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Stark gefordert waren die Einsatzkräfte im Juni beim Hochwasser in Ölbronn (Bild) und in Stein. Foto: Lutz, PZ-Archiv
Stark gefordert waren die Einsatzkräfte im Juni beim Hochwasser in Ölbronn (Bild) und in Stein. Foto: Lutz, PZ-Archiv
07.10.2016

Versicherungen im Sturmtief

In Mitteleuropa gibt es zwar keine verheerenden Hurrikans wie den aktuell vor der US-Ostküste wütenden Wirbelsturm „Matthew“, aber heftige Unwetter verursachen auch in Deutschland Milliardenschäden. Stark betroffen waren viele Menschen auch in der Region: beispielsweise im Juni beim Hochwasser in Stein und Ölbronn (siehe Kasten).

Sturm und Hagel sind die Schadenursache Nummer 1 bei Unwettern in Deutschland. Das haben Auswertungen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Allianz ergeben. Demnach berappten die Versicherer im vergangenen Jahr knapp 2,6 Milliarden Euro für Unwetterschäden – großenteils verursacht durch Sturm und Hagel, wie der GDV gestern berichtete. Die Kunden der Allianz meldeten im vergangenen Jahr 305 000 Unwetterschäden. Im Jahresschnitt waren das über 800 Meldungen am Tag. In 252 500 Fällen (83 Prozent) waren Sturm und Hagel die Ursache, wie aus dem gestern veröffentlichten „Naturkatastrophenkalender“ des größten deutschen Versicherers hervorgeht.

An zweiter Stelle folgten in weitem Abstand mit 45 500 die Schadensmeldungen Blitz und Überspannung, auf Platz 3 lagen Überschwemmungen und Starkregen. Blitze sind laut Allianz-Analyse in Süddeutschland und im Erzgebirge häufiger als im Norden und auf dem Dorf offensichtlich gefährlicher als in der Stadt: „In städtischen Regionen mit sehr verzweigten Leitungsnetzen führt ein Blitz deutlich seltener zu einem Überspannungsschaden als auf dem Land“, sagte Allianz-Meteorologe Markus Stowasser.

2015 war ein stürmisches Jahr: Im Vergleich zu 2014 gab es nahezu eine Verdopplung der Schadensmeldungen, wie Mathias Scheuber sagte, der für die Schadensregulierung zuständige Vorstand bei der Allianz Deutschland. 2014 zahlte das Unternehmen 243 Millionen Euro für Unwetterschäden, 2015 waren es 376 Millionen. Unwetter treten auch nicht zu jeder Jahreszeit gleich häufig auf: 2015 fiel mehr als ein Drittel aller Schäden im März an, als die Stürme „Mike“ und „Niklas“ übers Land zogen. Die Versicherungsbranche fürchtet, dass wegen des Klimawandels die ruhigen Jahre ohne große Sturmschäden seltener werden. In der Langzeitbetrachtung ist laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft schon jetzt erkennbar, dass schadensreiche und -arme Jahre in schnellerem Wechsel aufeinander- folgen. In diesem Jahr habe die Unwetterserie in der ersten Jahreshälfte schon mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche geschlagen.