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Diskutierten über die Energiewende (von links): Wirtschaftsrats-Sprecher Georg Wellendorff, CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum und Referent Michael Schmidt.
Diskutierten über die Energiewende (von links): Wirtschaftsrats-Sprecher Georg Wellendorff, CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum und Referent Michael Schmidt.
28.10.2016

Top-Manager zweifelt am Erfolg der Energiewende in Deustchland

PFORZHEIM. Er trägt keinen Cowboyhut und mit dem texanischen Ölbaron J. R. Ewing aus der TV-Serie „Dallas“ hat Michael Schmidt wenig gemein – außer dass beide mit Erdöl gute Geschäfte machen. Schmidt (56) ist Chef von BP Europa – und verantwortlich für die Aktivitäten des Mineralölriesen in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Polen und Ungarn mit über 10 000 Beschäftigten und 4000 Tankstellen. Am Donnerstag referierte er beim CDU-Wirtschaftsrat im Pforzheimer Parkhotel.

Und was die Zukunft des Ölgeschäfts angeht, ist es dem BP-Vorstandsvorsitzenden, der das Unternehmen zum Jahreswechsel auf eigenen Wunsch verlässt, nicht bange. Dagegen zweifelt der Top-Manager am Erfolg der Energiewende in Deutschland. Auf internationalem Parkett sei zu hören: „Entweder ihr Deutschen seid ungeheuer clever oder völlig durchgeknallt.“ Die Antwort ließ er gestern bewusst offen. Zumal nichts so heiß gegessen werde, wie es gekocht wird.

Für Schmidt ist völlig offen, ob das Elektroauto tatsächlich die Lösung für die Mobilität der Zukunft darstellt. „Die Messe ist noch nicht gesungen“, sagte der Münsteraner. Synthetische Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren hätten ebenso gute Chancen wie Biokraftstoffe der nächsten Generation – „aus Pflanzen, die dort wachsen, wo sonst nichts wächst“.

Es geht um Licht, Mobilität und Wärme: Auf einer Zeitreise durch die Welt der Energiegewinnung erinnerte Schmidt an die Petroleum-Lampe, die den ersten Nachfrageschub nach Erdöl ausgelöst habe. Erst dann kamen die Benzinkutschen und Schiffsmotoren.

Weltweit steige der Energiebedarf aus fossilen Quellen. BP rechnet mit einem Wachstum von jährlich 1,2 Prozent, obwohl der Anteil am Energiekuchen von 32 auf 27 Prozent bis 2040 sinken werde. Deshalb setzt der Energiekonzern auf Erdgas und Erdöl. „Rund 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden weiterhin aus fossilen Brennstoffen kommen.“ Der Anteil der Erneuerbaren steige von derzeit drei auf neun Prozent. „King Oil wird nicht über Nacht abtreten,“ versicherte Schmidt. Es werde auf lange Zeit ein Miteinander der verschiedenen Energiequellen geben. „Man kann die Gesetzte der Physik nicht aushebeln.“

Bei der Energiewende spiele der Ölpreis nur eine untergeordnete Rolle. Im Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre lag dieser übrigens bei rund 57 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Auf dem aktuellen Niveau von knapp 50 Dollar lohne sich auch das Fracking in den USA wieder. Schmidt warnte vor einer allzu emotionalen Diskussion dieser umstrittenen Form der Energiegewinnung durch Bohrungen in ölhaltigen Gesteinsschichten.

In Europa gehe es vorrangig um den Klimaschutz. So habe die Öko-Steuer die Autoabgase reduziert, weil die Motoren sparsamer geworden sind. „Mein erstes Auto, ein VW-Käfer, hatte nur 44 PS, hat aber fast 14 Liter geschluckt,“ erinnert sich der BP-Chef. Doch das höhere Transportaufkommen auf der Straße durch den wachsenden Güterverkehr habe diese Einsparungen mehr als ausgeglichen.