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Gesprächsbereit  für einen Investor ist Hermann Pickavé, Geschäftsführer des Pforzheimer Anlagenbauers Bühler & Co GmbH. Für das Unternehmen  wurde Insolvenz angemeldet.
Gesprächsbereit für einen Investor ist Hermann Pickavé, Geschäftsführer des Pforzheimer Anlagenbauers Bühler & Co GmbH. Für das Unternehmen wurde Insolvenz angemeldet.
09.12.2008

Viele Aufträge, aber kein Geld - Pforzheimer Firma Bühler meldet Insolvenz an

PFORZHEIM. Der Pforzheimer Anlagenbauer für Walzwerke, Bühler & Co GmbH, hat Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind insgesamt 146 Beschäftigte. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Stuttgarter Rechtsanwalt Philipp Grub.

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Eigentlich gute Bedingungen für ein florierendes Unternehmen: Bei Bühler & Co. an der Hanauer Straße im Altgefäll liegen Kundenaufträge für das gesamte Jahr 2009. Bereits im zweiten Halbjahr 2008 gab es unter anderem drei satte Aufträge aus Großprojekten in Slowenien, Vietnam und Österreich. Und dennoch musste Geschäftsführer Hermann Pickavé am Montag beim Amtsgericht Pforzheim Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit stellen.

Hauptsächlich die drei genannten Großaufträge – Gesamtvolumen annähernd sechs Millionen Euro – hätten „die Liquidität des Unternehmens überfordert“, erklärte der Geschäftsführer gestern im PZ-Gespräch. Grund: Der Kunde in Vietnam bezahlt nicht, „wohl wegen der Finanzkrise“. Beim anderen Auftrag werde derzeit die Montage vor Ort vorgenommen, bis zur Fertigstellung sei ebenfalls nicht mit Geldeingang zu rechnen. Und die dritte Walzanlage befinde sich noch auf dem Firmengelände in Pforzheim, auch hier sei deshalb vorläufig nicht mit finanziellem Zufluss zu rechnen.

Die millionenschweren Vorleistungen schließlich hätten das Unternehmen finanziell in die Knie gezwungen, machte Pickavé deutlich.
Auch der vorläufigen Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Philipp Grub von der Stuttgarter Kanzlei Dr. Grub & Brugger, betonte gestern auf PZ-Anfrage: „Ursache ist nicht die Finanzkrise“. Der Sondermaschinenbau – und dabei handele es sich bei Bühler & Co. – birge ein hohes Risiko in sich. Die Anlagen seien durchweg Unikate, speziell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden zugeschnitten. Oft seien Nachbesserungen notwendig oder die Produktionskosten stiegen unerwartet über die ursprüngliche Kalkulation hinaus. „Diese Mehrkosten können in der Regel nicht an den Kunden weitergegeben werden, weil meist ein Festpreis vereinbart worden ist“, sagte Grub und nannte die Bühler-Problematik für diese Branche nicht unüblich.

Die Gehälter der 146 Beschäftigten – darunter 21 Auszubildende – seien vorerst gesichert. Im November wurde noch vom Unternehmen ausbezahlt und für die Zeit von Dezember bis Februar werde Insolvenzgeld bei der Arbeitsagentur beantragt.

Für die Zukunft des Unternehmens äußerte sich der Insolvenzverwalter hoffnungsvoll: „Die Auftragsbücher sind voll, der Betrieb kann weitergeführt werden.“ Welche Maßnahmen zur Rettung ergriffen werden sollen, das will Grub in den nächsten Tagen entscheiden, wenn er sich den notwendigen Überblick verschafft hat. So viel sagte er gestern schon: „Auch die Suche nach einem Investor wird in die Überlegungen mit einbezogen.“ Geschäftsführer Pickavé sieht dies eben so: „Wir sind gesprächsbereit für Investoren.“ Immerhin handele es sich bei Bühler & Co. um ein attraktives Unternehmen mit guter Auftragslage.

Nicht gut zu sprechen auf den Geschäftsführer ist die Pforzheimer Gewerkschaft IG Metall. Den Grund für die Insolvenz sieht sie „in erster Linie in der Unfähigkeit des derzeitigen Managements, die Firma zu strukturieren und erfolgreich zu führen“, kritisierte Gewerkschaftssekretär Arno Rastetter in einer Pressemitteilung. Aufträge habe die Firma genug, erklärte er, „wenn man aber nicht in der Lage ist die Aufträge auch abzuarbeiten und auszuliefern ist es kaum verwunderlich, wenn am Ende kein Geld reinkommt und die Liquidität der Firma dann irgendwann am Ende ist“.

Mit dem Geschäftsführer habe man „schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht“, so der Gewerkschafter. Seinerzeit sei Pickavé als Berater bei der Firma Hoffmann tätig gewesen, die unter seiner Beratung ebenfalls in die Insolvenz ging“.

Die IG Metall hofft, „dass unter der neuen Leitung des erfahrenen Insolvenzverwalters die Firma weitergeführt wird und die Organisation schnellstens ins Lot kommt. Die Aufträge müssen zügig ausgeliefert werden damit wieder Geld in die Kasse kommt“, forderte Rastetter.
Zudem müsse erreicht werden, sowohl den Stahlhandel, der trotz der Auswirkungen der Finanzkrise nicht schlecht dastehe, als auch den Maschinenbau in seiner Substanz zu erhalten. Wie Pickavé sagte, hätten die Liquiditätsprobleme der Bühler & Co GmbH auch das Stahlsegment unter dem Firmendach in Mitleidenschaft gezogen.