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Hält an ihren Prognosen fest: Die Witzenmann-Geschäftsführung (von links) Andreas Kämpfe, Philip Paschen, Hans-Eberhard Koch und Gerhard Flöck. Foto: Eickhoff
Hält an ihren Prognosen fest: Die Witzenmann-Geschäftsführung (von links) Andreas Kämpfe, Philip Paschen, Hans-Eberhard Koch und Gerhard Flöck. Foto: Eickhoff
28.10.2016

Witzenmann hält an Wachstumsziel fest

Pforzheim. Zuwächse im Pkw-Geschäft – aber Rückgänge bei Lkw. Pforzheimer Gruppe beschäftigt weltweit über 4000 Mitarbeiter.

Erstmals seit langer Zeit muss die Pforzheimer Witzenmann-Gruppe einen leichten Umsatzrückgang verbuchen. Am langfristigen Ziel, bis zum Jahr 2025 die Milliarden-Marke zu überschreiten, ändert das allerdings nichts. Das versicherte gestern Hans-Eberhard Koch, Vorsitzender Geschäftsführung des Traditionsunternehmens beim Pressegespräch in der Goldstadt. Koch spricht von einer konjunkturbedingten „Verschnaufpause“. Bis zum Jahresende soll der Umsatz wieder steigen und letztlich bei 567 Millionen Euro liegen (geplant waren einmal 577 Millionen). Die Mitarbeiterzahl ist weiter gestiegen. Weltweit sind jetzt über 4000 Menschen für Witzenmann tätig (plus 3,2 Prozent). Fast die Hälfte der Beschäftigten arbeitet in den deutschen Gesellschaften, 31 Prozent im europäischen Ausland und 21 Prozent in den Tochterunternehmen in Amerika und Asien. Das Stammhaus in Pforzheim übernimmt wichtige Aufgaben als Kompetenz- und Steuerungszentrum für die gesamte Unternehmensgruppe. „Unverändert laufen die Geschäfte mit der Automobilindustrie gut. Mehr als die Hälfte des Umsatzes werden in diesem Geschäftsfeld realisiert“, so Koch. In Europa und Asien steigt die Zahl der Pkw-Zulassungen weiter. Als Entwicklungspartner unterstützt Witzenmann seine Kunden weltweit mit 18 Auslandstöchtern durch flexible Komponenten bei der Realisierung von verbrauchsarmen Antriebskonzepten. Eine hohe Konsumbereitschaft und ein niedriger Benzinpreis seien Treiber der Automobilnachfrage.

Ob das Elektro-Auto tatsächlich der Schlüssel zur Mobilität der Zukunft ist, sei noch offen, betonte der Witzenmann-Chef. Chancen sieht er für die Brennstoffzelle, synthetische Kraftstoffe sowie weitere Verbesserungen bei dem Benzinmotor.

Das Problem für die rasche Einführung der E-Mobilität sei die mangelnde Ladeinfrastruktur und die Versorgung mit Ökostrom. „So schnell geht dem Verbrennungsmotor wohl nicht die Luft aus“, versicherte Technik-Geschäftsführer Andreas Kämpfe. Bei technischen Innovationen sei Witzenmann dabei, profitiere sowohl bei den Zuwächsen bei den weltweiten Pkw-Neuzulassungen als auch neuen Produkten für die E-Mobilität. Kühlmittelleitungen würden auch dort gebraucht.

Bremsspuren gibt es allerdings im Nutzfahrzeuge- und Baumaschinen-Bereich. Er ist stark verbunden mit der Rohstoffförderung. Die niedrigen Preise für Öl und Gas sowie landwirtschaftliche Rohstoffe wirken sich dort negativ auf das Geschäft aus, erläuterte Koch. „Alle wichtigen Kunden dieses Bereichs müssen aktuell erhebliche Nachfragerückgänge verkraften.“

Anlagenneubauten oder die Modernisierung von Industriekomplexen würden vielfach verschoben. Im Kompensatorengeschäft fehlten seit einiger Zeit große Projekte im Kraftwerksbau, in der Chemie, der Petrochemie oder in der Stahlindustrie. „Deshalb liegt der Umsatz bislang auch unter Plan.“ Allerdings zeigt hier die Entwicklung der Auftragseingänge nach oben. „Wie üblich bleibt der erwirtschaftete Gewinn ganz überwiegend im Unternehmen“, betonte Finanzchef Gerhard Flöck. Die Eigenkapitalquote liegt derzeit bei knapp 59 Prozent. Die Investitionsquote bleibt mit rund 7,4 Prozent auf einem hohen Niveau. Witzenmann nutzt seine internationalen Standorte, um dort neue Geschäftsfelder in der Industrie, der Luft- und Raumfahrt, Schiene und der Gebäudeausrüstung zu erschließen. Die Digitalisierung eröffne große Chancen, das Geschäftsmodell gewinnbringend zu erweitern, etwa im Vertrieb von standardisierten Qualitätsprodukten.