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Moritz Müller 

Von der Maschine ausgesucht: Wie Künstliche Intelligenz den Bewerbungsprozess verändert

Pforzheim. Technische Innovationen wie die Künstliche Intelligenz (KI) verändern das Privatleben: Alexa bestellt, Siri findet ein passendes Restaurant und Google Maps schlägt uns den kürzesten Weg am Stau vorbei vor. Und bald wird die KI auch das Berufsleben umkrempeln, so die Prognose von Moritz Müller, Vorstand des operativen Geschäfts bei Meyle&Müller in Pforzheim.

„Man wird nicht mehr Unmengen an Stellen durchforsten, sondern aktive Vorschläge von der KI erhalten“, sagt Müller. Maßgeschneidert an die eigenen Bedürfnisse, sozusagen. „Es wird einfacher für den Einzelnen.“ Auch dass die KI potenzielle Bewerber lokalisiert und selbst anschreibt, sei möglich.

Die Tendenz bei alldem: Prozesse werden weniger von Menschen, als von Maschinen gesteuert. „Große Plattformen treiben diese Entwicklung voran“, sagt Müller. Doch noch ist das Zukunftsmusik. Aktuell werde im Personalbereich durch KI wenig gemacht. Der Grund: „Die Datenmenge reicht noch nicht aus, um die KI zu trainieren“, so Müller. Denn anders als das menschliche Gehirn, das durch Reize lernt, brauche die KI ständig Daten.

Der aktuelle Stand der Technologie biete Konzernen dennoch Einsatzmöglichkeiten. Beispielsweise, die Flut an Fakten nach harten Kriterien auszuwerten, um eine Vorauswahl zu treffen. Das spare „Zeit und Geld“, sagt Müller. Und: „Eine KI kann vielleicht auch eine bessere Entscheidung treffen.“ Das zeigen heute Fintechs – Start-ups, die Finanzdienstleistungen mit Technologien verändern. Anhand von Algorithmen wird entschieden, wer ein Kredit erhält – und nicht subjektive Entscheidungen, die oft zur Ablehnung führen.

Die die KI ist aber nicht unfehlbar: „Rein theoretisch ist sie vorurteilsfrei“, sagt Müller. Doch in der Vergangenheit gab es Vorfälle, in denen KI-Anwendungen rassistisch geurteilt hätten. „Das liegt am Training“, sagt Müller. Man müsse sich die KI wie ein Baby vorstellen: „Es liegt an der Erziehung, wie es sich entwickelt.“ Liegen nicht repräsentative Daten vor, können Fehler passieren. „Am Ende aber trifft die Fachkraft die Entscheidung.“