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Die Deutschen geben ihr Geld momentan lieber aus als es zu sparen. BURGI
Die Deutschen geben ihr Geld momentan lieber aus als es zu sparen. BURGI
12.08.2015

Vieles spricht dafür, dass die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt

Deutschlands Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal 2015 ordentlich gewachsen sein. Was treibt die Konjunktur an – und was bremst den Aufschwung?

Konjunkturtreiber:

Schwacher Euro: Im zweiten Quartal verlor die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar im Jahresvergleich knapp 20 Prozent an Wert. Von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren vor allem Unternehmen, die viel exportieren. Ihre Waren werden auf dem Weltmarkt günstiger. Zugleich nehmen sie für Produkte, die beispielsweise in Dollar bezahlt werden, umgerechnet mehr ein. Nach einer vorläufigen Berechnung des Beratungsunternehmens EY für 14 der 30 Dax-Konzerne geht gut die Hälfte der 19 Milliarden Umsatzplus der Unternehmen im zweiten Quartal auf das Konto der Euroschwäche.

Ölpreis: Seit Juni wurde Erdöl wieder deutlich billiger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent sackte unter die 50-Dollar-Marke. Damit ist der Ölpreis nur noch halb so hoch wie vor einem Jahr und hat wieder das Niveau von 2009 erreicht. Das kommt zwar nicht in vollem Umfang beim Verbraucher an, doch tendenziell wird Tanken und Heizen günstiger. Somit bleibt mehr Geld für den Konsum übrig. Auch für manches Unternehmen sind niedrige Rohstoffpreise ein kleines Konjunkturprogramm: So wird etwa die Lufthansa in diesem Jahr mit sechs Milliarden Euro voraussichtlich 200 Millionen Euro weniger für Kerosin ausgeben.

Niedrige Inflation: Sinkende Energiepreise drückten die Teuerungsrate in Deutschland im Juli im zweiten Monat in Folge. Die Verbraucherpreise lagen nur noch um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das stärkt tendenziell die Kaufkraft der Verbraucher: Es bleibt mehr Geld für den Konsum.

Arbeitsmarkt: Zwar verpasste der Sommer dem deutschen Arbeitsmarkt wie üblich im Juli einen kleinen Dämpfer. Die Zahl der Jobsucher stieg im Vergleich zum Juni um 61 000 auf 2,773 Millionen, die Arbeitslosenquote legte saisonbedingt um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zu. Doch ansonsten ist die Beschäftigungslage stabil.

Mini-Zinsen für Baugeld: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft. Darum sind auch Baukredite derzeit so günstig wie seit Jahren nicht – obwohl die Zinsen für Hypotheken zuletzt wieder leicht anzogen. Im vergangenen Jahr gab es einen regelrechten Bauboom in Deutschland: Insgesamt wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 245 300 Wohnungen fertiggestellt und damit 30 500 mehr als ein Jahr zuvor. Aktuell wird weiterhin kräftig in Bauen und Renovieren investiert. Der Run auf Immobilien ist groß, auch weil es fürs Sparen kaum Zinsen gibt.

Konjunkturbremser:

China: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen im Reich der Mitte sorgten für zusätzliche Verunsicherung. Spurlos geht das an Deutschland nicht vorbei, denn China ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Asien und ein gewaltiger Absatzmarkt für Waren „Made in Germany“.

Griechenland: Als Handelspartner spielt das Krisenland für deutsche Unternehmen eine untergeordnete Rolle. Sollte die Lage erneut eskalieren, könnte das allerdings auch die hiesige Wirtschaft dämpfen. Zudem hat die Krise grundsätzliche Probleme der Eurozone offenbart.

Euroschwäche: Wer Waren oder Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Denn wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt.