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Ein klares Ziel vor Augen: Wer sich bewusst macht, was er will und warum, profitiert beim Schmieden der Karriere, sagen Experten.  Foto: Adobe Stock 

Wie man den perfekten Job findet: Ein Business Coach aus Pforzheim verrät, worauf es ankommt

Pforzheim. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen? Ein Haus, ein Auto oder mehr Geld? So viel steht fest: Es ist nicht immer Prestige, was sich Menschen wünschen, wenn sie Business Coach Stefan Renz aus Pforzheim aufsuchen. Sie treibt die Frage nach ihrer Karriere um. Beim Fachkräftetag „Meine Karriere 2019“ am 14. September im CCP spricht er über Selbstmanagement im digitalen Zeitalter.

Die sogenannte Wunderfrage bildet beim Coaching die Basis. Wie sieht mein Traumjob aus, was will ich erreichen – und wie hoch ist die Bereitschaft für die Veränderung? Selbstreflexion gehört laut Renz zum Veränderungsprozess an erster Stelle. Der Coach wendet eine beliebte Methode an, um sie zu schärfen. „Der Mensch tickt nämlich so, dass wir zuerst nur auf das Negative schauen.“ Also muss das Gegenteil her. Einer Legende nach hat eine alte Dame, die immer, wenn sie das Haus morgens verließ, eine Handvoll Bohnen in ihre linke Jackentasche gesteckt. Immer wenn ihr etwas Schönes widerfuhr, nahm sie eine Bohne aus der linken und steckte sie in die rechte Jackentasche. Abends zu Hause nahm sie die Bohnen der rechten Tasche heraus, zählte sie und holte sich die einzelnen positiven Situationen des Tages wieder in Erinnerung – und aus den „positiven“ Bohnen braute sie sich morgens eine Tasse Kaffee. Wichtig sei es, das Ziel nicht aus dem Blick zu verlieren. Beim Coaching helfe auch ein sogenanntes Visionboard: Eine Art Collage aus Bildern, die einem vor Augenführen, was man will.

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Business Coach Stefan Renz. Foto: Privat

Beim Coaching gehe es darum, nicht im Sumpf festzustecken. „Ich stelle Fragen, die Sie dazu bringen, dass Sie Ihren Weg finden“, sagt Renz. Anders sei es dagegen bei der Beratung: „Ich sage, wie es geht.“ Ob die Lösungsstrategie des Beraters dann mit den Vorstellungen des Kunden übereinstimmt, sei dahingestellt. Denn der Karriereweg verlaufe nicht linear – eher im Zickzack als eine feste Abfolge von Stationen.

Befassen sich heute Menschen eher mit dem Thema Karriere?

„Menschen sind heute viel informierter“, sagt Renz. Social Media mache andere Lebensstile sichtbarer, sie zeigen einem, wo man selbst sein könnte. „Das Mindset ist durch die neuen Technologien größer geworden“, stellt Renz fest. Und: „Menschen sind noch ungeduldiger geworden.“ Früher hätten sich Berufstätige für die Beantwortung eines Briefes oder Faxes drei Tage Zeit gelassen. Wenn eine E-Mail heute nicht innerhalb eines Tages beantwortet ist, lasse es zu denken geben. Schnelligkeit und Verfügbarkeit – das seien Themen, die den Menschen krank machen. „Der Stress und der Druck bei der Arbeit ist nicht schlimmer geworden“, sagt Renz. „Aber die Zeit – ich muss viel schneller handeln.“ Negativen vom positiven Stress zu unterscheiden, sei daher ein Bestandteil vom Coaching.

Die Digitalisierung bringt auch beim Thema Karriere viele Veränderungen mit sich. Heute müssen sich die Firmen den potenziellen Kandidaten vorstellen – früher war es anders, sagt Renz und stellt eine provokante These auf: „In drei Jahren braucht noch kaum jemand eine gute Bewerbung.“ Die gute Bewerbung sei dann entweder das Social-Media-Profil oder eine Empfehlung. Das Thema Fachkräftemangel treibe diese Entwicklung voran. Deshalb müssen auch Firmen fit für die Zukunft sein. Aus seinem Mandantenkreis weiß Renz, dass Betriebe sich manchmal kreative Ideen einfallen müssen, um an ihre Azubis ranzukommen – vom YouTube-Kanal bis Instagram, eben dort, wo sich die Zielgruppe bewegt.

