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Das C&A-Gebäude in Pforzheim soll erweitert und einige Meter nach vorne (bis an die Linie zwischen rotbrauner und grauer Bepflasterung) verlängert werden. Foto: Ketterl
Das C&A-Gebäude in Pforzheim soll erweitert und einige Meter nach vorne (bis an die Linie zwischen rotbrauner und grauer Bepflasterung) verlängert werden. Foto: Ketterl
16.11.2016

Umbruch im Textilhandel: C&A gibt sich neues Image

Düsseldorf/Pforzheim. Zuletzt schrumpften im Wettbewerb mit H&M, Primark und Zara die Umsätze des Familienimperiums. Doch jetzt will C&A den Trend umkehren. Dabei ist der Textilhandel in Deutschland im Umbruch. Besagte Modeketten überfluten den Markt mit modischen Kollektionen zu Billigpreisen. Der Online-Handel wächst. Selbst Lebensmitteldiscounter wie Aldi oder Lidl gehen mit Designerkollektionen und Kaschmir-Pullovern auf Kundenfang.

Das ist auch an C&A, einem der bekanntesten Namen im deutschen Textilhandel, nicht spurlos vorübergegangen. „Nach einer langen Zeit des Wachstums sind unsere Umsätze in den vergangenen Jahren zurückgegangen“, berichtete C&A-Europa-Chef Philippe Brenninkmeijer dem Branchenfachblatt „Textilwirtschaft“. Ein ungewöhnliches Eingeständnis für das eigentlich äußerst verschwiegene Familienunternehmen. Doch damit wollte der Unternehmer wohl ein Zeichen setzen. „Bisher konnten wir mit den Rückgängen umgehen, aber auf Dauer ist so etwas nicht nachhaltig“, sagte Brenninkmeijer. „Deshalb sind wir entschlossen, den Trend umzukehren.“

Eine Milliarde Euro

Um aus dem Abwärtstrend herauszukommen, will C&A in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro investieren. Und erste Erfolge seien bereits sichtbar, erklärt C&A-Pressesprecher Thorsten Rolfes gestern im Gespräch mit der PZ. Das neue Einrichtungskonzept habe man zunächst in Belgien sowie in Bamberg, Lörrach und dem CentrO Oberhausen umgesetzt – die Kundenfrequenz sei steigend. Weitere 50 Häuser bundesweit sollen im kommenden Jahr folgen. Bis Ende 2017 werde bereits ein Drittel der Geschäfte modernisiert sein, bis 2021 rund 80 Prozent. Außerdem will C&A wieder verstärkt in Werbung investieren. Ziel sei es, „bis 2021 ein robustes Wachstum zu erzielen“. Auch das Online-Geschäft spiele dabei eine wichtige Rolle, wobei die Kunden die per Mausklick bestellte Ware versandkostenfrei im nächstgelegenen C&A abholen können. „Das wird gerne genutzt.“ Pforzheim sei ein guter Standort für das Traditionsunternehmen. Auch vom angekündigten Umbau des Hauses in der Goldstadt verspreche man sich einiges. „Wir haben für den Eigentümer des Gebäudes ein mögliches Konzept für die Immobilie entwickelt, dieses wird in die Innenstadtentwicklung Ost mit eingebunden“, erläuterte dazu Architekt Peter W. Schmidt. „Die Konzeption wurde jedoch aus der städtebaulichen Notwendigkeit heraus entwickelt und ist ursächlich nicht auf die Restrukturierungspläne bei C&A zurückzuführen.“

Galt C&A früher ganz selbstverständlich als erste Adresse für den preiswerten Einkauf von Bekleidung für die ganze Familie, so tummeln sich im Billigsegment inzwischen immer mehr Wettbewerber. Teils seien die Probleme aber auch hausgemacht. Wie viele andere Händler habe C&A „die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der sich der Modehandel in Richtung Online-Umsätze verändert“, räumt Brenninkmeijer ein. „Kein Zweifel, darauf hätten wir eher reagieren müssen.“ Im Online-Handel plant das Unternehmen, seine Umsätze innerhalb von vier Jahren zu verdreifachen. Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU sieht jedenfalls große Hürden vor dem Familienunternehmen. „C&A hat kein klares Image. Die Kunden wissen nicht, wofür C&A steht“, bemängelt er. Die Konkurrenz sei dem Unternehmen enteilt, so Fassnacht. Primark oder H&M seien modischere Kollektionen. Für ihn steht fest: C&A muss als Marke begehrenswerter werden. „Eine Marke zu erneuern, ist ein langwieriger Prozess.“

Genügend Kapital

Doch einiges spricht für ein rasches Comeback von C&A, ist der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein überzeugt. Schließlich sei die Kapitalkraft der Familie Brenninkmeijer ungebrochen.

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