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Sprecher der Bundesverband-Fachgruppe Uhren: Guido Grohmann.
Sprecher der Bundesverband-Fachgruppe Uhren: Guido Grohmann.
30.10.2015

Wann ist eine Uhr deutsch?

Der Kampf um Marktanteile im Uhrenbereich ist ein Ungleicher. Nimmt man die Comicfiguren Tom und Jerry als Beispiele, so ist Deutschland lediglich die kleine Maus, die sich mit dem großen Weltmarkt-Kater duelliert. Mit diesem Bild verdeutlichte Guido Grohmann die Lage der Branche in seinem Vortrag im Pforzheimer Kreativzentrum EMMA. Thema: Made in Germany.

Selbst das gegenüber Deutschland größere Uhrenland Schweiz habe lediglich einen Weltmarktanteil von 2,5 Prozent – wegen der hochpreisigen Produkte aber einen Wertschöpfungsanteil von 54 Prozent.

Allerdings kann sich die kleine deutsche Maus durchaus ein veritables Stück vom großen Käselaib abschneiden, wenn sie es denn geschickt anstellt. Das wollen zunächst 13 deutsche Uhrenhersteller und -marken beweisen. Sie haben sich in einer Fachgruppe unter dem Dach des Bundesverbandes Schmuck + Uhren (BVSU) mit Sitz in Pforzheim zusammengefunden. Grohmann leitet die Gruppe. Ihr Ziel: Mit einem eigenen Gütesiegel „Made in Germany“ von der Masse abheben und sich auf deutsche Qualität fokussieren. Grohmann: „Produkte Made in Germany werden zunehmend beliebter.“ Insbesondere die chinesischen Verbraucher hätten großes Interesse an der deutschen Uhr entwickelt.

Doch wann ist eine Uhr deutsch? Auf jeden Fall nicht dann, wenn das Unternehmen hier nur seinen Sitz habe und das importierte Produkt lediglich verpacke. Einige Anbieter werben Grohmann zufolge zu Unrecht mit Made in Germany. „Von denen wollen wir uns klar absetzen.“

Zunächst definiere sich eine deutsche Uhr über das Design. Aber nicht nur das. Daneben müssen auch die Produktentwicklung und die Endmontage in Deutschland erfolgen. Und was versteht der Sprecher unter Endmontage? Die letzte Bearbeitungsstufe müsse hierzulande erfolgen – und sie müsse „maßgebend für das Wesen des Produkts sein“.

Die Fachgruppe im Bundesverband hat in den vergangenen zwei Jahren nach teils lebhaften und kontroversen Diskussionen einen strengen Kriterienkatalog erstellt. Grohmann spricht vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“. Dass nicht alle Teile einer Uhr aus dem eigenen Land stammen können, ist eine Besonderheit der Branche. Denn: „In Deutschland gibt es keinen Hersteller von Werken mehr.“ Dominierend seien hier die Schweiz und Japan. Ähnliches trifft auf Zeiger zu, die beispielsweise aus Frankreich eingeführt würden.

Wer das spezielle Gütesiegel „Made in Germany“ der Gruppe künftig führen will, muss sich mit der Unterzeichnung eines Lizenzvertrages dazu verpflichten, die entsprechenden Vorgaben einzuhalten. Das Abführen eines jährlichen Lizenzbetrags im mittleren dreistelligen Bereich ist ebenfalls Voraussetzung. Und: Jede Uhrenmarke, die die Wort-Bild-Marke führt, ist in Deutschland registriert.

Die Gründungsfirmen und Marken sind: AMS Design (Furtwangen), Aristo (Pforzheim), Elysee (Düsseldorf), Ermano (Pforzheim), Habmann (Pforzheim), Hanhart (Gütenbach i. Schwarzwald), H.F. Bauer (Keltern), Laco (Pforzheim), Mitschele (Pforzheim), Nivrel (Saarbrücken), Pallas (Pforzheim), Staib (Pforzheim) und Stowa (Engelsbrand).