Vom digitalen Wandel überholt zu werden, bereite vielen Menschen Unbehagen. „Weil der Veränderungsprozess nur kurz mit Euphorie einsetzt“, sagt Renz. Danach komme ein Schlenker nach unten, weil Menschen oft feststellen, dass sie etwas nicht können. Erst nach etwa sechs Monaten gehe die Lernkurve nach oben. Einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind in Deutschland 18,4 Prozent aller Jobs bedroht – sprich jeder fünfte Arbeitsplatz. Der Grund: Die Automatisierung werde vor allem das verarbeitende Gewerbe stark ausdünnen. Aber der Wandel bringt laut Studie auch Chancen: Neue Berufsfelder könnten entstehen.

Veränderungen spielen sich nicht nur bei Unternehmen ab.

Zeit, um den Beruf zu wechseln?

Arbeitnehmer bleiben durchschnittlich 10,9 Jahre ihrem Arbeitgeber treu, so eine Studie aus dem Jahr 2014. Und die Zahl hat sich kaum verändert: 1992 lag sie bei 10,3 Jahren. Aber: Unter den jüngeren Menschen hat sich die Dauer der Betriebszugehörigkeit verkürzt. Der Trend zu häufigeren Wechseln wächst mit der neuen Generation heran.

Stefan Renz hat es getan. Ursprünglich hat er Werkzeugmacher gelernt, später Maschinenbautechniker. Seit 2008 arbeitet er als Quereinsteiger im Coaching. In seinen zwei letzten Arbeitsverhältnissen war er mit der Arbeitsvorbereitung und Produktionsplanung beschäftigt. Das benötigt Kommunikationsgeschick, um zwischen Abteilungen und Mitarbeitern zu vermitteln – eine Beschäftigung, die ihn „schon immer gereizt hat“. Eine Veränderung sollte her. „Vielleicht habe ich mir schon damals die Wunderfrage gestellt“, lacht Renz. Es folgten zahlreiche Ausbildungen und Fortbildungen in Coaching und Wirtschaftsmediation. „Damals war es Beruf, heute es ist eine Berufung“, sagt Renz.

Messe "Meine Karriere" im CCP

Schnell, schneller, hoch hinaus: Wie kann ich meine Karriere voranbringen – und wo den passenden Job finden? Rund um diese Fragen dreht sich die Messe „Meine Karriere“, die die „Pforzheimer Zeitung“ am 14. September im CCP organisiert. „Mit unserer neuen Karriere-Messe wollen wir als PZ-Medienhaus eine Plattform bieten für die Unternehmen und Organisationen der Region Nordschwarzwald“, sagt der geschäftsführende PZ-Verleger Thomas Satinsky. „Wir möchten zeigen, wie erfolgreich und innovativ unser Wirtschaftsraum und dessen Menschen sind.“ Der Fachkräftetag bietet zudem ansässigen Unternehmen die Möglichkeit, sich mit Karrierechancen und Ausbildungsprogrammen bei zukünftigen Mitarbeitern zu präsentieren, ergänzt Michael Lindenau, Mediaberater im Außendienst. „Man kann an diesem Tag Werbung in eigener Sache betreiben und interessierten Fachkräften einen Überblick über das eventuell neue Aufgabengebiet vermitteln.“

Neben den rund 26 Ausstellern gibt es beim Fachkräftetag auch spannende Vorträge:

Stress und Selbstmanagement im digitalen Zeitalter: Stefan Renz, Systemischer Business Coach.

Erfolgreich zum Wunschjob – Meilensteine auf dem Weg durch Bewerbungsprozess und Vorstellungsgespräch: Marco Heidrich, Gründer und Inhaber der Marco Heidrich Privatschule für EDV & Nachhilfeunterricht

Fachkräftegewinnung im eigenen Betrieb: Uwe Müller, Teamleiter Arbeitgeberservice und Iris Dreyer – Weiterbildungsberaterin im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim

Bildung 4.0 – Neue Wege zur Kompetenzentwicklung:

Esther Gölz, Referentin Geschäftsführung Bildung bei der IHK Nordschwarzwald

Ausbildung 4.0 / Veränderungen in den Berufen halten:

Hannes Frey, Leiter Ausbildung Werkzeugtechnik bei KLEINER GmbH Stanztechnik

Künstliche Intelligenz – wie technische Innovationen unsere Arbeitswelt verändern:
Moritz Müller von Meyle & Müller GmbH + Co. KG

Employer Branding – IMO: Alles andere als oberflächlich:

Amelie Fleck, Personalreferentin bei IMO Oberflächentechnik GmbH

Sie wollen Ihre Bewerbungsmappe bewerten lassen? Beim Fachkräftetag haben Sie dazu Gelegenheit. Karrierecoach Marco Heidrich wird Bewerbungsunterlagen kostenfrei am PZ-Messestand hinsichtlich Struktur, Optik und Inhalt prüfen und Ihre persönlichen Fragen beantworten. Ein weiteres Plus: Ein Fotograf wird am PZ-Stand kostenlose Bewerbungsbilder machen.

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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