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Bemühen sich um ausländische Fachkräfte (von links): Unternehmer Reinhard Deseife, Joachim Schmider (Wirtschaftsministerium), IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler und Daniela Paumer (Leiterin Welcome Center).
Bemühen sich um ausländische Fachkräfte (von links): Unternehmer Reinhard Deseife, Joachim Schmider (Wirtschaftsministerium), IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler und Daniela Paumer (Leiterin Welcome Center).
14.01.2016

Welcome Center bei der IHK Nordschwarzwald zieht positive Bilanz.

Fast ein Jahr lang hat das Welcome Center Nordschwarzwald (WCN) ein junges Paar aus Bosnien und Kroatien begleitet. Er Ingenieur der Elektrotechnik-Informatik, sie Bachelor der Elektrotechnik. Um Deutsch-Kurse hatten sich die beiden schon selbst gekümmert.

„Beide sind unglaublich engagiert und finden sich selbst sehr gut zurecht“, erzählt Daniela Paumer, Leiterin und zugleich einzige Mitarbeiterin des WCN. „Wir unterstützten sie zunächst bei der Genehmigung seiner Berufsbezeichnung Ingenieur sowie der Zeugnisbewertung ihres Diploms.“ Manchmal sorgte das Behördendeutsch für Verwirrung. Mittlerweile haben beide Arbeitsplätze in Calwer Unternehmen gefunden. Auch kleinen und mittleren Unternehmen hat Daniela Paumer schon geholfen, geeignete ausländische Fachkräfte zu finden. Der Friolzheimer Unternehmer Reinhard Deseife suchte einen Außendienstmitarbeiter, der Brandschutzsysteme für Industrieanlagen installieren kann – lange Zeit vergebens. Die Tätigkeit an ständig wechselnden Einsatzstätten schien für viele kein Traumberuf zu sein. Fündig wurde die Firma STS Brandschutzsysteme schließlich in Serbien. Dort bewarb sich ein 40-jähriger Elektroingenieur über die sogenannte Positivliste – das sind Mangelberufe, für die Ausländern in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erteilt werden kann. Nach einigem bürokratischem Hin und Her erhielt der Serbe ein Arbeitsvisum und konnte die neue Stelle als Elektrotechniker antreten, berichtet Daniela Paumer. Freilich verlaufen nicht alle Kontakte mit dem WCN so erfolgreich, wie diese Beispiele. Dennoch sei es ein Erfolgsmodell, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler. „Innerhalb von eineinhalb Jahren wurden in den Räumen der IHK Nordschwarzwald rund 120 Fachkräfte und Studenten aus 40 Nationen sowie nahezu 100 Unternehmen beraten.“ Leider gibt es keine aussagekräftige Statistik über die tatsächliche Vermittlung, weil der Kontakt zu den Klienten oft nur einmalig sei und keine Rückmeldung beim WCN erfolge. „Wir sehen uns vielmehr als Lotse, der die Menschen mit ihren individuellen Fragen in Empfang nimmt“, sagt Paumer. „Ist der erste Eindruck von der Region positiv, ist es wahrscheinlich, dass sich die Fachkräfte hier wohlfühlen und bleiben.“