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Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD).
Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD). © Weissbrod
22.12.2015

Wirtschaft versprüht trotz Konjunkturabschwächung Optimismus

Stuttgart. Die starke Abhängigkeit des Südwestens vom Außenhandel bremst die Konjunktur im kommenden Jahr nach den bisherigen Prognosen. Für 2016 werde nur noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 Prozent gerechnet, sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, gestern in Stuttgart. Damit liegt die Prognose im Südwesten unter dem Wert von 1,6 Prozent, den der Sachverständigenrat der Bundesregierung für 2016 für die gesamte Bundesrepublik sieht.

Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hält die Konjunktur im Südwesten dennoch für „robust“. Auch Brenner hält die Abschwächung nicht für beunruhigend.

Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2016 werde stark von der Binnenkonjunktur, also vom Konsum getrieben, sagte Brenner. Die Wirtschaft im Südwesten sei aber stark vom verarbeitenden Gewerbe geprägt und weniger von Dienstleistungen, die von höheren Konsumausgaben profitieren.

Die Landesstatistiker nennen denn auch als Grund für das geringere Wachstum die starke Abhängigkeit des Südwestens vom Auslandsgeschäft, das den Prognosen zufolge schwächer werden wird. 2015 hatten die Exporte in den ersten drei Quartalen noch einmal zugelegt. Die gesamten Ausfuhren dürften in diesem Jahr bei einem Spitzenwert von knapp 200 Milliarden Euro liegen. Das Geschäft mit den USA – dem wichtigsten Handelspartner außerhalb Europas – legte, auch dank des schwachen Euros, um 26 Prozent zu. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnte aber: „Unsere Wirtschaft ist gedopt“, und verwies auf niedrige Zinsen, den niedrigen Ölpreis und den niedrigen Kurs des Euro. Trotz einer leichten Abschwächung der Konjunktur im kommenden Jahr bleiben die Wirtschaftsverbände im Land positiv gestimmt. „Ich bin vorsichtig optimistisch“, sagte Arbeitgeberpräsident Dulger.

Wachstum über Bundesschnitt

Industriepräsident Hans-Eberhard Koch sagte: „Das kommende Jahr wird ähnlich verlaufen wie 2015, auch wenn die Erwartungen im Maschinenbau und in der Autoindustrie etwas gedämpft sind.“ In diesem Jahr wird das Wirtschaftswachstum im Südwesten den Prognosen zufolge mit einem Plus von rund zwei Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen.

Man hoffe, dass die Wachstumsrate auch 2016 am Ende doch noch höher ausfalle als auf Bundesebene, sagte Wirtschaftsminister Schmid. „Ich glaube schon, dass es klappen könnte, aber abgerechnet wird erst zum Schluss.“ Die Rahmenbedingungen seien mit den niedrigen Ölpreisen gut. Die Beschäftigung dürfte weiter zulegen und deutlich über der Sechs-Millionen-Marke liegen. Allein die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg bis September auf 4,4 Millionen. Das Handwerk korrigierte seine Umsatzerwartung nach oben und rechnet mit einem Plus von zwei Prozent auf 89 Milliarden Euro.