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Teilnehmer des Aktionstages privater Busunternehmen fordern auf Plakaten: „Kein Schluss für Bus“. Sie wollen Soforthilfe.  Foto: Kramer 

Touristiker kämpfen im Südwesten darum, wieder fahren zu dürfen: Regionale Firmen beteiligen sich am bundesweiten Aktionstag

Stuttgart/Berlin. Eigentlich hätte sich Richard Eberhardt an diesem Mittwoch mit dem firmeneigenen Reisebus in die Kolonne von mehr als 100 Bussen in Stuttgart eingefädelt – doch die Pflicht ruft, das Geschäft geht in diesen schwierigen Zeiten vor. Dafür sind sein Sohn und der Betriebsleiter bei der Kundgebung auf dem Karlsplatz dabei. Mit anderen Unternehmern und Fahrern fordern sie, wieder fahren zu dürfen. Auch in Berlin und Dresden ist das Reisebusunternehmen bei dem bundesweiten Aktionstag unter dem Motto „Busunternehmen jetzt retten“ vertreten. Mit dabei sind auch mehrere Busse von Binder aus Wurmberg und Stuttgart.

„Es ist eine beachtliche Aktion“, sagt Eberhardt, geschäftsführender Gesellschafter des Engelsbrander Reiseunternehmens. Von dieser Aktion erhofft er sich wichtige Impulse – auch, weil der Präsident des Internationalen Bustouristik Verbands, Benedikt Esser, der Forderung in Berlin Nachdruck verleihen werde, so Eberhardt. Er selbst war von 2002 bis 2017 Präsident des Branchenverbands, heute ist er Ehrenpräsident.

Und die Notwendigkeit besteht: Drei Millionen Menschen arbeiten in der Tourismusbranche. Die Coronavirus-Pandemie hat ihr enorm zugesetzt – Ostern und weitere Feiertage fielen flach, Pfingsten steht auf der Kippe:

"60 bis 70 Prozent des Umsatzes sind für dieses Jahr verloren“, sagt Eberhardt.

Wichtig sei daher, dass die Regierung die Omnibusunternehmen nicht ausbremse, so der Geschäftsführer. Denn die Hoffnung auf einen Urlaub in Deutschland keimt. „Auch wir führen Deutschlandurlaube im Programm.“

Busreiseverbot im Südwesten verlängert

Das Problem in Baden-Württemberg: Während die Busse in anderen Bundesländern schon wieder fahren dürfen, wurde das Busreiseverbot im Südwesten vom 5. auf den 14. Juni verlängert. Das führe abgesehen von finanziellen Einbußen auch zu einem unfairen Wettbewerb zwischen den Bundesländern sowie zu reichlich Verwirrung. „Darf ein hessischer Busfahrer durch Baden-Württemberg fahren oder muss er drumherum fahren?“ fragt Ulrike Schäfer, Sprecherin des baden-württembergischen Busverbands (WBO).

Gleichzeitig betont Schäfer, dass die Branche dankbar für die Finanzhilfen sei. „Die Botschaft ist zunächst ganz klar ein Dank an die Politik.“ Immerhin sei Baden-Württemberg das erste Bundesland, das die Branche mit 240 Millionen Euro finanzieller Hilfen stütze. Doch für Touristiker wie Eberhardt geht es nicht schnell genug: Bei vielen Unternehmen mit mehr als elf Mitarbeitern seien die Hilfsgelder noch nicht geflossen – auch bei Eberhardt Reisen nicht. Das gelte ebenso für den Bereich des ÖPNV.

„Wenn kein Geld reinkommt, die Leistung aber erbracht wird, da fragt man sich schon, wer das alles bezahlen soll. Wir sitzen auf den Kosten“, klagt Eberhardt.

Wichtig sei, dass die Unternehmen das zugesagte Geld nun so schnell wie möglich erhielten, weil viele kurz vor dem Aus stünden.

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Auch die regionalen Busunternehmen Eberhardt und Binder haben sich an den Protestaktionen beteiligt. Foto: Privat

Mit Kurzarbeit und der Stilllegung von Bussen versucht auch das Wurmberger Unternehmen Binder, irgendwie über die Runden zu kommen. Auch die Schülerbeförderung – ein wichtiges Standbein des Familienunternehmens – läuft nicht mal mit halber Kraft. „Ein Fahrer hat gestern vier Schüler im Bus zu den Prüfungen gefahren“, sagt Marion Binder-Waizenhöfer. Auch im Linienverkehr geht derzeit wenig. Die Auslastung liege bei 30 Prozent.

Bei Binder hat man natürlich Verständnis für die Absage von Vereinsausflügen und Gruppenreisen. Doch es sei eben kein Ende der Auswirkungen der Corona-Pandemie erkennbar.

„Viele unserer Kollegen haben die Saison komplett abgeschrieben.“

Fahrten zur Zugspitze, nach Italien oder zur Insel Mainau mussten abgesagt werden. Das trifft vor allem das Reiseunternehmen Binder in Stuttgart, das auf Städtereisen spezialisiert ist.

Der Landtagsabgeordnete des Enzkreises und tourismuspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Erik Schweickert, unterstützte vor Ort die unter den coronabedingten Fahrverboten leidenden Busunternehmen und fordert die grün-schwarze Landesregierung auf, Busreisen wieder zu erlauben. Für Eberhardt ist das Busfahren ohnehin die ökologischste Art des Reisens.

Lothar Neff

Lothar Neff

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