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Die Beschäftigten von Volkswagen demonstrieren Zusammenhalt durch T-Shirts mit dem Aufdruck „Ein Team, eine Familie“. Fotos: NIEPAUL
Die Beschäftigten von Volkswagen demonstrieren Zusammenhalt durch T-Shirts mit dem Aufdruck „Ein Team, eine Familie“. Fotos: NIEPAUL
07.10.2015

VW-Chef stellt vieles auf den Prüfstand

Krise, Skandal, Diesel – die VW-Mitarbeiter sind genervt, sie können die derzeit wohl meistgenannten Worte im Konzern nicht mehr hören. Während sich gefühlt die ganze Welt über die Manipulationen an rund elf Millionen Autos aufregt und nach Konsequenzen ruft, herrscht kurz vor der Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg unter den rund 72 500 Beschäftigten gestern neben Wut aber noch ein weiteres Gefühl: Angst. Ist mein Arbeitsplatz nun in Gefahr? Wie kann die vom Management veranlasste Krise gelöst werden, ohne dass es Kündigungen geben muss?

Der weltweite Abgas-Skandal bei Volkswagen könnte wichtige Investitionspläne bei Europas größtem Autobauer ins Wanken bringen. „Klar ist: Unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung kommen massiv unter Druck“, sagte der neue Vorstandschef Matthias Müller gestern bei einer Betriebsversammlung im VW-Werk Wolfsburg nach einem Redemanuskript. Die Versammlung selbst war nicht öffentlich.

Technische Lösungen zur Beseitigung der Abgas-Manipulationen sind jedenfalls in Sichtsweite: So will Volkswagen im Januar den Rückruf der betroffenen Autos starten. „Bis Ende 2016 sollen dann alle Autos in Ordnung sein“, sagte VW-Chef Matthias Müller laut einem Pressebericht. VW müsse die „jeweilige Lösung“ auf jedes Modell abstimmen und die notwendigen Teile bestellen. Sorgfalt gehe vor Geschwindigkeit. Müller sagte außerdem, nach seiner heutigen Kenntnis seien an der Manipulation der Software für Dieselfahrzeuge „nur wenige Mitarbeiter“ beteiligt gewesen.

Indes sind die geschäftlichen und finanziellen Folgen noch nicht absehen, betonte Müller. „Sicher ist: Die Belastungen werden groß sein. Möglicherweise sehr groß.“ Um die Kosten für Schadenersatz und Strafzahlungen stemmen zu können, würden alle geplanten Investitionen noch einmal auf den Prüfstand gestellt. „Was jetzt nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben“, erklärte Müller vor den Beschäftigten. Dazu zähle auch, dass das bereits von seinem Vorgänger Martin Winterkorn initiierte „Effizienzprogramm“ nachjustiert werde.

Müller stellte die etwa 600 000 Mitarbeiter rund um den Erdball auf schwere Zeiten ein. „Ich bin ganz offen zu Ihnen: Das alles wird nicht ohne Schmerzen gehen.“ Mit Blick auf die Arbeitsplätze betonte er: „Wir wissen heute zwar noch nicht, welche Auswirkungen die Krise haben wird. Aber wir werden dafür kämpfen, sie so gering wie möglich zu halten. Und wir werden alles tun, um die Beschäftigung zu halten.“

Osterloh: „Gute Nachricht“

Vor Müller hatte bereits Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh versucht, den wegen der Abgas-Krise massiv verunsicherten Mitarbeitern Mut zu machen. „Derzeit, das ist die gute Nachricht, gibt es noch keine Konsequenzen für Arbeitsplätze“, sagte er zu den mehr als 22 000 Beschäftigten.