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Herbert Diess (links), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch werben bei den Aktionären um Unterstützung. Foto: Nietfeld
Herbert Diess (links), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch werben bei den Aktionären um Unterstützung. Foto: Nietfeld
17.05.2019

VW-Chef tritt Flucht nach vorn an

Berlin. Herbert Diess konnte den Dieselskandal bislang nicht abschütteln. Aktionäre sparen bei der Hauptversammlung nicht mit Kritik.

Milliardenkosten für „Dieselgate“, Zigtausende Kundenklagen vor Gericht, Anklagen und Untersuchungen gegen ehemalige Vorstände – das sind nur einige der Schlagzeilen, die den weltgrößten Autobauer Volkswagen auch mehr als drei Jahre nach dem Auffliegen der Dieselmanipulationen im Griff halten. Aktionäre sparten daher auf der Hauptversammlung in Berlin gestern nicht mit Kritik, auch wenn VW mit seinen Geschäftszahlen in der aktuellen Branchenflaute und angesichts der milliardenschweren Herausforderungen noch vergleichsweise gut dasteht. „Volkswagen ist weiter getrieben durch die Justiz“, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die auch Musterklägerin im Anlegerverfahren um eine angeblich zu späte Information des Kapitalmarkts ist.

Zahlreiche weitere Anleger kritisierten unter anderem die Besetzung des Aufsichtsrates und die in ihren Augen zu geringen Dividendenaufschläge für die Vorzugsaktionäre, die im Gegenzug für den Verzicht auf ihr Stimmrecht mehr Ausschüttung sehen wollen. Sowohl die Deka als auch die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wollten Vorstand und Aufsichtsrat mit nur punktuellen Ausnahmen nicht entlasten.

Allerdings ist die Macht im Konzern klar verteilt. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch halten mehr als die Hälfte der Stimmrechte, das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent. Die im Dax notierten Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht. Diess dürfte es ohnehin nicht in den Kram passen, dass weiter Themen aus der Vergangenheit die Diskussion um den Konzern maßgeblich prägen. Mit „Vehemenz“ will er den Blick der Öffentlichkeit auf die Zukunft des Konzerns richten – die in der Elektromobilität liegen und dem Konzern damit auch einen grünen Anstrich geben soll.

Auch gegen Widerstände in der Automobilbranche will er die Politik auf den reinen Elektroantrieb einschwören. „Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb“, sagte Diess. Am Abend vor der Aktionärsversammlung schnürte das Unternehmen ein Paket an Maßnahmen: der milliardenschwere Einstieg in die Batteriezellenfertigung in Salzgitter und der nun doch recht zügig in Aussicht gestellte Börsengang der Lkw- und Bustochter Traton.

Zudem stellte das Unternehmen – ebenfalls ein Wunsch von Anlegern – die Zukunft des Maschinenbauers Renk sowie des Großmotoren- und Turbinenbauers MAN Energy Solutions unter dem Konzerndach in Frage. „Wir überprüfen, ob wir noch der beste Eigentümer für die unterschiedlichen Geschäfte sind“, sagte Diess.

In der Vergangenheit scheiterten geplante Verkäufe von Randbereichen immer wieder an Widerständen von Interessengruppen im Konzern. Betriebsratschef Bernd Osterloh machte zur Bedingung, dass Verschlechterungen für die Belegschaft ausgeschlossen werden müssten.

Doch die Arbeitnehmerseite kann nun im Gegenzug auf neue Arbeitsplätze in der Batteriezellfertigung hoffen.

Wahrsager
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