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Ungewöhnliches Reiseziel: Am Messestand von „Chornobyl-Tour auf der ITB in Berlin werden Touren in die Tschernobyl-Zone angeboten, wo 1986 ein Atomreaktor explodierte. Foto: Frei
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Gasometer-Betriebsleiterin Angelika Taudien freut sich über den Besuch von Andreas Braun (Chef Tourismus Marketing GmbH) und Minister Guido Wolf (rechts). Foto: Frei

Tourismus-Messe in Berlin: Einmal Tschernobyl und zurück

Berlin/Pforzheim. Im Urlaub unter Palmen und blauem Himmel am Strand liegen oder die Wanderstiefel in den Bergen schnüren, mit dem Hausboot auf Kanälen tuckern oder auf einem Kreuzfahrtschiff die Weltmeere erkunden, im Zelt, Schäferwagen oder Luxushotel übernachten und einen Städtetrip zum Pforzheimer Gasometer unternehmen. Die Internationale Tourismusbörse (ITB) in Berlin bietet mit ihren 10.000 Ausstellern aus 181 Ländern die ganze Palette dessen, was man in den Ferien unternehmen kann – auch eine Tour mit Gasmaske und Geigerzähler nebst Schildern, die auf Radiaktivität hinweisen als ständige Begleiter.

Mit rund 80 Euro aufwärts ist man dabei und kann sich dort umsehen, wo am 24. April 1986 ein Atomreaktor explodierte. Die Giftwolke zog damals nach Nord- und Mitteleuropa, in der früheren Sowjetrepublik Ukraine wurde die vier Kilometer vom Unglücksort gelegene Stadt Prypjat von der Landkarte gelöscht, im 18 Kilometer entfernten Tschernobyl mussten 100.000 Menschen umgesiedelt werden. Keine 1000 sind bisher auf Dauer zurückgekehrt. Heute sind die beiden Städte für viele Besucher makabre Ausflugsorte. „Ein Gebiet von der Größe eines kleinen Staates, von Menschen verlassen, umgeben von einer wuchernden Natur, das ist die Tschernobyl-Zone. Ein berühmtes Touristenziel“ preist das Unternehmen „Chornobyl Tour“ seine Führungen am Messestand auf der ITB an. Wobei ständig betont wird, dass alles absolut strahlungssicher sei.

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ITB: Tourismus-Messe in Berlin mit Pforzheimer Beteiligung

Um eine mögliche Strahlenbelastung zu kontrollieren, hat der Führer einer Gruppe einen Geigerzähler dabei. Außerdem kann man sich ein persönliches Strahlenmessgerät ausleihen. Beides, so wird bekundet, mache den Ausflug noch angenehmer und man werde in bester Erinnerung behalten, dass am Ende des Trips die empfangene Strahlendosis kaum messbar wäre. Sie sei wäre vergleichbar mit einer Stunde im Flugzeug, 160 Mal geringer als eine Röntgenstrahlung bei einer Brustuntersuchung und gar 3600 Mal geringer als eine Computertomographie (CT) des ganzen Körpers. Nach Beendigung der Tour sollen jedoch Kleidungsstücke und mitgeführte Gegenstände gründlich gewaschen werden.

Für die genannten 80 Euro geht es einen Tag in die Tschernobyl-Zone mit mehreren Stopps, so in der Geisterstadt Prypiat. Eine Tour innerhalb des im Jahr 2000 stillgelegten Atomkraftwerks mit Besichtigung des Kontrollzentrums kostet über 100 Euro. Von 170 Euro an kann eine Tour zu früheren geheimen Militärbasen aus der UdSSR-Zeit gebucht werden, mit eingeschlossen ist eine einstige Atomraketen-Abschussbasis. Wem all dies dann noch nicht genügt, kann sich auch in unterirdischen Gängen, in Tunnels und Höhlen um sehen, die von den Sowjets militärisch genutzt worden waren. „Unsere Touren werden ihnen unvergesslich bleiben“, versichern die jungen Leute am Messestand und versprechen einmalige Erlebnisse in einer „postapokalyptischen Welt“.