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Die Witzenmann-Geschäftsführung (von links) Heiko Pott, Eberhard Wildermuth, Philip Paschen und Andreas Kämpfe vor einer Laserschweißanlage.
Die Witzenmann-Geschäftsführung (von links) Heiko Pott, Eberhard Wildermuth, Philip Paschen und Andreas Kämpfe vor einer Laserschweißanlage.
10.05.2019

Witzenmann verdient weniger – Weltmarktführer steigert jedoch Umsatz

Pforzheim. Die Witzenmann-Gruppe ist Weltmarktführer für flexible metallische Bauteile. Der Umsatz steigt – aber die Erträge gehen zurück, sagte gestern Andreas Kämpfe, Vorsitzender der Geschäftsführung des traditionsreichen Pforzheimer Familienunternehmens beim Pressegespräch im Stammhaus an der Östlichen.

„Deutschland ist leider auch Weltspitze bei der Unternehmensbesteuerung und Vize-Weltmeister bei den Lohnkosten“, ergänzte Kämpfe. Dazu komme neben dem wachsenden Kostendruck die hohe Belastung durch die ausuferende Bürokratie: Datenschutzgrundverordnung (DGSVO), Geheimnisschutz-Richtlinie, IT-Richtlinie und die Chemikalienverordnung Reach. Mit über 1700 Mitarbeitern in Pforzheim und dem Enzkreis habe man Ende 2018 eine personelle Obergrenze erreicht. Weltweit zählt die Witzenmann-Gruppe über 4600 Mitarbeiter – weiterer Personalaufbau erfolge nun vorwiegend in Asien und Osteuropa.

„Wir müssen innovative Produkte entwickeln, die man auch künftig am Standort Deutschland fertigen kann“, betonte Kämpfe. Automatisierung und Digitalisierung werden deshalb immer wichtiger, ergänzte Geschäftsführer Philip Paschen. In der Goldstadt sei man mit der Digitalisierungsstrategie gut unterwegs. Ein Vorzeige-Projekt ist das neue Zweigwerk im Gewerbegebiet Buchbusch, wo die Fahrzeugteile-Produktion gebündelt wurde.

50 Prozent des Umsatzes macht Witzenmann mit PKW-Fahrzeugteilen, die Rest im Bereich Nutzfahrzeuge/Motoren, der Industrie (Anlagenbau) und Technischen Gebäudeausrüstung. Aktuelle Prognosen gehen von einem weltweit steigenden Fahrzeugabsatz aus. Im Jahr 2030 werden demnach 100 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor (inklusive Hybridantrieb) verkauft. Die Zahl der Elektro-Fahrzeuge wird bis dahin von zwei auf 20 Millionen jährlich steigen. Von diesem wachsenden Umsatzkuchen will sich Witzenmann mit innovativen Produkten ein Stück abschneiden.

Deutliches Umsatzplus

Vor dem Hintergrund allgemein sinkender Auftragseingänge in der deutschen Wirtschaft und wachsender handelspolitischer Risiken im internationalen Geschäft blickt die Geschäftsführung deutlich zurückhaltender, aber nach wie vor optimistisch in die Zukunft. Die Witzenmann-Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 633,5 Millionen Euro. Der Umsatz der Witzenmann GmbH betrug 328,8 Millionen Euro (Vorjahr 313,4 Millionen). Das deutliche Umsatzplus von 15 Millionen Euro im Stammhaus resultiere aus dem Wachstum im Bereich Nutzfahrzeuge und Motoren. Leicht rückläufig waren im Stammhaus die Umsätze des Geschäftsbereichs Industrie.

Das Geschäft mit Fahrzeugteilen wächst weiterhin, jedoch lagen im vergangenen Jahr die Abrufe teilweise deutlich unter dem Planansatz aufgrund von Verzögerungen bei den Freigaben nach dem neuen WLTP-Abgas-Prüfzyklus. Der Umsatz im Nutzfahrzeugbereich legte um 13,6 Prozent auf 137,5 Millionen Euro zu.

Investitionen geplant

Die Planungen für das laufende Jahr gehen von einem moderaten Wachstum in den wichtigsten Branchen aus. Die Witzenmann-Gruppe erwartet für 2019 einen Umsatz von etwa 665 Millionen Euro. Um dieses Wachstum zu realisieren, sind für 2019 Investitionen in Höhe von über 50 Millionen Euro (Vorjahr 42,8) geplant, davon entfallen 13,2 Millionen Euro auf den Standort Pforzheim.

Heiko Pott (49) verstärkt als kaufmännischer Geschäftsführer und Nachfolger von Gerhard Flöck die Unternehmensleitung. Der gebürtige Osnabrücker war bisher beim Stuttgarter Automobilzulieferer Mahle tätig.