nach oben
Globetrotter-Filialleiter Michael Büchel, Verbandsgeschäftsführerin Sabine Hagmann und Präsident Horst Lenk (von links).
Globetrotter-Filialleiter Michael Büchel, Verbandsgeschäftsführerin Sabine Hagmann und Präsident Horst Lenk (von links).
Fast wie im Dschungelcamp fühlten sich die Journalisten bei der Pressekonferenz des Einzelhandelsverbands. Fotos: SchulZe
Fast wie im Dschungelcamp fühlten sich die Journalisten bei der Pressekonferenz des Einzelhandelsverbands. Fotos: SchulZe
06.08.2015

Verband will Vorzüge des stationären Handels um Online-Angebote ergänzen

Stuttgart. Das Geld sitzt bei den Verbrauchern relativ locker, doch dafür wollen sie nicht nur preiswerte Produkte, sondern auch immer mehr Einkaufserlebnisse. Das ist die Chance des Einzelhandels, machte gestern Verbandspräsident Horst Lenk (Pforzheim) bei der Pressekonferenz im Stuttgarter Outdoor-Fachgeschäft „Globetrotter.de“ deutlich. „Einkaufen muss zum Erlebnis werden.“ Der Handelsverband Baden-Württemberg hatte den Veranstaltungsort ganz bewusst gewählt, um auf die gewaltigen Herausforderungen durch die Digitalisierung hinzuweisen.

Globetrotter fährt eine zweigleisige Strategie. Der Kunde informiert sich im Internet, vergleicht die Preise und bestellt die ausgewählte Ware unverbindlich zur Anprobe ins nächstgelegene Fachgeschäft, wo ihn fachkundige Beratung und ein Windkanal erwarten. Der Aufbau eines Zelts könne dort unter stürmischen Bedingungen von den Kunden getestet werden, betont Filialleiter Michael Büchel. Neben dem passenden Schuhwerk für alle Outdoor-Aktivitäten biete Globetrotter auch Pflegeprodukte, Socken und Blasenpflaster sowie eine Kletterwand. Ein Reisebüro und eine Arztpraxis für Tropenmedizin ergänzen das Angebot im Stuttgarter Gerberviertel. Die Investitionssumme für die Erlebnisfiliale: stolze sechs Millionen Euro.

Lenk schätzte das baden-württembergische Umsatzplus im Einzelhandel im ersten Halbjahr 2015 auf mindestens 2,4 Prozent sowie im Gesamtjahr auf zwei Prozent. „Die Stimmung ist gut, die Leute haben Geld und geben es auch aus.“ Doch nahezu zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Handel werden bereits im Internet erzielt, erklärte Lenk im Blick auf die rasanten Zuwachsraten der Online-Anbieter. Immerhin habe es im Modebereich im stationären Handel im Juni ein Umsatzplus von 4,9 Prozent gegeben, während das Online-Plus lediglich bei 2,4 Prozent lag. „Keine Euphorie und das ist auch kein Trend, aber immerhin ein kleines Lichtchen für den stationären Handel.“

Trotz guter Geschäfte blickt der Einzelhandel mit einigen Sorgenfalten in die Zukunft. Insgesamt sei ihm aber „nicht bang“, weil der Strukturwandel eben auch große Chancen zur Kundenbindung biete, so Lenk. Der klassische Einzelhandel vor allem in Innenstädten und Einkaufszentren ringt seit langem mit der Internet-Konkurrenz. Also schnell noch einen Online-Shop einrichten? „Bloß nicht“, sagt Verbands-Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann. „Wir raten nicht jedem, dass er unbedingt einen Online-Shop aufmachen soll.“ Das sei ein eigener Geschäftszweig, für den eine besondere Strategie und hohe Investitionen nötig seien. „Handelsunternehmen sind die Zugpferde einer Stadt – wenn die Kommune künftig noch Handel will, muss sie mehr in die Infrastruktur investieren,“ so Lenk. Dazu zähle eine „vernünftige lokale Steuerpolitik“. Laut einer Umfrage des IFH (Institut für Handelsforschung) kommen 59 Prozent der Besucher zum Einkaufen in die City.