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VW-Chef Herbert Diess wird es wohl wissen: Bei Volkswagen sind die Bezüge der Führungsetage 97-mal höher als der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter im Unternehmen. Foto: dpa
VW-Chef Herbert Diess wird es wohl wissen: Bei Volkswagen sind die Bezüge der Führungsetage 97-mal höher als der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter im Unternehmen. Foto: dpa
12.06.2019

VW-Vorstände verdienen 97-mal mehr als ihre Angestellten am Band

Chefetagen sind finanziell oft weit entfernt von der einfachen Arbeitswelt. Im Durchschnitt 52-mal so viel wie ihre Angestellten kassierten Vorstände der Dax-Konzerne im vergangenen Jahr. Damit war das Gehaltsgefälle in der ersten deutschen Börsenliga ebenso steil wie im Jahr 2017. Das hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gemeinsam mit der Technischen Universität München errechnet.

Am größten ist der Abstand der in Frankfurt vorgestellten Studie zufolge bei Volkswagen. Bei dem Autobauer sind die Bezüge der Führungsetage nach jüngsten Zahlen 97-mal höher als der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter im Unternehmen. Am geringsten ist das Gehaltsgefälle demnach bei der Deutschen Börse, die ihren Vorständen im Schnitt das 25-Fache zahlt.

Die Aufsichtsräte seien gefordert, darauf zu achten, dass die Schere sich in einem Unternehmen nicht zu weit öffne, mahnte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Eine Deckelung des Wertes über alle Branchen hinweg sehen Experten skeptisch. „Das würde unternehmerische Entscheidungen indizieren, die mit unternehmerischer Realität nichts zu tun haben“, warnte der Münchner Wissenschaftler Gunther Friedl. Unternehmen könnten sich zum Beispiel gezwungen sehen, Mitarbeiter in Billiglohnländer zu verlagern.

Im Durchschnitt kam ein Vorstandsmitglied im Deutschen Aktienindex – inklusive der Konzernchefs – 2018 auf eine Gesamtvergütung von 3,51 Millionen Euro. Nach Jahren des Wachstums verringert sich die Summe erstmals wieder. Der Rückgang zum Vorjahr, in dem sowohl die Börsen besser liefen, als auch die Gewinne kräftiger sprudelten, betrug 3,5 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf 29 der 30 Dax-Konzerne.

Mit Wohlwollen registrieren die Aktionärsvertreter, dass der Teil der Bezahlung, der sich am Aktienkurs orientiert, tendenziell größer wird. Er lag den Berechnungen zufolge im Jahr 2018 bei knapp über 30 Prozent. Das Festgehalt macht rund 33 Prozent aus. Größter Posten der Gesamtvergütung sind nach wie vor variable Boni mit fast 37 Prozent.

„Gute Leistung soll gut vergütet werden“, sagte Tüngler. „Wenn es aber schlecht läuft, muss der Vorstand dies ebenfalls im Portemonnaie spüren. Und das sehen wir oft noch nicht.“

Gemessen an der durchschnittlichen Bezahlung der Führungskräfte war VW 2018 Spitzenreiter im Dax: Bei dem Autobauer summierten sich die Bezüge eines Vorstandsmitglieds im Schnitt auf sechs Millionen Euro. Beim Pharmakonzern Merck auf Rang zwei waren es rund 5,2 Millionen Euro.

Dass die Deutsche-Bank-Vorstände mit durchschnittlich knapp 5,1 Millionen Euro auf Rang drei landeten, überraschte die Studienautoren – schließlich befinde sich das Institut „augenscheinlich nicht auf einem Erfolgskurs“.

Im internationalen Vergleich wirken die nun von der DSW veröffentlichten Summen bescheiden: In Europa sticht demnach Carlos Brito, Vorstandsvorsitzender des belgischen Getränkegiganten AB InBev, mit 31,8 Millionen Euro heraus. In den USA kommt Disney-Boss Robert Iger sogar auf knapp 55,6 Millionen Euro.