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Platz eins bei den Frauen: Büro. Foto: dpa
Platz eins bei den Frauen: Büro. Foto: dpa
Platz eins bei Jungs: Kfz-Mechatroniker. Foto: dpa
Platz eins bei Jungs: Kfz-Mechatroniker. Foto: dpa
21.07.2016

Warum Jugendliche immer zu den gleichen Lehrberufen greifen: Klassiker sind Büro und Werkstatt

Frankfurt. Auf dem deutschen Ausbildungsmarkt knirscht es inzwischen recht laut: Angebot und Bewerber passen trotz boomender Wirtschaft immer schlechter zusammen, so dass im vergangenen Jahr 41 000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind und gleichzeitig fast 81 000 junge Leute nicht die gewünschte Lehrstelle gefunden haben.

Neben der allgemeinen demografischen Entwicklung und der zunehmenden Studierlust ist es Teil des Problems, dass sich die Bewerber immer noch auf eine sehr enge Auswahl möglicher Berufe konzentrieren. Bürokaufleute, Kfz-Mechatroniker und Einzelhandelskaufleute sind die ewigen Spitzenreiter in der Hitliste der Ausbildungsberufe, deren jüngste Ausgabe das Statistische Bundesamt gestern veröffentlicht hat. Das hat erst einmal viel mit dem Angebot zu tun, das auch in wirtschaftlich schwächeren Regionen immer noch Autowerkstätten und Handelsunternehmen mit Ausbildungsstellen bereithält.

Aber gerade bei jungen Frauen sehen Experten immer noch eine eigentlich nicht gerechtfertigte Konzentration auf bestimmte Berufe mit vergleichsweise geringen Verdienstmöglichkeiten, wie zum Beispiel Friseurin, Verkäuferin oder medizinische Fachangestellte. 56 Prozent konzentrieren sich laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) auf die zehn beliebtesten Berufe. In immerhin 80 von 105 vom BIBB untersuchten „Männerberufen“ ist der Anteil weiblicher Azubis in den vergangenen zwölf Jahren gestiegen. Am stärksten war diese Entwicklung bei den Bäckerinnen (2015: 25,9 Prozent Frauen), den Maler- und Lackiererinnen (15,9 Prozent) und Tischlerinnen (12,2 Prozent).

Einen immer größeren Bogen machen die Schulabgänger um Berufe im Lebensmittelhandwerk und in der Gastronomie. Die DGB-Jugend hat mit ihrer Initiative „Dr. Azubi“ die meist negativen Erfahrungen von Auszubildenden gesammelt und kommt im Ausbildungsreport für Berufe wie Koch oder Hotelfachfrau zum Schluss: „Probleme sind die Arbeitszeiten, Überstunden, oftmals fachlich ungenügende Anleitung, eine unterdurchschnittliche Vergütung und das Gefühl, ausgenutzt zu werden.“