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Der Schwarzwald zieht viele Besucher an – auch auf der CMT. Foto: Löffler
Der Schwarzwald zieht viele Besucher an – auch auf der CMT. Foto: Löffler
18.01.2019

Tourismus als Jobmaschine: Nordschwarzwald wirbt für gute Ausbildung

Stuttgart/Enzkreis/Pforzheim. Die Zahlen sind beeindruckend: Umgerechnet auf Vollzeitstellen sind annähernd 400.000 Menschen direkt im baden-württembergischen Fremdenverkehr beschäftigt. Landestourismus-Minister Guido Wolf (CDU) kündigte auf der Reisemesse CMT in Stuttgart an, man wolle „Mittel weiter aufstocken“, um diesen Jobmotor am Laufen zu halten. Eine große Herausforderung sei jedoch der Fachkräftemangel, der sich zu einem „ernsten Wachstumshemmnis“ entwickelt habe.

Für Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, ist eine gute Ausbildung der wichtigste Schlüssel zur Lösung des Fachkräfte- und Mitarbeitermangels, wie er auf der CMT-Pressekonferenz mit Minister Wolf deutlich machte. Die Nordschwarzwälder haben innerhalb der zwölf baden-württembergischen Kammern die Federführung für den Tourismus. Es gelte, die Jugendlichen für eine duale Ausbildung in dieser Branche zu begeistern. Welche vielfältigen Karrieremöglichkeiten ein Beruf im Bereich Fremdenverkehr, speziell hier in der Region, bietet, darüber informierte am Mittwoch auf dem CMT-Karrieretag unter anderem Tanja Traub, Mitglied der Geschäftsführung der IHK Nordschwarzwald. Die Teilnehmenden: Schulabgänger, Auszubildende, Studenten und Fachkräfte.

Noch bewegt sich die Sorge vor der Wachstumsbremse auf vergleichsweise hohem Niveau. Denn nach aktueller Erhebung der Zahlen für die ersten elf Monate 2018 – die Angaben für Dezember stehen noch aus – dürfte der Tourismus im Land zum achten Mal in Folge einen Rekordwert verzeichnen. Von Januar bis November wurden knapp 21 Millionen Ankünfte registriert, ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 3,9 Prozent. Insgesamt resultierten aus diesen Ankünften rund 51,3 Millionen Übernachtungen (Plus 3,6 Prozent).

Dabei entfallen mehr als 40 Prozent aller Übernachtungen in Baden-Württemberg auf den Schwarzwald, erklärte Hansjörg Mair, Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG), die neben dem Hauptsitz Freiburg eine Außenstelle in Pforzheim unterhält. Die STG rechnet für 2018 mit einem erneuten Gästerekord. 2017 kamen rund 8,3 Millionen Urlauber. Laut Mair betrug die Wertschöpfung aus dem Tourismus 2,95 Milliarden Euro, was den 321 Gemeinden unter dem Dach der STG mehr als 136 Millionen Euro Steuereinnahmen und über 100 000 Vollzeitarbeitsplätze sichere.

Nach einer Studie der dwif-Consulting GmbH entfällt auf jeden Reisenden eine durchschnittliche Tagesausgabe von 38,30 Euro. Demnach ist der Tourismus eine „klassische Querschnittsbranche“. Ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleister oder Zulieferer wie regionale Produzenten und örtliche Handwerksbetriebe, „es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert“, besagt die Studie. Der Minister warnte trotz quantitativer Zuwächse vor zu großer Euphorie: „Die Herausforderung, diese tollen Zahlen zu halten, wird nicht kleiner.“ Wichtig sei qualitatives Wachstum, denn: „Wer heute nur Standard liefert, der fällt nicht auf.“ Immerhin „konkurrieren wir mit Destinationen auf der ganzen Welt“, mahnte Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW). Wolf plädiert deshalb für eine „Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit“, um beispielsweise der „Lebenswirklichkeit in der Gastronomie“ Rechnung zu tragen.