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Der chinesische Unternehmer Li Shufu hat knapp zehn Prozent der Anteile an Daimler übernommen und ist auch an Volvo beteiligt. Foto: Zhejiang Geely Holding Group
Der chinesische Unternehmer Li Shufu hat knapp zehn Prozent der Anteile an Daimler übernommen und ist auch an Volvo beteiligt. Foto: Zhejiang Geely Holding Group
28.02.2018

Überraschender Einstieg des Geely-Chefs beim Autobauer Daimler wirft Fragen auf

Stuttgart. Mit seinem Überraschungs-Einstieg als größter Aktionär beim Autobauer Daimler wirft Geely-Gründer Li Shufu weiter viele Fragen auf – nicht nur nach seinen Motiven. Die Vertreter der Arbeitnehmerseite im Daimler-Aufsichtsrat kündigten an, das Engagement des chinesischen Auto-Konzerns genau unter die Lupe zu nehmen. Groß alarmiert zeigten sie sich jedoch nicht. Börsenexperten warnten hingegen, dass Geely nun zu viel Einblick in Strategie und Technologie des Dax-Konzerns bekommen könnte. Daimler selbst schweigt dazu und verweist auf die Vertraulichkeit von Investorengesprächen.

Inzwischen hat sich Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit Li Shufu getroffen. „Es liegt im Landesinteresse, mit jemandem, der hier doch einige Milliarden investiert in Baden-Württemberg, auch zu sprechen“, sagte Strobl in Stuttgart. Er habe sich mit Li auf dessen Betreiben hin am Montag in Berlin getroffen und unter anderem über den freien Welthandel, die Digitalisierung und den Wandel in der Autoindustrie gesprochen. „Das war ein interessantes und ein gutes Gespräch.“

Der chinesische Milliardär war vergangene Woche mit knapp zehn Prozent der Anteile bei Daimler eingestiegen und damit auf einen Schlag größter Einzelaktionär des Stuttgarter Autobauers geworden. Dass Li es schafft, aus dem Stand so groß einzusteigen, ohne dass es vorher bekannt wird, hatte dann aber doch überrascht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) teilte mit, sie sehe sich wie in vergleichbaren Fällen auch in diesem an, ob die Stimmrechtsveränderungen rechtzeitig gemeldet wurden.

Die Daimler-Beschäftigten müssen sich aus Sicht des Personalvorstands Wilfried Porth keine Sorgen machen. „Der neue Investor unterstützt unsere Strategie und das Management voll und ganz“, sagte Porth. „Es sind keine Jobs gefährdet.“ Porth sagte weiter, er habe „noch keinen Aktionär erlebt, der bei uns ins tägliche Geschäft eingegriffen hat“.

Die Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite kündigten an, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, welche Auswirkungen der Schritt für das Unternehmen insgesamt sowie die Sicherheit von Standorten und Arbeitsplätzen in Deutschland hat, hieß es in einer Stellungnahme. „Unsere Erwartung gegenüber Li Shufu ist, dass er langfristiges Interesse an Daimler hat und unser Unternehmen gemeinsam mit den Beschäftigten weiterentwickeln will.“ „Natürlich werden wir uns als Arbeitnehmervertreter damit beschäftigen – egal wer da kommt“, sagt IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger, der ebenfalls für die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sitzt. „Wir wollen keinen Finanzinvestor mit kurzfristigen Zielen, sondern jemanden, der uns auf der langen Strecke begleitet.“ Das, was man von Geely wisse, spreche bisher auch dafür. „Geelys Einstieg bei Volvo war nie schädlich. Generell gibt es bisher eher positive Erfahrungen mit chinesischen Investoren, sie treten mit langfristigen Interessen auf“, sagte Zitzelsberger. „Und mit zehn Prozent Beteiligung ist Geely zwar der größte Einzelaktionär, aber kein Alleinentscheider.“

Personelle Konsequenzen

Beim Lkw-Bauer Volvo in Schweden führte der Deal zu personellen Konsequenzen. Håkan Samuelsson werde im April den Aufsichtsrat verlassen, teilte die Volvo Group mit. Samuelsson ist auch Vorstands-Chef beim rechtlich selbstständigen Autobauer Volvo Cars, der nur Pkw anbietet und von Geely kontrolliert wird.