760_0900_116719_Vorstand_VRBEP_2020.jpg
Die Vorstände der VR Bank Enz plus (von links): Armin Kühn, Martin Schöner, Jürgen Wankmüller (Vorsitzender) und Ulf Meißner.  Foto: Privat 
760_0900_116718_88866256.jpg
Die VR Bank Enz Plus schrumpft den Aufsichtsrat von bislang 21 auf nur noch zehn Mitglieder.  Foto: dpa 

VR Bank Enz Plus schrumpft Aufsichtsrat um elf Mitglieder - Kritik an hoher Vergütung der Mitglieder

Remchingen. „Videokonferenzen, Homeoffice und Homeschooling prägen im Moment unser Leben – und jetzt auch eine digitale Vertreterversammlung“, erklärte am Mittwoch Jürgen Wankmüller, Vorstandschef der VR Bank Enz plus eingangs. „Gerne hätten wir wie gewohnt eine Präsenzveranstaltung in der Kulturhalle veranstaltet“.

Über 100 Teilnehmer hatten im Vorfeld die Berichte von Vorstand und Aufsichtsrat, die im Mitgliederportal bereitgestellt waren, eingesehen. Die Veranstaltung wurde aus dem Veranstaltungsraum der VR Bank direkt ins Versammlungsportal übertragen.

Ein Beschlussvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat sagte den Vertretern freilich nicht zu. „Uns im Übrigen auch nicht“, so Ulf Meißner, Vorstand der VR Bank. Die Entscheidung über die Nachholung der ursprünglich geplanten Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 2,5 Prozent in Form einer Bonusausschüttung muss die Bank ins kommende Jahr verschieben (die PZ berichtete). Der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ausgesprochenen Empfehlung an alle Banken, im Zuge der Corona-Pandemie und den damit noch nicht abschätzbaren Kreditrisiken, auf die Zahlung einer Dividende zu verzichten, komme die Bank mit diesem geänderten Beschlussvorschlag nach.

Insgesamt sei die VR Bank Enz plus mit dem operativen Ergebnis des Jahres 2019 zufrieden, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Prüfungsbericht des Genossenschaftsverbands ist freilich von einem unterdurchschnittlichen Ergebnis die Rede. Die Geschäftsentwicklung sei gut, das betreute Kundenvolumen um 5,3 Prozent auf 3,15 Milliarden Euro gestiegen. Dazu komme ein Kundenkreditvolumen, dessen Anstieg um 6,9 Prozent noch höher ausfiel. Unter dem Strich steht ein Bilanzgewinn von 956.000 Euro.

Veränderungen wird es im Aufsichtsrat der Bank geben. Dieser bestand seit der Fusion im Jahr 2017 aus 21 Mitgliedern. Das Gremium wird vertragsgemäß verkleinert. Zur turnusmäßigen Wiederwahl standen gestern die langjährigen Aufsichtsratsmitglieder Michael Eck, Reinhard Engel und Alexander Kasper. Zusammen mit Martina Lechler, Hubert Bittighofer, Volker Dennig, Sven Drollinger, Uwe Elsäßer, Alexander Essig und Walter Kopp wird das Gremium damit zukünftig aus zehn Mitgliedern bestehen.

„Gegen die Reduktion der Zahl der Mitglieder ist nichts einzuwenden“, erklärte Mitglied Martin Büchele. Er schlug jedoch alternativ die bisherige Aufsichtsrätin Kerstin-Nell Schatz als zusätzliche Kandidatin vor. Nur eine Frau im Gremium sei zu wenig, zudem drohe eine Überalterung des Aufsichtsrats. Die Altersstruktur des reduzierten Aufsichtsrates werde sich künftig aus sechs Mitglieder über 50 Jahre und aus vier Mitgliedern über 60 Jahre zusammensetzen, teilt der Aufsichtsrat dazu mit. Die von Büchele zur Wiederwahl vorgeschlagene Aufsichtsrätin stand für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung. Auch die angeblich zu hohe Vergütung des Vorstands in Höhe von 1,3 Millionen Euro (für fünf Vorstandsmitglieder im Jahr 2019) wurde von Büchele kritisiert.

Eine Bank in der Größenordnung der VR-Bank Enz Plus könne sich eigentlich nur einen Vorstand von zwei und in Übergangszeiten drei Vorständen leisten, sagt Büchele. „Ihrer Behauptung, dass die Vorstandsvergütungen der Größe der Bank nicht angemessen sind, widersprechen wir mit aller Entschiedenheit,“ erklärte Vorstandsvorsitzender Wankmüller. Der zuständige Personalausschuss des Aufsichtsrats achte genau auf die Einhaltung der Vorschriften der Vergütungsverordnung. Dafür seien auch anwaltliche Beratungsleistungen in Anspruch genommen worden. „Darüber hinaus finden in regelmäßigen Abständen externe Prüfungen der Vorstandsvergütungen durch die Firma Audit WPG, einer Tochtergesellschaft des Genossenschaftsverbands statt. Beide externe Gesellschaften, kommen zum Ergebnis, dass die Vorstandsvergütungen angemessen sind.“