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Nächtlicher Blick auf den Flughafen von Frankfurt. Foto: Roessler
Nächtlicher Blick auf den Flughafen von Frankfurt. Foto: Roessler
04.11.2016

Viele Baustellen: Flughafenbetreiber Fraport gerät trotz Rekordgewinns in Turbulenzen

Frankfurt. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport erwartet in diesem Jahr einen Rekordgewinn von bis zu 440 Millionen Euro. Doch der ist wesentlich auf Sondergewinne zurückzuführen, die 2017 nicht mehr anfallen werden. Eine richtige Wachstumsstory fehlt dem MDax-Konzern, der mehrheitlich vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt kontrolliert wird. Dafür droht jede Menge Ärger mit der Stammkundschaft Lufthansa und Co. Ein Überblick über die Baustellen der Fraport:

Lahmende Auslandsbeteiligungen: Von neun Fraport-Flughäfen weltweit haben fünf in den ersten neun Monaten des Jahres sinkende Passagierzahlen berichtet. Vor allem auf politische Entwicklungen ist dies im türkischen Antalya und in St. Petersburg zurückzuführen. An dem von ihnen maßgeblich entwickelten russischen Flughafen ist es den Frankfurtern gelungen, einen 10-Prozent-Anteil mit einer deutlich zweistelligen Rendite an den Staatsfonds von Katar weiterzugeben. Fraport bleibt dort aber Betreiber und Eigner von 25 Prozent und ist so weiter davon abhängig, ob Putin sein Land aus der wirtschaftlichen Isolation führen will. In der Türkei schrecken Erdogan-Regime und Terror unverändert westliche Touristen ab.

Streit um Billigflieger: Ans Fraport-Heimatdrehkreuz Frankfurt kommen in diesem Jahr weniger Passagiere als im Vorjahr. Gründe für den ersten Rückgang seit der Finanzkrise 2009 sind auch hier die geopolitische Lage und die Terrorangst vor allem asiatischer Touristen. Zudem lahmt das Drehkreuz-Geschäftsmodell der Lufthansa. Auch Billig-Airlines haben Frankfurt bislang wegen hoher Gebühren und langer Abfertigungszeiten gemieden. Nun soll ausgerechnet Lufthansa-Erzfeind Ryanair helfen, die Prozesse zu optimieren. Dass Fraport die Iren zusätzlich mit einem Erstkundenrabatt ködert, ist den alteingesessenen Airlines mit der Lufthansa an der Spitze sauer aufgestoßen. Sie drohen mit Abschlägen bei ihren Gebühren.

Knausrige Passagiere: Es kommen nicht nur weniger Passagiere in die Terminals, sie geben dort auch weniger aus. Fraport ist an seiner Heimatbasis im hohen Maß von den Umsätzen der Einzelhändler abhängig. Pro Passagier blieben in den ersten neun Monaten nur noch 3,38 Euro (Vorjahr: 3,49 Euro) beim Flughafenbetreiber hängen. Vor allem Gäste aus Asien haben wegen der Terrorgefahr ihre Europareisen gestrichen.