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Im Alfons-Kern-Turm stellten Start-Up-Unternehmer ihre Projekte vor, außerdem wurde die Veranstaltung zum intensiven Netzwerken genutzt.
Im Alfons-Kern-Turm stellten Start-Up-Unternehmer ihre Projekte vor, außerdem wurde die Veranstaltung zum intensiven Netzwerken genutzt.
Was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus? Unter anderem darüber diskutierten mit Moderator Armin Himmelrath (rechts) Sascha Rudolph (Entrepreneurs), Stifter Karl Schlecht, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Prorektorin Andrea Wechsler und Morotai-Chef Rafy Ahmed (von links). Christoph von Zepelin
Was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus? Unter anderem darüber diskutierten mit Moderator Armin Himmelrath (rechts) Sascha Rudolph (Entrepreneurs), Stifter Karl Schlecht, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Prorektorin Andrea Wechsler und Morotai-Chef Rafy Ahmed (von links). Christoph von Zepelin
01.12.2017

Vorbildliche Gründer-Kultur: Wissenschaftsministerin lobt Projekt der Hochschule Pforzheim

Mit rund 600 000 Euro fördert das baden-württembergische Wissenschaftsministerium die Hochschule Pforzheim zum Aufbau ihres neustrukturierten Gründerwerks. Gemessen am Förderbetrag setzt das Ministerium die Bedeutung der Hochschule mit Karlsruhe, Konstanz, Tübingen und Freiburg gleich. Diese bekommen eine ähnlich hohe Summe.

Wohin fließt das Geld in der Goldstadt? Unter anderem darüber informierte im voll besetzten Vortragsraum des Pforzheimer Kreativzentrums EMMA ein Podium, das neben Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Bündnis 90/Die Grünen) besetzt war mit Rafy Ahmed, Geschäftsführer und Creative Director der Morati GmbH (Birkenfeld), Karl Schlecht von der gleichnamigen Stiftung (Aichtal bei Stuttgart), Professorin Andrea Wechsler, Prorektorin und Mitbegründerin des Gründerwerks der Hochschule Pforzheim, sowie Sascha Rudolph, Vorsitzender und Initiator des Vereins Entrepreneurs Pforzheim. OB Peter Boch begrüßte die Runde und die Gäste.

Im Innovationslabor „heedPF“ und dem Interdisziplinären Lernkonzept zur Gründerkultur (Helix) arbeiten und lernen interdisziplinäre Teams aus Studierenden und Dozenten mit externen Experten miteinander und voneinander. Hier sollen sich Studierende zu Persönlichkeiten entwickeln, die innovativ und unternehmerisch denken. Das Ziel: die Start-Up-Kultur fördern. Müsste man das Konzept für ein solches Projekt erfinden, meint die Wissenschaftsministerin, „dann wäre es Pforzheim“. Hier seien alle Voraussetzungen gegeben. Und dabei steht die Initiative erst am Beginn: Helix wurde im Oktober 2016 gestartet.

Gründernetzwerk, Kooperation mit dem Kreativzentrum EMMA und dem Innovationszentrum Innotec, Helix und Kontakte in Wirtschaft und Wissenschaft – „wir sind breit aufgestellt, Vernetzung ist ganz zentral“, sagt Gründerwerk-Mitbegründerin Andrea Wechsler. Unterdessen räumte sie ein, dass noch an einigen Stellschrauben justiert werden müsse. Zum Beispiel die Öffnung der Hochschule für externe Interessierte. Ministerin Bauer mahnte, die disziplinären und fakultären Hürden zu überwinden, denn: „Es gibt fast kein Problem auf der Welt, das mit nur einer Disziplin lösbar ist.“ Sie bestärke zum „systematischen Umdenken“ und sagt: „Wir brauchen Orte und Formate für Lernen, Begegnen und Experimentieren.

Was Jungunternehmer und Hochschulabsolvent Rafy Ahmed während seiner Studienzeit im Lehrplan vermisste, war beispielsweise das Thema E-Commerce, eine Plattform, auf der sein Unternehmen agiert. „Strategische Planung wäre beispielsweise wünschenswert“. Da habe er für seinen Weg in die Selbstständigkeit wenig mitbekommen. Hochschul-Prorektorin Wechsler kennt den Schwachpunkt und verspricht Besserung.

Was sind denn überhaupt die Voraussetzungen für einen nachhaltig erfolgreichen Unternehmer? Mut und Risiko, Selbstbewusstsein und das Zulassen von Fehlern gehören ebenso dazu wie ein innerer Antrieb, sich auf ein Abenteuer ohne Absicherung einzulassen. So beschreibt es Rafy Ahmed. Aber auch die „uralten Regeln“ zählen: Ehrlichkeit, Offenheit, fairer und freundschaftlicher Umgang mit dem Kunden. Das meint Karl Schlecht.

Beide müssen es wissen. Der eine, Rafy Ahmed, Chef eines Sportmodeunternehmens, kam als Sieger in Form einer Beteiligung des Modeunternehmens Wöhrl an Morotai aus der „Höhle der Löwen“ – wie die TV-Gründer-Show auf Vox heißt (die PZ berichtete). Die multifunktionalen Kleidungsstücke von Morotai sind mit Smartphones, Kopfhörerkabel und Fitnessstudiokarte kompatibel und bieten entsprechende Taschen und Kabelführungen.

Der andere, Karl Schlecht, ist Stifter des Institute for Human Engineering & Empathic Design an der Hochschule Pforzheim. Der Diplom-Ingenieur war Gründer und Inhaber des Betonpumpen-Weltmarkführers Putzmeister. Der 85-Jährige weiß aus Erfahrung, dass Theorie nicht alles ist: „Praxis ist eine wunderbare Schule“. Und Rafy Ahmed meint: Wenn jemand nicht aus tiefster Überzeugung als Unternehmer tätig sein will, „dann nützen auch die besten Professoren nichts“. Die Ministerin ergänzt: „Unternehmer wird man nicht aus dem Lehrbuch heraus.“

Für Sascha Rudolph vom Verein Pforzheimer Entrepreneurs sind außerdem Vorbilder wichtig. Es müsse zudem Menschen geben, die die Dynamik aufnehmen und weitergeben. Sein Verein arbeite mit mehreren Initiativen zusammen und biete Start-Up-Interessenten Unterstützung.