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Das Vertrauen vieler Autokäufer in die Marke VW hat durch den Dieselskandal gelitten. Das dürfte zu geringeren Auslieferungen in Wolfsburg führen. Foto: dpa
Das Vertrauen vieler Autokäufer in die Marke VW hat durch den Dieselskandal gelitten. Das dürfte zu geringeren Auslieferungen in Wolfsburg führen. Foto: dpa
30.09.2015

Volkswagen ruft fünf Millionen Autos zurück. Als „Servicemaßnahme“

Im Abgas-Skandal hat VW einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vorgestellt und will fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Die Wagen gehören zur Marke Volkswagen. Die betroffenen VW-Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von „Servicemaßnahmen“. Weitere Einzelheiten nannte der Konzern gestern aber noch nicht.

VW hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass von der Konzern-Kernmarke VW fünf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ebenfalls bereits bekannt ist, dass es insgesamt um elf Millionen Fahrzeuge geht, davon 2,8 Millionen in Deutschland. Volkswagen und die weiteren betroffenen Marken des Konzerns wollen den zuständigen Behörden im Oktober die technischen Lösungen vorstellen.

Umweltverbände forderten erneut eine Untersuchung durch eine unabhängige Kontrollbehörde. „Wir haben in den vergangenen acht Jahren erlebt, wie das ehemals stolze Kraftfahrt-Bundesamt zum devoten Dienstleister der Autobauer verkam“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Die IG Metall wehrt sich zudem gegen drohende negative Folgen für die Belegschaft. Die Affäre bedeute einen „unendlichen Schaden“ für das Produkt, den Konzern und den Standort Deutschland, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel in Frankfurt. Aus nationaler Sicht sei der Skandal mit der Finanzkrise 2008/2009 vergleichbar. Arbeitnehmer seien dafür nicht verantwortlich, meinte Wetzel gestern. Er gab aber zu, dass sich auch die in Wolfsburg mächtige IG Metall Fragen zu ihrem Beitrag zur Unternehmenskultur bei VW stellen müsse. Es stehe ein großer Kulturwandel an. „Es ist kein Wert an sich, größer als Toyota zu sein“, sagte Wetzel. Zudem müsse man fragen: „Wieso haben wir davon nichts gewusst?“

Die bisherigen finanziellen Rückstellungen wegen des Abgas-Skandals dürften einem Bericht zufolge nicht für die Lösung aller Probleme ausreichen. Dies geht aus einer Antwort von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auf entsprechende Fragen bei einer Manager-Versammlung hervor, wie das Fachblatt „Automobilwoche“ schreibt. Die veranschlagten 6,5 Milliarden Euro sind demnach vor allem für technologische Lösungen und Service-Leistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen obendrauf.