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25.11.2008

Wisi will 127 Mitarbeiter entlassen

NIEFERN-ÖSCHELBRONN. In diesem Jahr gab es für die Beschäftigten des Kommunikationstechnik-Spezialisten Wisi noch eine Erfolgsbeteiligung – jetzt droht 127 von 459 Mitarbeitern die Kündigung. Dabei verzeichnete die Firma im vergangenen Jahr noch einen Rekordumsatz.

Wisi gilt als Pionier der modernen Empfangstechnik – Kabelfernsehen wäre ohne die Produkte des Traditionsunternehmens Wilhelm Sihn kaum denkbar. Die Netzmodernisierung von Kabel BW bescherte der Wisi Communication GmbH &Co KG zuletzt einen mächtigen Schub. Im Jahr 2007 bedeutete dies einen Rekordumsatz von 110 Millionen Euro.
„Ein sehr gutes Jahr“, räumte Geschäftsführer Axel Sihn gestern im Gespräch mit der PZ ein. Doch jetzt seien praktisch alle Kabelhaushalte in Baden-Württemberg versorgt. 2008 werden es nur noch 95 Millionen sein und für das kommende Jahr gehen die Verantwortlichen bei Wisi nur noch von einem Umsatz in Höhe von 75 bis 80 Millionen Euro aus.

Fette Jahre sind vorbei

Vor diesem Hintergrund käme man um eine Anpassung der Beschäftigtenzahl nicht herum. Firmenchef Sihn geht von einem Personalabbau von 127 Stellen aus. Er könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass erste Kündigungen noch vor Weihnachten ausgesprochen werden. Es werde jedoch eine sozialverträgliche Lösung angestrebt. Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan mit Betriebsrat und IG Metall sollen rasch beginnen und möglichst noch vor den Weihnachtsferien abgeschlossen sein, betonte Sihn gegenüber der PZ.

Zuvor hatte der Unternehmer die Beschäftigten am Stammsitz Niefern in einer Betriebsversammlung über die geplante Stellenreduzierung informiert. Noch weiß keiner, wer im kommenden Frühjahr in den sauren Apfel beißen muss und von der Entlassungswelle betroffen sein wird. Die Stimmung war dementsprechend gedrückt. Wisi Communication hat aktuell 459 Beschäftigte, in der Spitze waren es mit Leiharbeitern 496. „Relativ viele manuelle Tätigkeiten sind in diesem Umfang am Standort Niefern künftig nicht mehr zu halten“, erläuterte Sihn die anstehenden Veränderungen. Diese Arbeitsplätze fielen weg. Wisi habe jedoch zahlreiche neue Produkte in der Entwicklungspipeline. Durch Investitionen in rationellere Fertigungsverfahren würde weniger Personal benötigt.

Trotz der Markt- und strukturbedingten Umsatzrückgänge sei das Unternehmen wirtschaftlich stabil. „Für das Jahr 2007 haben wir an jeden Mitarbeiter 3000 Euro Gewinnbeteiligung ausgeschüttet“, erläuterte Sihn. „Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir noch mit einem zufriedenstellenden, wenn auch deutlich geringeren Ergebnis und auch 2009 werden wir schwarze Zahlen schreiben.“ Voraussetzung dafür sei allerdings die konsequente Umsetzung der Personalmaßnahmen.

Bekenntnis zum Standort

„Die guten Ergebnisse der jüngeren Vergangenheit, entbinden uns nicht von der Pflicht, unser Unternehmen für die Zukunft fit zu halten. Deshalb werden wir auch weiterhin in die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Standortes investieren“, betonte der Wisi-Chef. „Unser Ziel ist, so viel Wertschöpfung und Beschäftigung wie möglich in Niefern zu erhalten.“

Autoantennen aus Polen

Karlheinz Kortus, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim, wurde über den vorgesehenen Personalabbau informiert. Er hofft jedoch, dass in den Verhandlungen mit der Geschäftsleitung möglichst viele Arbeitsplätze gerettet werden können. „Wir wollen zunächst Informationen über die künftige Organisationsstruktur des Unternehmens.“ Im Frühjahr wurde bereits die Produktion von Auto-Antennen aus Kostengründen komplett nach Polen verlagert. Rund 40 Stellen wurden abgebaut. Diese Sparte gehört zur abgespaltenen Wisi Automotive GmbH & Co KG. Deren Entwicklung und Vertrieb sind weiterhin in Niefern beheimatet. Aktuell sind das 45 Mitarbeiter.