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Der private Konsum wird kostspieliger. Foto: dpa
Der private Konsum wird kostspieliger. Foto: dpa
04.01.2017

Volkswirte erwarten spürbaren Preisanstieg: Einkaufen wird teurer

Frankfurt. Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Die Preise in Deutschland steigen tendenziell wieder. Volkswirte und Währungshüter jedoch finden das gut. Das Statistische Bundesamt hat nach Mitteilung von gestern steigende Teuerungsraten errechnet.

Wie haben sich die Verbraucherpreise zuletzt entwickelt?

Die Zeiten extrem niedriger Teuerungsraten nahe der Nullmarke oder gar darunter scheinen vorbei zu sein. Im Dezember gab es einen überraschend kräftigen Sprung: Zum Jahresende lag die jährliche Teuerungsrate bei 1,7 Prozent nach jeweils 0,8 Prozent im Oktober und November. Das ist der stärkste Anstieg seit Juli 2013. Für das Gesamtjahr 2016 errechnete das Statistische Bundesamt eine durchschnittliche Inflationsrate von 0,5 Prozent nach 0,3 Prozent ein Jahr zuvor.

Was dämpfte lange Zeit die

Inflation?

Vor allem die Preisentwicklung bei Energie. Seit Mitte 2014 wurde Rohöl vor allem infolge der weltweiten Überproduktion deutlich billiger. Kurz vor Weihnachten wurde ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent für gut 54 Dollar gehandelt, im Sommer 2014 waren es noch rund 115 Dollar gewesen. Doch es zeichnet sich eine Trendwende ab: Erstmals seit Herbst 2013 mussten Verbraucher in Deutschland im Dezember für Tanken und Heizen wieder tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahresmonat. Die Mineralölpreise ziehen auch deshalb wieder an, weil das Ölkartell Opec und andere Förderstaaten angekündigt haben, die Produktion zu verringern, um den Preis für das „schwarze Gold“ nach oben zu treiben.

Wer profitiert von immer noch relativ niedrigen Preisen?

Auch wenn die Energiepreise zuletzt wieder anzogen, ist das Niveau noch vergleichsweise moderat. Wer vergleichsweise wenig Geld an der Tankstelle und beim Heizöllieferanten lässt, hat mehr Spielraum für andere Anschaffungen. Die Kaufkraft erhöht sich zudem, weil Lohnerhöhungen wegen der geringen Inflation fast vollständig im Geldbeutel der Beschäftigten bleiben. Im dritten Quartal 2016 lagen die Reallöhne in Deutschland nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 1,8 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

Warum machen sich Währungshüter Sorgen?

Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, könnte das Verbraucher und Unternehmer bei Investitionen bremsen. Es könnte ja bald noch billiger werden. Die Gefahr scheint gebannt.