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11.01.2019

Tierwohl auf einen Blick: Handel stellt neue Produktkennzeichnung vor

Bonn/Berlin. Tierschutz beim Einkaufen soll einfacher werden. Die großen deutschen Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl wollen ab 1. April ein einheitliches Siegel auf Verkaufsverpackungen einführen, um Verbraucher über Haltungsbedingungen der Schlachttiere zu informieren. Das teilte die vom Lebensmittelhandel getragene Initiative Tierwohl am Freitag mit. Die Branche prescht damit weiter vor, während Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) noch die Vorbereitungen für ein staatliches Tierwohl-Kennzeichen vorantreibt, das voraussichtlich ab 2020 in die Regale kommen soll.

Die vom Handel vorgesehenen Packungsaufdrucke mit der Aufschrift „Haltungsform“ sollen künftig bei Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny und Rewe zu finden sein – für Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel. Viele der Handelsketten hatten in den vergangenen Monaten bereits mit eigenen Kennzeichnungssystemen in Sachen Tierhaltung begonnen. Doch war dies für Verbraucher wegen der Uneinheitlichkeit der Kennzeichnung teilweise verwirrend.

Das einheitliche System sieht nun vier Stufen vor: Die 1. Stufe „Stallhaltung“ entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen. Fleisch, das mit der Stufe 2 „Stallhaltung plus“ gekennzeichnet ist, sichert Tieren unter anderem mindestens zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Stufe 3 „Außenklima“ garantiert Tieren noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt. Bei Stufe 4 „Premium“ haben sie außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.

Das Bundesagrarministerium begrüßte Initiativen des Handels für eine tiergerechtere Haltung, machte aber klar, dass die eigenen Pläne darüber hinausgehen sollen. Die staatliche Kennzeichnung solle „die gesamte Lebensspanne des Tiers“ in den Blick nehmen — also von der Geburt bis zur Schlachtung und nicht nur das Platzangebot oder den Bewegungsradius wie bei einer Haltungskennzeichnung.

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßte die Initiative des Handels. Doch reiche dies nicht aus, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder. Die Unternehmen sollten Fleisch aus den Regalen nehmen, bei dem nur Mindeststandards eingehalten würden. „Der gesetzliche Standard ist aus Tierschutzsicht ungenügend.“ Wenn der Handel es wirklich ernst meine, müsse er auch Billigpreiswerbung für Fleisch beenden.