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Pratheepan Kamalhenthiram (rechts) und Anwar Alkaddah haben ihre berufliche Einstiegschance genutzt und eine Festanstellung bei der Pforzheimer Firma G. Rau erhalten. Der Dritte im Bunde, Samir Jamil, ist gerade im Urlaub. Foto: Meyer
Pratheepan Kamalhenthiram (rechts) und Anwar Alkaddah haben ihre berufliche Einstiegschance genutzt und eine Festanstellung bei der Pforzheimer Firma G. Rau erhalten. Der Dritte im Bunde, Samir Jamil, ist gerade im Urlaub. Foto: Meyer
14.09.2018

„Wir haben das geschafft“: Drei Flüchtlinge haben jetzt bei der Firma G. Rau eine Festanstellung

Pforzheim. Pratheepan Kamalhenthiram ist zufrieden. Der 32-jährige Flüchtling aus Sri Lanka hat es geschafft. Er lächelt, das tut er oft – und seine offene, herzliche Art kommt bei seinen deutschen Arbeitskollegen gut an. Nach zwei Jahren als Produktionshelfer beim Pforzheimer Traditionsunternehmen G.Rau hält Kamalhenthiram einen unbefristeten Arbeitsvertrag in Händen. „Das hat er sich auch verdient“, sagt Personalleiter Norman Gutscher.

Jörg Pfisterer, Teamleitung Produktion Medizintechnische Halbzeuge, schwärmt vom Mann aus Sri Lanka: „Der ist sich für nichts zu schade und hat ein gutes technisches Verständnis.“ Der ehemalige Flüchtling habe sich zum kompetenten Mitarbeiter entwickelt, der auch in der anspruchsvollen Endkontrolle von medizinischen Komponenten eingesetzt werde. Das sei nicht selbstverständlich, sagt Pfisterer. Auch eine spätere Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer sei möglich, was freilich deutlich höhere Anforderungen bedeute.

Kamalhenthirams Kollege ist Anwar Alkaddah. Er stammt aus Syrien und kam 2013 nach Deutschland. Er arbeitet in der Metallumformung – aus schweren Stücken entstehen in der tonnenschweren Walze dünne Bahnen, die für Stanzbänder in der Präzisionstechnik benötigt werden. Er und seine Kollegen bekamen früher vom Jobcenter Pforzheim Hartz IV.

Anwar Alkaddah ist mächtig stolz, dass er durch die Arbeit bei G. Rau seine Frau und die fünf Kinder ernähren kann. „Das war ihm ganz wichtig“, ergänzt Christian Marquardt vom Arbeitgeberservice beim Jobcenter Pforzheim.

„Meine Kinder sind meine Dolmetscher“, sagt Alkaddah. Sie gehen auf die Südstadtschule und haben in den vergangenen Jahren sehr gut Deutsch gelernt. Sein ältester Sohn habe in der 9. Klasse ein Erkundungs-Praktikum im Unternehmen gemacht. Auch der 44-Jährige kann sich inzwischen in der neuen Sprache gut verständigen. „Die Firma G. Rau ist ein toller Arbeitgeber und wir haben gute Vorgesetzte und Kollegen, die uns freundlich aufgenommen haben.“ Auch die Betriebsfeste seien toll gewesen, lacht Alkaddah.

Elf Menschen mit Migrationshintergrund durften im Sommer 2016 bei G.Rau ein Praktikum machen. „Dann hatten wir die Qual der Wahl“, schildert Gutscher. Denn nur vier Plätze für die angehenden Produktionshelfer mit Flüchtlingshintergrund standen im Unternehmen zur Verfügung. „Eine außergewöhnliche Bereitschaft für ein mittelständisches Unternehmen“, betont Marquardt. „Die wollten unbedingt etwas lernen“, ergänzt Pfisterer. Das Eingliederungsprojekt wurde zwei Jahre vom Jobcenter begleitet. Intensive Sprachförderung gehörte dazu, was auch die Firma G.Rau unterstützte. Dritter im Bunde ist Samir Jamil, der aus dem Irak kam. Alle drei haben jetzt eine Festanstellung erhalten. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Personalleiter Gutscher. Ein vierter Projektteilnehmer sei inzwischen aus persönlichen Gründen in den Irak zurückgekehrt.

Und Edgar Bauer, Leitung Produktion Industrielle Halbzeuge, bekräftigt, dass sich alle Projektteilnehmer von Anfang an voll engagiert hätten. „Sie wollten diese Anstellung unbedingt. „Ihre Motivation ist hoch“, freut sich Gutscher. Das größte Problem für die rasche Eingliederung ist die Sprache. „Wir sind ein deutsches Unternehmen und die betrieblichen Anweisungen sind alle auf deutsch.“ Asylbewerber haben Anspruch auf 600 Stunden Deutschunterricht. Ein Dolmetscher half bei Verständigungsproblemen.