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Erwartungen nicht erfüllt: Im Dezember 2015 vereinbarten der damalige IHK-Präsident Burkhard Thost (rechts) und sein Präsidiumskollege aus Isfahan, Seyed Abdolvahab Sahlabadi, eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit.  Seibel
Erwartungen nicht erfüllt: Im Dezember 2015 vereinbarten der damalige IHK-Präsident Burkhard Thost (rechts) und sein Präsidiumskollege aus Isfahan, Seyed Abdolvahab Sahlabadi, eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Seibel
12.01.2018

Wirtschaftsbeziehungenzwischen Deutschland und Iran belastet

Die Proteste im Iran hatten als Kritik an der Wirtschaftspolitik der Regierung begonnen. „Nein zu hohen Preisen“, hieß es in Maschad im Nordostiran zunächst. Der iranische Präsident Hassan Ruhani sollte etwas gegen Inflation und Arbeitslosigkeit unternehmen. „Es geht ja nicht darum, ob einer ein besseres Wirtschaftsprogramm hat als Ruhani, sondern dass wir mit den Mullahs keine Perspektive haben“, sagt der 23-jährige Student Ramin.

Schon jetzt hat der werdende Architekt sich um einen Job beworben. Aber auch falls er ihn kriegen sollte, kann er sich mit dem Geld nicht mal eine kleine Wohnung leisten, von Heirat und Familie ganz zu schweigen. „Da gibt es Analphabeten, die in unserer Branche die Kohle machen, nur weil sie in irgendeiner Behörde einen Mullah kennen“, sagt Ramin. Für viele Iraner der Mittel- und Arbeiterklasse sind dubiose Mafiabanden und die Korruption im Land ein Albtraum. „Diese Mafiabanden stehen morgens auf und hauen einfach neue Preise in den Markt, ganz egal, ob wir Arbeiter uns das leisten können oder nicht“, sagt der Pförtner Ali Mohamed. Mit Frau und drei Kindern plagen ihn jeden Abend Existenzängste, wie er in Zukunft seine Familie über die Runden bringen soll.

„Unsere Wirtschaft ist nicht so schlecht, wie sie dargestellt wird“, sagt Ruhani.

„Trotz vielfältiger Herausforderungen haben die Exporte aus dem Nordschwarzwald in den Iran seit Lockerung der Sanktionen vor zwei Jahren stetig zugelegt“, erläutert Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. Dies zeige unter anderem die zunehmende Zahl an Ursprungszeugnissen, die die IHK Nordschwarzwald für Warenlieferungen in den Iran ausstellt. Rund 50 Mitgliedsunternehmen beantragen diese Exportpapiere regelmäßig bei der Kammer in Pforzheim und Nagold.

Hinter den Erwartungen

Vor allem der Maschinen- und Anlagenbau sowie Unternehmen der Medizintechnik hätten ihre Lieferbeziehungen in den Iran seit der Marktöffnung im Januar 2016 kontinuierlich ausgebaut. „Gleichwohl ist die Wirtschaftsentwicklung hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben“, resümiert die IHK-Präsidentin. Unter anderem spielten die Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der US-Regierung eine große Rolle, warum sich die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen nicht so positiv entwickelt hätten, wie man sich das ursprünglich erhoffte. „Deutsche Unternehmen mit starkem US-Geschäft halten sich lieber zurück, um nicht zwischen die politischen Fronten zu geraten.“ Als weiteren Hemmschuh nennt Claudia Gläser fehlende Finanzierungsmöglichkeiten im Irangeschäft sowie teilweise Schwierigkeiten bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. „Auch kulturelle Aspekte spielen eine Rolle“, betont die IHK-Präsidentin, die mit ihrem Familienunternehmen selbst im internationalen Geschäft in den USA und in China tätig ist.

Das Irangeschäft sei ein „Beziehungsgeschäft“, das vor allem durch regelmäßige, persönliche Geschäftskontakte geprägt werde. Allerdings meldeten zahlreiche IHK-Mitgliedsunternehmen seit einigen Monaten Probleme bei der Visa-Erteilung für ihre iranischen Geschäftspartner. Sie beklagten, dass ihnen dadurch Nachteile gegenüber internationalen Wettbewerbern entstünden. Darüber hinaus belaste natürlich auch die derzeitig angespannte politische Lage die Wirtschaftsentwicklung, gibt die Präsidentin der IHK Nordschwarzwald zu bedenken.

Zahlreiche Unternehmen aus der Region Nordschwarzwald stehen in den Startlöchern. „Mit Durchhaltevermögen und gemeinsamer Anstrengung kann es der deutschen Wirtschaft gelingen, wieder an die traditionell hervorragenden Beziehungen mit dem Iran anzuknüpfen“, betont Gläser. Voraussetzung seien jedoch stabile Rahmenbedingungen.