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27.03.2008

„Wir sind und bleiben konservativ“

PFORZHEIM. Die Volksbank Pforzheim verkaufe weder Kundenkredite noch sei sie unmittelbar von der Finanzkrise betroffen, erklärte gestern Vorstandsvorsitzender Rainer Kunadt bei der Bilanzpressekonferenz des Instituts.

Nervenkitzel ist bei den Kunden der Volksbank Pforzheim nicht angesagt – zumindest nicht, wenn es um riskante Geschäfte geht, bei denen die Gelder der Anleger verbrannt werden, machte Vorstandsvorsitzender Rainer Kunadt deutlich. Die Geschäftsphilosophie des genossenschaftlichen Geldinstituts bezeichnete er deshalb so: „Wir sind konservativ und wir wollen es auch bleiben.“ Dazu gehöre der persönliche Kontakt zu den Kunden. Für die Volksbank Pforzheim bedeute dies auch, dass Filialen und Servicestellen flächendeckend in der Stadt und im ländlichen Raum erhalten bleiben. Das Jahr 2007 bezeichnete Kunadt als turbulent für die Branche. Alle Marktteilnehmer hätten demnach durch teils abenteuerliche Finanzgeschäfte einiger Banken an Image eingebüßt. Zur Erinnerung: Verschiedene Institute haben Kredite ihrer Kunden zu deren Nachteil verkauft. Und: zweifelhafte Engagements in drittklassige US-Immobilienkredite lösten eine Finanzkrise aus. Allerdings machte Kunadt deutlich: „Als Genossenschaftsbank haben und hatten wir nichts damit zu tun. Wir wollen nicht mit den Banken in einen Topf geworfen werden.“

Unterdessen blieb auch die Volksbank vom „beinharten Wettbewerb, wie wir ihn noch nie erlebt haben“ nicht verschont, so der Vorstandschef. So hätten einige Großbanken inzwischen den Endverbraucher und den Mittelstand entdeckt. Die Folge: Der Konditionenwettbewerb „macht uns die Rendite kaputt“. Ohnehin hätten regional orientierte Institute wie die Volksbank weitaus geringere Margen als international operierende Häuser. Aber, sagte Kunadt: „Dafür haben wir auch nicht die Probleme der Großen.“ Entsprechend der Situation ist der Zinsüberschuss der Volksbank von 43,4 Millionen Euro in 2006 auf 39,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurückgegangen. Dagegen konnte das Provisionsergebnis von 15,7 Millionen auf 17 Millionen Euro gesteigert werden. Die Aufwendungen für Verwaltung wurden um rund drei Prozent auf 44 Millionen Euro verringert. Der Jahresüberschuss wurde mit 4,4 Millionen Euro angegeben, sei aber nicht mit dem Überschuss 2006 von 13,1 Millionen Euro vergleichbar, da seinerzeit Sondereffekte zu dem hohen Ergebnis geführt hätten. Der Volksbank-Vorstand schlägt eine unveränderte Dividende von 5,1 Prozent vor.

Alternative Finanzierung boomt

Unterdessen habe sich die konjunkturelle Entwicklung positiv auf die Nachfrage nach Investitionskrediten ausgewirkt, sagte Vorstandsmitglied Fritz Schäfer, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft. Vor allem die Branchen Maschinen- und Werkzeugbau wiesen laut Schäfer „stabile Entwicklungszahlen vor und verbesserten konstant ihre Liquiditätsausstattung“. Insbesondere alternative Finanzierungsformen wie Factoring, Mezzanin-Kapital und Leasing hätten zugenommen. Bei der Vermittlung von Leasingverträgen hat die Volksbank demnach um 50 Prozent auf ein Volumen von 10,5 Millionen Euro zugelegt.

Investitionen für Energiesparen

„Einen regelrechten Boom“ verzeichnete Schäfer im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die Volksbank habe sich hierbei auf öffentliche Förderkredite spezialisiert und allein im Firmenkundengeschäft eine Steigerung von 25 Prozent erzielt. „Erfreuliche Zuwächse“ verzeichnete Vorstandsmitglied Klaus Frey auch im Kreditgeschäft mit Privatkunden. „Durch den ab 2008 geforderten Energieausweis und ein wachsendes Energiebewusstsein der Bürger nehmen Investitionen für Renovierungen und Modernisierungen von Bestandsimmobilien deutlich zu“, sagte Frey.
Als „Dauerbrenner“ bezeichnete Vorstandsmitglied Jürgen Zachmann die private Altersvorsorge. „Mit einem Abschlussvolumen von nahezu 45 Millionen Euro an Lebensversicherungen belegt die Volksbank Pforzheim unter den genossenschaftlichen Instituten im Landesvergleich den Spitzenplatz, bundesweit Platz drei“, sagte Zachmann