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Der Metall- und Elektroindustrie droht ein Tarifkonflikt.  Foto:.Carsten Rehder/dpa 

Unternehmer lehnen Lohnerhöhung ab - Südwestmetall verweist auf massive Wettbewerbsnachteile

Pforzheim. „Unsere Branche befindet sich seit Mitte 2018 in einer Abschwungphase und seit 2019 in der Rezession. Die Corona-Krise hat den zyklischen Abschwung im Frühjahr vergangenen Jahres dramatisch verstärkt“, sagte Cornelia Koch, Geschäftsführerin von Südwestmetall, am Samstag in einer Telefon-Pressekonferenz. Bundesweit habe die M+E-Industrie im vergangenen Jahr rund 15 Prozent weniger produziert als 2019 und etwa ein Fünftel weniger als im Vorkrisenjahr 2018.

Rund 60 Prozent der M+E-Unternehmen werden lediglich eine Nettoumsatzrendite von maximal zwei Prozent erzielen, so die Prognosen. Und Koch legt nach: „Mehr als ein Drittel der Unternehmen wird sogar rote Zahlen schreiben.“ Sie kenne Maschinenbauer, die seit einem Jahr keine einzige Maschine mehr verkauft hätten. „Deshalb darf es keine weiteren Belastungen für die Unternehmen geben, auch nicht vonseiten der Arbeitskosten.“ Die Arbeitnehmer in der Metall- und Elektrobranche hätten in den zurückliegenden Jahren regelmäßig satte Lohnerhöhungen bekommen, so Koch. „Wer beispielsweise 2011 noch 3000 Euro verdient hat, hat inzwischen einen Tarifverdienst von rund 4000 Euro – und das, obwohl die Inflation und Produktivität längst nicht so stark gestiegen sind.“

Das Durchschnittsjahreseinkommen der M+E-Beschäftigten in Baden-Württemberg liege inzwischen schon bei 65.000 Euro. Weiteren Verteilungsspielraum gebe es nicht, sagt Michael Kristeller, Geschäftsführer der Rosenbauer Karlsruhe GmbH & Co. KG und Vorsitzender der Bezirksgruppe Mittlerer Oberrhein-Enz von Südwestmetall. Rosenbauer, führender Hersteller von Hubleitern für Feuerwehrfahrzeuge, spürt die Zurückhaltung der Kommunen bei Investitionen in neue Fahrzeuge. Eine klare Absage an eine deutliche Lohnerhöhung erteilte auch Johannes Haupt, Vorsitzender der Geschäftsführung der, Blanc und Fischer Holding in Oberderdingen. Zur Gruppe gehören sechs Unternehmen in Familienbesitz und insgesamt 8200 Mitarbeiter, davon über 3000 im Kraichgau. Die Tochterfirma Blanco Professional leidet massiv unter der Schließung der Gastronomie. Der Blanc&Fischer-Gruppe insgesamt geht es jedoch gut, wie Haupt ausführte. Die Firmen Blanco (Spülen und Küchenarmaturen) und der Elektronikhersteller E.G.O. sind global aufgestellt und wirtschaftlich erfolgreich.

„Wir haben wirklich tolle Mitarbeiter in Deutschland.“

Aber Haupt mahnte dennoch zu einem maßvollen Tarifabschluss. Sonst würden künftige Investitionen ins Ausland fließen und in der Region Arbeitsplätze abgebaut. Das sieht auch David Pistor, Geschäftsführer Sulzer Pumpen GmbH in Bruchsal für Chemie- und Energieindustrie, gehört zum Schweizer Sulzer-Konzern. Pistor berichtete von einem starken Preisdruck und erheblichen Lohnkostennachteilen. Weltweit zehn Pumpen-Fabriken stehen bei Sulzer auch im internen Wettbewerb.

Die Witzenmann GmbH in Pforzheim ist Weltmarktführer für flexible metallische Elemente. Das Unternehmen erzielt zwei Drittel seines Umsatzes mit Fahrzeugteilen. Die Gruppe ist in 19 Ländern aktiv, beschäftigt über 4000 Mitarbeiter, davon 40 Prozent am Stammsitz Pforzheim. Das Kernproblem von Witzenmann: 50 Prozent der Produkte hängen am Verbrennungsmotor.

„Wir haben Kostensenkung im März 2020 in einem Standortsicherungstarifvertrag vereinbart“, so Geschäftsführer Heiko Pott. „Dieser sichert uns zwei Jahre Planungssicherheit und Kostenentlastung.“ Zudem wurden mit der Vereinbarung Zukunftsinvestitionen in zweistelliger Millionenhöhe angestoßen.

Lothar Neff

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