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Historischer Handschlag (von links): Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender der französischen PSA Gruppe, Karl-Thomas Neumann, damaliger Vorstandsvorsitzender von Opel, und Dan Amman, Präsident von General Motors (GM) bekräftigen beim Genfer Autosalon im Jahr 2017 den Eigentümerwechsel. Foto: Deck/DPA-Archiv
Historischer Handschlag (von links): Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender der französischen PSA Gruppe, Karl-Thomas Neumann, damaliger Vorstandsvorsitzender von Opel, und Dan Amman, Präsident von General Motors (GM) bekräftigen beim Genfer Autosalon im Jahr 2017 den Eigentümerwechsel. Foto: Deck/DPA-Archiv
27.07.2018

Wie deutsch bleibt Opel? Der französische PSA-Konzern drückt beim Umbau aufs Tempo

Frankfurt/Pforzheim. Eine halbe Milliarde Euro Gewinn hat Opel im ersten Halbjahr eingefahren, angesichts jahrzehntelanger Verluste und öffentlichen Dauerstreits mit der Gewerkschaft ist das fast schon eine Sensation.

Ein Jahr nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern scheint die Traditionsmarke mit dem Blitz endlich in die Erfolgsspur zurückgefunden zu haben. Doch in den Jubel mischen sich immer noch Sorgen um das künftige Profil des Unternehmens und nicht zuletzt um die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Opel-Chef Michael Lohscheller und sein Konzernchef Carlos Tavares haben Wort gehalten und den von General Motors (GM) für 1,3 Milliarden Euro übernommenen Autobauer ohne Standortschließungen oder betriebsbedingte Kündigungen umgebaut. Gemeinsamer Einkauf, geringere Fixkosten und ein stärkerer Fokus auf die tatsächlichen Erlöse pro Fahrzeug haben – trotz weiter sinkender Marktanteile – zur schnellen Wende beigetragen.

Mitten in der Umstrukturierung

„Opel befindet sich mitten in der Umstrukturierung. Liebgewonnenes schmerzt bei Verlust aber ich bin mir sicher, es werden viele neue Dinge, gute Dinge kommen die Opel voranbringen“, sagt Timo Gerstel vom gleichnamigen Pforzheimer Autohaus. Das Traditionsunternehmen in der Oststadt ist seit über 100 Jahren Partner der Marke mit dem Blitz. „Die Geschäfte sind dieses Jahr bis heute gut gelaufen“, freut sich Gerstel, der auch Obermeister der Kfz-Innung Pforzheim/Enzkreis ist. „Ich würde da gerne Herbert Grönemeyer zitieren: Alles bleibt anders.“Den operativen Gewinn hat Opel aber mit einer Fahrzeugflotte eingefahren, die zu über 80 Prozent noch unter der Ägide von GM entwickelt wurde – mit dem derzeit erfolgreichen Flaggschiff Insignia an der Spitze. Dieses wurde wie die aktuellen Volumenmodelle Corsa und Astra ganz wesentlich und mit hohem Aufwand in Rüsselsheim geplant und dann teilweise unter anderen Namen in die weite GM-Welt geschickt.

Seit die Franzosen bei Opel das Sagen haben, läuft es eher anders herum: Die meiste Technik der ersten gemeinschaftlichen Modelle und des für 2019 geplanten neuen Corsa stammt von PSA, die Opel-Leute geben den Autos beispielsweise mit Fahrwerksabstimmung und eigenen Design-Elementen ein deutsches Finish.

„Germanness“ sollen die künftigen Opel-Modelle ausstrahlen, meint hingegen PSA-Chef Tavares – und meint damit Solidität, Effizienz und autobahnfeste Dynamik, gern auch elektrisch. Deutsche Ingenieurskunst werde weltweit bewundert, sagt der Portugiese, und will Opel so international vermarkten. „Opel wird noch deutscher, als es jemals der Fall war“, versprach Lohscheller nun. Rüsselsheim werde jeden Opel verantworten und zudem wichtige Themenfelder wie die Brennstoffzelle, Sitze oder eine neue Benzinmotoren-Familie zentral für den gesamten Konzern erledigen.

Verlängerte Werkbank

Wie viele der über 7000 Ingenieure im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum er dafür noch benötigt, hat der Opel-Chef allerdings offen gelassen. Mit Gewerkschaft und Betriebsrat wurde nach heftigen Diskussionen ein Sanierungs-Tarifvertrag abgeschlossen, der gegen Lohnverzicht die in Deutschland verbleibenden rund 14.000 Jobs bis zum Jahr 2023 garantiert. Mitten in die finalen Gespräche mit der IG Metall platzte die Nachricht aus Frankreich, dass PSA mit mehreren Ingenieurdienstleistern über einen Teilverkauf des Zentrums verhandele. Bis zu 4000 Ingenieure könnten wechseln, aus Sicht von Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug eine Operation am offenen Herzen des Unternehmens.

Natürlich brauche Opel ein Entwicklungszentrum, sonst würde man zur verlängerten Werkbank von PSA, sagt der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger. Die Rüsselsheimer Opelaner gingen jedenfalls mit einem flauen Gefühl in die Werksferien.