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Die Pforzheimer Firma Forestadent überzeugt die IDS-Besucher mit nahezu unsichtbaren Lösungen für die Behandlung von Zahnfehlstellungen. NEFF
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Die Pforzheimer Firma Forestadent überzeugt die IDS-Besucher mit nahezu unsichtbaren Lösungen für die Behandlung von Zahnfehlstellungen. NEFF

Weltgrößte Fachmesse IDS in Köln erneut ein Besuchermagnet

Es ist nicht alles Gold was glänzt, doch die Firmen aus der Goldstadt, die auf der Internationalen Dentalschau (IDS) in Köln noch bis heute Abend ausstellen, sind bester Stimmung. „Das Besucherinteresse ist enorm“, wie Geschäftsführer Philipp Reisert von der Pforzheimer Scheideanstalt C. Hafner feststellt, die seit einigen Jahren ihren Hauptsitz in Wimsheim hat. „Als die Messe öffnete, war das fast ein kleiner Tsunami.“ Und die Besucherfreqenz blieb hoch.

Die Firma C. Hafner, die neben der Schmuckindustrie längst ein zweites Standbein in der Dentalbranche hat, steht weiterhin zum Werkstoff Gold. Mit der Übernahme des Bereichs Galvanotechnik von der Pforzheimer Wieland Dental+Technik hat sich das traditionsreiche Familienunternehmen zum größten europäischen Anbieter in dieser Sparte entwickelt. Das Gerüstmaterial für hochwertigen Zahnersatz ist aus Feingold, die Dentalprodukte werden mit Keramik verblendet. Die Kompetenz in der Edelmetalltechnologie werde von den Kunden weltweit geschätzt, so Reistert. Mit der Umsatzentwicklung 2018 sowie dem Auftakt 2019 ist er sehr zufrieden. C. Hafner zählt 240 Mitarbeiter.

„Hier ist richtig was los“, freut sich Mark Stephen Pace, geschäftsführender Gesellschafter von Dentaurum aus Ispringen, das älteste noch bestehende Dentaltechnikunternehmen der Welt in Familienbesitz. Pace ist zudem Vorsitzender des Verbands der Deutschen Dentalindustrie, der die IDS mit der Koelnmesse veranstaltet. Mit 2300 ausstellenden Unternehmen sie die weltweit größte Branchenmesse. Mit 21,3 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland und 870 000 Beschäftigten zählt die Dentalindustrie zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen, die sich dabei um die Zahngesundheit der über 80 Millionen Bundesbürger bemüht. „Der Patient steht bei uns immer im Mittelpunkt“, so Pace. Die Dentalindustrie stelle rund 60000 Produkte her – vom Watteröllchen bis zur kompletten Labor- und Praxiseinrichtung.

Als Verbandsvorsitzender eröffnete Pace die Messe und traf sich zu Gesprächen mit führenden internationalen Vertretern aus Wirtschaft und Politik, darunter auch die US-Konsulin. Er machte dabei deutlich, dass das Erfolgsgeheimnis der IDS die Freiheit des Handels und die uneingeschränkte Teilnahme an der Messe sei. „Wir wollen niemanden ausgrenzen, das macht uns nicht besser.“ Man könne politische Konflikte nicht über ein Embargo lösen. „Wir brauchen Flexibilität und Freiheit.“

Auf der Dentalschau würden Innovationen präsentiert und der Dialog zwischen den Nationen gefördert. Der seit Jahren steigende Internationalisierungsgrad der Messe zeige, dass dieses Konzept bei Ausstellern und Besuchern ankommt, sagte der Dentaurum-Chef. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 450 Mitarbeiter.

Dicht umlagert war auf der IDS auch der großflächige Stand von Amann Girrbach, das österreichische Unternehmen fusionierte vor Jahren mit dem Pforzheimer Dentaltechnikspezialisten Girrbach. Als ein Vorreiter in der dentalen CAD/CAM-Technologie zählt Amann Girrbach zu den führenden Full-Service-Anbietern in der digitalen Dentalprothetik. In der Goldstadt sind 130 Mitarbeiter tätig. Im Mittelpunkt des Interesses stand die erste vollautomatische Fräsmaschine, die nicht nur Zahnersatz fertigt, sondern auch Werkzeuge wechselt und sich selbst reinigt. Digitalisierung ist das Leitthema der Messe.

Die älteste Gold- und Silberscheideanstalt Heimerle+Meule aus Pforzheim ist ebenfalls in Köln vertreten. „Für uns ist es sicherlich die wichtigste Messe“, erläutert Bereichsleiter Detlef Schröder. Die IDS sei stärker frequentiert als die Schmuck- und Uhrenmesse Inhorgenta in München oder die Baselworld. Die Besucherfrequenz sei hoch. Die Bestellungen der internationalen Kundschaft würden in Echtzeit weitergeleitet und von Pforzheim aus bearbeitet. „Wer heute bestellt, bekommt morgen schon die Ware“, sagt Roxana Carrassi, die mit derzeit 20 Kollegen am Messestand tätig ist. Ein Drittel des Umsatzes und des Ertrags von Heimerle+Meule kommen aus dem Dentalbereich. Sie hat im Unternehmen gelernt und ist mittlerweile im Edelmetallbereich tätig. Das Traditionsunternehmen bietet auch Münzen und Barren für Investment und private Anleger an.

Sorgen bereitet Detlef Schröder der nach wie vor ungeklärte Brexit. Heimerle+Meule hat ein Tochterunternehmen in Großbritannien. Der Handel mit Edelmetallen werde durch den britischen Austritt wesentlich komplizierter.

In der Medizintechnik ist die Pforzheimer Präzisionstechnik-Firma Klingel Medical zuhause. Im Gewerbegebiet Altgefäll werden hochwertige Produkte auf Kundenwunsch gefertigt. Mit inzwischen 450 Mitarbeitern (davon 330 in der Goldstadt) ist Klingel auch in der Dentaltechnik aktiv. „Wir haben starke Nachfrage nach Drehmomentratschen und auch als Zulieferer für Implantate und Aufbauten“, berichtet Marketingleiterin Karin Ferenbach. Im Fokus steht als Messeneuheit die einteilige Ratsche des Tochterunternehmens Josef Ganter, die ohne Zerlegen gereinigt werden kann. „Die IDS ist für uns die wichtigste Messe, wir besuchen diese schon viele Jahre.“