalen Betrieben eingesetzt würden, werden dadurch wieder etwas preiswerter. Er erinnert sich an die Achterbahnfahrt der europäischen Gemeinschaftswährung, die im Jahr 2007 bei 1,68 Franken begann und über eine Zwischenhoch bei 1,47 bis auf 1,04 Franken hinabführte.