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16.12.2016

US-Geldpolitik bremst Goldpreisanstieg

Drohende Wahlerfolge von populistischen Kräften bei Präsidenten- und Parlamentswahlen in der Eurozone, die Umsetzung des Brexit und ein als unberechenbar geltender US-Präsident Donald Trump. Die Liste der Auslöser für mögliche Börsengewitter 2017 ist lang. Gold gilt als ein sicherer Hafen für Anleger, doch der Goldpreis ist zuletzt kräftig gefallen. Die meisten Experten erwarten auf längere Sicht keine starke Preiserholung.

„Am Ende wird viel davon abhängen, was das politische Stimmungsbarometer in Europa anzeigt und wie Donald Trump es schafft, sein gespaltenes Land zu führen“, sagt Dora Borbely, Rohstoffexpertin bei der Dekabank. Sie geht davon aus, dass der Goldpreis von politischen Unsicherheiten profitieren wird. Einen rasanten Anstieg erwartet Borbely aber nicht. „Aus unserer Sicht erscheint es am wahrscheinlichsten, dass Gold teuer bleibt, aber nicht nennenswert teurer wird.“ Ganz ähnlich sieht das der Anlagestratege Lars Edler vom Bankhaus Sal. Oppenheim: „Bei Goldinvestments sehen wir auf dem aktuellen Preisniveau wenig Spielraum für Kurssteigerungen.“

Zuletzt konnte der Goldpreis Anfang 2016 von heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten profitieren. Ausgehend von einer überraschenden Börsenkrise in China kam es seinerzeit weltweit zu einer Flucht in sichere Anlagen, von der auch der Goldpreis kräftig profitierte. Das erste Quartal 2016 war allerdings die bisher letzte Phase, in der es mit dem Goldpreis stark nach oben ging. Seit dem Sommer zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Vom Jahreshoch bei 1375,34 Dollar (1313 Euro) je Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Mitte Juli ist der Preis für das Edelmetall auf dem Weltmarkt um mehr als 200 Dollar (191 Euro) gefallen. Unter anderem wird der Goldpreis durch eine verhaltene Nachfrage nach Schmuck, Münzen und Barren gebremst. Die Konsumentennachfrage ging nach Angaben des Branchenverbandes World Gold Council (WGC) in den ersten neun Monaten des Jahres weltweit um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück.

Maßgeblich belastet wurde der Absatz von einem deutlichen Rückgang in Indien und China. Beide Länder sind besonders wichtig für die Entwicklung des Goldpreises. Vor allem in Indien sieht Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank eine wichtige Ursache für die aktuell schwache Nachfrage nach Goldschmuck und Goldbarren, die dort 2016 auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gefallen sei. Der Experte erklärt die Entwicklung mit einer Anfang April eingeführten Verkaufssteuer auf Goldschmuck.

Nicht zuletzt gilt aber auch die Geldpolitik in den USA als Bremse für den Goldpreis. Nachdem die US-Notenbank den Leitzins zum Jahresende erhöht hat, rechnen Ökonomen im kommenden Jahr mit weiteren Zinsschritten. Die Anleger dürften, angelockt von steigenden Zinsen, stärker auf andere Anlageklassen setzen und einen Bogen um das Edelmetall machen, das keine Zinsen abwirft. Für viele Anleger wird Gold weiterhin eine Rolle als Versicherung für unruhige Zeiten spielen.