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Trotz Kurzarbeit und Einstellungsstopp in der Corona-Krise halten viele Maschinenbauer an ihren Ausbildungsplänen fest.  Foto: dpa/Berg 

Unternehmen halten an Azubis fest: Im Nordschwarzwald wollen 90 Prozent der Firmen weiter ausbilden

Frankfurt/Pforzheim. Die Sorge vor einem Einbruch auf dem Lehrstellenmarkt infolge der Corona-Krise ist groß. Viele Maschinenbauer wollen trotz Kurzarbeit und Einstellungsstopp jedoch an ihren Ausbildungsplänen festhalten, wie aus einer Umfrage des Branchenverbandes VDMA unter gut 600 Mitgliedsfirmen hervorgeht. Demnach wollen jeweils etwa zwei Drittel künftig genauso viele gewerblich-technische sowie kaufmännische Ausbildungsplätze anbieten wie vor der Pandemie. Hoffnung macht auch eine aktuelle Umfrage der Arbeitsagentur Nagold/Pforzheim.

Wie deren Sprecher am Freiatg auf Anfrage der PZ bestätigte, hätten 90 Prozent von 800 befragten Unternehmen aus allen Branchen bekundet, auch in diesem Sommer wieder Lehrlinge einzustellen. „Es darf keinen Corona-Jahrgang auf dem Ausbildungsmarkt geben“, zitiert Pressesprecher Stefan Gauß den Chef der Bundesagentur für Arbeit. Bis einschließlich März hätte es zahlreiche neue Ausbildungsplatzangebote im Nordschwarzwald gegeben. „Erst im April haben wir weniger Stellen registriert.“ Gauss spricht aber von einem relativ hohen Bestand. Zusätzliche Infos für Ausbildungsplatzsuchende bietet die Agentur für Arbeit unter Telefon (07231) 304200 an.

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„Die Unternehmen wissen um ihre Verantwortung in der Ausbildung. Die meisten wollen weitermachen wie bisher“, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. Der Umfrage zufolge wollen 68 Prozent der Unternehmen ihr Lehrstellenangebot im gewerblich-technischen Bereich aufrechterhalten. 20 Prozent rechnen mit einem Rückgang, fünf Prozent mit einem Anstieg. Ähnlich ist das Bild im kaufmännischen Bereich, hier wollen 63 Prozent an ihren Ausbildungsplänen festhalten.

"Die Unternehmen wissen um ihre Verantwortung in der Ausbildung. Die meisten wollen weitermachen wie bisher."

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA

Dabei dürfte auch der Fachkräftemangel eine Rolle spielen. Die exportorientierte deutsche Schlüsselindustrie mit rund 1,3 Millionen Beschäftigten klagt seit Jahren über einen Mangel an Ingenieuren und qualifizierten Fachkräften. Trotz der Corona-Krise gab es im April nach Daten der Bundesagentur für Arbeit in den maschinenbaurelevanten Berufen rund 19 000 mehr unbesetzte Lehrstellen als Bewerber.

Außerordentliche Anstrengung für Firmen

Zwar sei es für die Firmen aktuell eine außerordentliche Anstrengung, angesichts von Kurzarbeit in vielen Betrieben das Angebot hoch zu halten. „Aber die großen technologischen Aufgaben unserer Zeit bleiben, der Investitionsbedarf in Forschung, nachhaltige Produktion und Digitalisierung ebenso“, betont Rauen. „Nur mit gut ausgebildeten Menschen und deren Innovationen werden wir diese Aufgaben lösen können.“

"Wir kommen von einem sehr hohen Niveau in der Ingenieurbeschäftigung, der Maschinenbau ist hier führend unter allen Industriezweigen."

Rauen

Etwas ungünstiger als bei Auszubildenden sieht es für Hochschulabsolventen aus. 37 Prozent der befragten Maschinenbauer gehen von einem sinkenden Angebot in ihrem Unternehmen aus. Die Mehrheit erwartet aber, dass sich durch die Krise nichts verändern wird (57 Prozent). „Wir kommen von einem sehr hohen Niveau in der Ingenieurbeschäftigung, der Maschinenbau ist hier führend unter allen Industriezweigen“, sagt Rauen.

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Bei zahlreichen Maschinenbauern (59 Prozent) herrscht einer weiteren Umfrage zufolge Einstellungsstopp. Die Corona-Krise trifft inzwischen nahezu alle Maschinenbauer in Deutschland. Vor allem die sinkende Nachfrage bereitet den Firmen Probleme. Sechs von zehn Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 30 Prozent. Kurzarbeit haben 67 Prozent der Firmen eingeführt.Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen einen Einbruch auf dem Lehrstellenmarkt in der Corona-Krise verhindern. Dazu haben sie in der sogenannten Allianz für Aus- und Weiterbildung gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit verschiedene Maßnahmen vereinbart. So sollen Betriebe, die Azubis von insolventen Firmen übernehmen, eine staatliche Prämie bekommen. Zudem soll die Beratung von Jugendlichen und Betrieben noch gezielter werden - auch mit mehr digitalen Formaten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte jüngst vor einem „Corona-Crash“ auf dem Ausbildungsmarkt gewarnt.