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Gold von sehr hohem Wert wird bei Cobra-Schmuck vermisst.
Gold von sehr hohem Wert wird bei Cobra-Schmuck vermisst.
19.05.2011

Von Cobra-Chef enttäuscht - Wo steckt das viele Gold?

PFORZHEIM. Wo steckt das verschwundene Edelmetall im Wert von neun Millionen Euro aus dem Tresor der Pforzheimer Kettenfabrik Cobra Schmuck? Und was sind die Folgen für die geschädigten Lieferanten?

„Dieser Fall ist für die gesamte Branche bedeutsam“, betont Daniel Schnelle, Geschäftsführer der Pforzheimer Scheideanstalt Carl Schaefer, eine der geschädigten Firmen, weil die Belieferung mit Edelmetall eben vorrangig auf Vertrauen beruhe. Cobra war seit 22 Jahren Kunde der Firma Schaefer. „In diesem Vertrauen sehen wir uns jetzt enttäuscht, weil Edelmetall nicht einfach verschwinden kann,“ sagt Schnelle. „Zudem hatten wir auch nicht den Eindruck, als wäre von Cobra sofort alles Gebotene veranlasst worden. So wurde beispielsweise die Polizei und die Versicherung von Cobra erst auf unser Drängen hin eingeschaltet.“ Nicht einmal ihre Gläubiger habe die Geschäftsführung von Cobra sofort und unmittelbar benachrichtigt. „Dies wäre für uns als bedeutender Edelmetalllieferant außerordentlich wichtig gewesen,“ betont Schnelle. „Natürlich haben wir in diesem Fall alle üblichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, etwa eine Kreditversicherung abgeschlossen und unsere Sicherheiten schon länger mit Sicherheiten weiterer Lieferanten und der Hausbank gepoolt.“

Bei den regelmäßigen Inventuren von Cobra, zuletzt am 31. Dezember 2010, die von mehreren der jetzt Geschädigten begleitet wurden, seien keine Auffälligkeiten und Abweichungen festgestellt. „Auch bei der zuletzt am 10. März 2011 durch uns durchgeführten Sichtprüfung ergaben sich keine Verdachtsmomente, das Edelmetall fehlten würde.“ Fest steht, dass bei Cobra nun dennoch Gold und Silber im Millionenwert verschwunden ist – ein Teil davon stammt aus dem Hause Carl Schaefer. Trotz des schmerzhaften Verlustes sei das Pforzheimer Traditionsunternehmen, das aktuell sein 150-jähriges Bestehen feiert, existenziell dadurch nicht gefährdet, betont Schnelle. „Glücklicherweise ist das Haus Schaefer so gut aufgestellt, dass wir diesen Verlust verkraften könnten.“ Er verweist auf die erfolgreiche Neuausrichtung des Unternehmens und auf erhebliche Investitionen in Technologie, Infrastruktur und Personal. Die Firma Carl Schaefer habe im Jahr 2010 sowie im ersten Quartal ein sehr gutes Ergebnis erwirtschaftet. Man werde diesen Rückschlag wegstecken, betonte der Geschäftsführer. „Wären wir nicht so gut aufgestellt, hätte es aber auch anders ausgehen können.“

Geschäftsführer verdächtigt

Wie berichtet, hat die Kanzlei Ladenburger namens der Geschädigten eine hohe Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Wiederbeschaffung des Edelmetalls führen.

Gegen mehrere Verantwortliche der Firma Cobra besteht unterdessen der Verdacht der Untreue – zum Nachteil ihrer eigenen Kapitalgesellschaft oder zum Nachteil von Gläubigern, heißt es im Amtsdeutsch der Staatsanwaltschaft. Wie der leitende Oberstaatsanwalt Christoph Reichert auf PZ-Anfrage sagte, könne es einige Wochen dauern, bis das sichergestellte Material aus Durchsuchungen von Geschäftsräumen und Privathäusern ausgewertet sei.

Zur Erinnerung: Ende April hatte der Geschäftsführer der Cobra Schmuck GmbH, Horst Augenstein, Insolvenzantrag gestellt. Kurz zuvor hatte er festgestellt, dass im Tresor des Unternehmens große Mengen Gold und Silber fehlten. Rund 200 Kilogramm Gold und 1,6 Tonnen Silber im Wert von insgesamt neun Millionen Euro waren verschwunden.

Der erste Verdacht: Das Edelmetall wurde über Ostern entwendet. Aber: Es gab keine Aufbruchspuren am Tresor. Gefunden wurde das Edelmetall bisher nicht. „Das ist doch längst im Ausland“, vermuten Brancheninsider. Doch wie sollen solch große Mengen außer Landes geschafft worden sein? Andere mutmaßen, die Firma Cobra Schmuck habe sich verkalkuliert und die Ketten zu niedrigen Festpreisen angeboten. Durch die stark gestiegenen Edelmetallpreise und die langen Zahlungsfristen fehlte binnen Jahresfrist viel Geld in der Kasse. Um die Pleite zu vermeiden, habe man das nachgelieferte Edelmetall für die Produktion neuer Ketten verbraucht, heißt es.

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