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Zwei Männer, zwei Generationen, ein Unternehmen:  Norbert (rechts) und Jens Poff  leiten gemeinsam die Geschicke von Steuerberatungsgesellschaft Wirtschaftsdienst – kurz SW.
Zwei Männer, zwei Generationen, ein Unternehmen: Norbert (rechts) und Jens Poff leiten gemeinsam die Geschicke von Steuerberatungsgesellschaft Wirtschaftsdienst – kurz SW. © Seibel
24.09.2010

Steuerberater Jens Poff führt Generationen zusammen

Die Rolle des Bindeglieds scheint Jens Poff auf den Leib geschneidert. Im Sport wie im Berufsleben. Im Rugby-Team des TV 34 Pforzheim bekleidet er in kurzen Hosen die Rolle des „Scrum-half“ – oder übersetzt: des Gedrängehalbs. Er ist auf dem Spielfeld das Bindeglied zwischen Angriff und Verteidigung. In der Geschäftsführung von SW (Steuerberatungsgesellschaft Wirtschaftsdienst) führt der 38-Jährige in Anzug und Krawatte ein Familienunternehmen mit Vater Norbert Poff (69). In der Rolle des Junior-Chefs verbindet er das, was er mit seinem Vater aufgebaut hat, mit dem, was in der Zukunft kommen soll.

Und auch sein Arbeitsalltag als Steuerberater passt haargenau ins Bild: Wenn er Steuererklärung macht, bringt er zwei Welten zusammen, die oft nur schwer zusammen passen wollen – die des unbescholtenen Steuerbürgers und die der komplizierten Steuergesetzgebung. „80 Prozent der Steuer-Literatur auf der Welt kommt aus Deutschland. Die Menschen brauchen Hilfe, um all das zu verstehen.“ Das gilt für den Firmenchef wie für den Rentner – und zwischen dem einen und dem anderen will Poff keinen Unterschied machen. Beiden soll geholfen werden. Er nennt das „soziale Verantwortung.“

Wenn sich Poff in seiner Arbeit um andere Familienunternehmen kümmert, dann geht es oft um Umstrukturierung und Unternehmensnachfolge. Dann muss er ebenfalls vermitteln, verknüpfen, – ja: verbinden. Und zwar die Interessen von zwei Generationen. Jens Poff zählt dies zu den spannendsten Kapiteln seines Berufes. Poff sagt: „Eine Steuererklärung ist Routine. Aber wenn ich eine Unternehmensnachfolge plane, dann ist das eine echte Herausforderung.“ Man trage dabei die Verantwortung für das Unternehmen. Und dessen Zukunft. Und dessen Mitarbeiter. Es scheint, als genieße er es, diese Verantwortung zu tragen. Die Verantwortung für das eigene Unternehmen teilt er sich mit seinem Vater Norbert Poff. Und das soll auch noch eine Weile so bleiben. „Da kommen Erfahrung und Innovation zusammen“, sagt der Sohn. „Ich betreue eher die älteren Kunden. Jens vertritt eher die jüngeren Kunden. Aber am Ende kommt alles wieder zusammen“, sagt der Vater. Und genau das mache ein Familienbetrieb aus. „Dass Jung und Alt gut kooperieren“, sagt Poff senior.

Doch decken sich die Ansichten von Jung und Alt doch nicht immer. Was tun bei Meinungsverschiedenheiten? „Es geht darum, bei Kontroversen gemeinsame Lösungen zu finden“, sagt Poff junior diplomatisch. Ganz der Vermittler eben.

Der Beginn des Familienbetriebs SW ist 2002 zu verorten. Damals kauften Nobert und Jens Poff den Kundenstamm aus der Pforzheimer Zweigstelle eines größeren Unternehmens heraus. In letzterem war Norbert Poff schon seit 1970 als Steuerberater tätig.

32 Jahre später war die Zeit reif, etwas zu gründen, das ganz und gar und den Fittichen der Familie ist.

Sein Sohn wurde damals zum Steuerberater bestellt. Nach dem Studium und einer 3-jährigen Ausbildung. Wobei es bei der Länge der Ausbildung unterschiedliche Wahrnehmungen gibt. „Meine wahre Ausbildung hat wohl 15 Jahre lang gedauert“, betont Poff. Vom 15. bis zum 30. Lebensjahr.

15 Jahre Ausbildung

Mit 15 Jahren habe er in den Ferien bei seinem Vater gearbeitet, zunächst des Geldes wegen. Dann habe ihn das Interesse am Beruf seines Vaters gepackt. Mit 20 Jahren absolvierte er ein Grundlagenseminar an einer Steuer-Akademie. Dann kam das Studium: BWL, Fachrichtung Steuer. Und nebenher immer anspruchsvollere Arbeit im Büro des Vaters. Es folgte der Studienabschluss. Und noch mehr Arbeit beim Vater. Und Wochenendseminare für die Steuerberater-Prüfung. Durchfallquote: 20 bis 30 Prozent. „Ich bin in den Beruf hineingewachsen“, sagt Poff. Der Vater habe ihn gleichwohl herangeführt. Gezwungen habe er ihn nicht. Mit dem erfolgreichen Abschluss war die Zeit des Lernens für Jens Poff aber noch nicht vorbei. Sein Vater sagt: „Viele denken: Ausbildung zu Ende. Prüfung abgelegt. Fertig.“

Doch genau das funktioniere in diesem Beruf nicht. Ständig gäbe es Neuerungen bei den Steuergesetzen. Der dichte Dschungel der Steuergesetze wird dabei eher dichter als dünner. Drum gilt es für Steuerberater monatliche Seminare zur aktuellen Rechtsprechung zu besuchen. Darüber hinaus würden fünf bis sechs Seminare über besondere Steuerthemen auf dem Jahresplan stehen. Ebenfalls feste Termine von Poff junior und Poff senior sind die Rugby-Spiele des TV 34 Pforzheim in der 2. Bundesliga. Die Geschicke des Vereins bestimmt eine Doppelspitze: Norbert Poff ist Leiter der TVP-Rugbyabteilung, Jens Poff ist Manager.

Gemeinsam mit Trainer Scott Bain koordinieren sie Schul-Kooperationen, zwei Jugendteams sowie die erste, zweite und dritte Mannschaft. Und dabei ist nicht zu vergessen: Jens Poff ist auch noch Spieler. Der Sport ist für ihn „ein Ausgleich zum Job“. Obwohl er auf dem Spielfeld eigentlich auch nur das tut, was bei der Arbeit zu tun ist: vermitteln. Zwischen Abwehr und Angriff. Als Gedrängehalb. Ronny Thurow