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Das Vertrauen vieler Autokäufer in die Marke VW hat durch den Dieselskandal gelitten. Das dürfte zu geringeren Auslieferungen in Wolfsburg führen. Foto: dpa
Das Vertrauen vieler Autokäufer in die Marke VW hat durch den Dieselskandal gelitten. Das dürfte zu geringeren Auslieferungen in Wolfsburg führen. Foto: dpa
10.10.2015

VW-Händler in der Region bleiben gelassen

In der VW-Software-Krise setzen regionale Autohäuser auf einen offenen Dialog mit ihren Kunden. Zulieferer müssen sich auf geringere Stückzahlen einstellen.

Von Oktoberfest-Stimmung keine Spur: In den Autohäusern von Audi und VW in Pforzheim und dem Enzkreis war schon mal mehr los. PS-starke Neufahrzeuge und auf Hochglanz polierte Gebrauchtwagen warten wie gewohnt auf Käufer. Doch statt der Freude auf glanzvolle Fahrzeug-Premieren herrscht bei Kunden und Autohändlern Nachdenklichkeit. Der Abgas-Skandal ist in der Branche zentrales Gesprächsthema.

„Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 aus dem Volkswagen-Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen“, versichert Nicole Hahn, Pressesprecherin der Hahn-Gruppe. „Die beanstandete Software beeinflusst weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen. Somit besteht für unsere Kunden auch Klarheit.“

Für die allermeisten Kunden stehe die Marke Volkswagen weiterhin für höchste Qualität und absolute Zuverlässigkeit. „Durch einen intensiven Dialog setzen wir alles daran, das Vertrauen zu erhalten oder auch wiederzugewinnen“, betont Hahn. „Entsprechend verzeichnen wir keine massiven Absatzrückgänge, wenngleich sich einzelne Kunden für ein alternatives Fahrzeug aus dem Volkswagen-Konzern entscheiden.“ Betroffen seien lediglich Fahrzeuge mit dem Motor des Typs EA189 aus dem Volkswagen Konzern. Bei der Motorfamilie des Typs 189 handelt es sich um 3- und 4-Zylinder-Dieselmotoren mit den Hubräumen 1,2, 1,6 und 2,0 Liter. „Fahrzeuge, die die Euro-6-Norm erfüllen, sind ohnehin nicht betroffen.“ Das wichtige Gebrauchtwagen-Geschäft innerhalb der Hahn Gruppe laufe unverändert gut. Das Wichtigste sei, mit den Kunden in einem offenen Dialog zu bleiben. „In unserer Hahn Akademie führen wir umfangreiche Schulungen der Mitarbeiter durch. In engem Austausch mit dem Hersteller halten wir diese jederzeit auf dem aktuellsten Stand, so dass wir eine lückenlose Aufklärung der Kunden gewährleisten können“, so Nicole Hahn.

„Wir hatten einige Anfragen. Wichtige Kunden fühlen sich durch die Schummelsoftware verschaukelt“, bestätigt Oliver Freyer vom Pforzheimer Autohaus Freyer, der auch selbst betroffen ist. „Meine Frau fährt einen Diesel mit dem Motor.“

Der VW-Konzern sei um eine rasche Problemlösung bemüht. „Einfach eine andere Software aufspielen reicht nicht. Dann wäre lediglich der Verbrauch höher und die Leistung ginge runter“, weiß Freyer. Es seien zudem abgastechnische Veränderungen an den Fahrzeugen erforderlich.

Auch Autozulieferer sind vom Diesel-Skandal betroffen: „Stückzahlen werden nicht abgerufen“, bringt es eine Sprecherin von Mann+Hummel auf den Punkt. Der Hersteller von Spezialfiltern mit Sitz in Ludwigsburg liefert Kraftstoff- und Luftfilter für die betroffenen Dieselmotoren. Nun bleibt er auf den Teilen sitzen.

Volkswagen hatte wegen des Dieselskandals teilweise die Produktion an einzelnen Standorten zurückgefahren und Sonderschichten an Samstagen gestrichen. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen für die Lieferanten. Laut einer Analyse des „Handelsblatts“ mit Hilfe des Finanzdatenspezialisten Bloomberg sind mehr als 200 Unternehmen weltweit von VW abhängig.

Noch will man in der Zuliefererbranche aber keine Schreckensszenarien heraufbeschwören. Der Stuttgarter Zulieferer Mahle, zu dem auch die frühere Behr Group mit Werken in Pforzheim und Mühlacker gehört, sieht durchaus Hoffnungen: „Sollte es zu einer Verschiebung zugunsten des Pkw-Ottomotors kommen, wären unsere Technologien zur Effizienzsteigerung noch stärker gefragt.“