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Nachdenklich: Volkswagen-Chef Matthias Müller (links) und Audi-Boss Rupert Stadler.  Stratenschulte
Nachdenklich: Volkswagen-Chef Matthias Müller (links) und Audi-Boss Rupert Stadler. Stratenschulte
04.12.2015

VW-Konzernlenker Müller hat den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen

Vorstandschef Rupert Stadler steht unter Druck, weil Audi eigene Tricksereien bei Abgastests zunächst bestritten hatte, dann aber doch Abgas-Manipulationen bei seinem Sechszylinder-Turbodiesel einräumen musste. Der Konzern zieht jetzt Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal: Volkswagen-Chef Matthias Müller hat den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen.

Das Kontrollgremium entließ zudem am Donnerstagabend den bereits im September beurlaubten Technikvorstand Ulrich Hackenberg und holte den zu Rheinmetall gewechselten früheren Leiter der Audi-Motorentwicklung Stefan Knirsch als Nachfolger zurück nach Ingolstadt. Die US-Anwaltskanzlei Jones Day, deren Teilhaber der Pforzheimer Ansgar Rempp ist, wurde beauftragt, die Hintergründe der Dieselaffäre bei Audi zu ermitteln.

Für Porsche sah 2015 lange nach einem Jahr auf der Überholspur aus – doch inzwischen ist man mit drin im Diesel-Schlamassel. Eigentlich liefen die Geschäfte sehr gut, immer wieder verkündete der Sport- und Geländewagenbauer Rekordzahlen. Selbst als der Betrug der Konzernmutter VW ans Licht kam, zeigten sich die Stuttgarter demonstrativ gut gelaunt. Damit könne man gar nichts zu tun haben, schließlich habe man kleine Dieselmotoren gar nicht im Programm. Dass der bisherige Chef Matthias Müller nun VW-Chef geworden ist, belege zudem den hohen Stellenwert von Porsche im Volkswagen-Konzern, fügten sie stolz hinzu.

Aber seit einem Monat ist Schluss mit lustig. In den USA hat Porsche zwischen 2012 und 2015 mindestens 13 000 Cayenne-Geländewagen ausgeliefert, die nach den dortigen Regeln eine unerlaubte Software an Bord haben. Die betreffenden 3,0-Liter-Dieselantriebe wurden von Audi hergestellt – Porsche setzt bei Eigenfabrikaten auf Benziner.

Also ausgerechnet Audi. Die beiden PS-starken VW-Töchter sind traditionell Rivalen - die Zielkundschaft ist teils deckungsgleich, Geländewagen wie der Porsche Cayenne und Audi Q7 sind vom Typus ähnlich. Rechtlich gesehen ist die Sache klar. Porsche ist in der Haftung, schließlich hat die Stuttgarter Firma die Autos verkauft.

Dennoch: Ist nicht doch Audi irgendwie (mit) schuld daran, dass die weiße Weste von Porsche nun beschmutzt ist? Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass die Enttäuschung unter Porsche-Ingenieuren groß ist. Mit Blick auf Audi werde „natürlich Vertrauen getrübt, wenn so etwas passiert“. Hängt der Haussegen also schief?

„Von einem Streit unter Konzerntöchtern kann überhaupt keine Rede sein“, beteuert ein Porsche-Sprecher. Ähnlich klingt es offiziell aus den Audi-Reihen. Streit? Nein. „Das Verhältnis ist kollegial und gut“, sagt ein Sprecher des Ingolstädter Unternehmens. Überraschender ist, was auch höhere Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand verlautbaren. „Das ist ein schwieriges Thema“, sagt ein Porsche-Manager, der seinen Namen nicht nennen will. Man müsse jedoch zusammen durch die Krise steuern.