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Bei der Reisemesse Caravan Motor Touristik (CMT) geht es um individuelle Mobilität.  Murat
Bei der Reisemesse Caravan Motor Touristik (CMT) geht es um individuelle Mobilität. Murat
19.01.2016

Wohnmobile werden wendiger

Geht die Caravanbranche auf Kundenfang, verbreitet sie gern ein Bild von Freiheit und Unabhängigkeit. Sonnenuntergänge, Einsamkeit und weit und breit kein Mensch. Doch wer das erste Mal einen Camper-Urlaub plant, den beschäftigen unter Umständen andere Fragen: Wo komme ich mit einem sieben Meter langen Reisemobil durch enge Gassen, wie kann ich mit einem angehängten Wohnwagen wenden?

Die Branche hat reagiert und in den vergangenen Jahren mehr kompakte Modelle für Einsteiger auf den Markt gebracht. Kleine knubbelige Wohnwagen stehen ebenso in den Messehallen der Reisemesse Caravan, Motor und Touristik (CMT) wie eine wachsende Zahl von kompakten Reisemobilen und Kastenwagen, die nur die Länge eines Lieferwagens haben und die Grenze von 3,5 Tonnen nicht überschreiten.

Gut ein Drittel der Neuzulassungen mache dieses Segment inzwischen aus. Das hat auch praktische Gründe. Zum einen dürften Inhaber des EU-Führerscheins der Klasse B im Gegensatz zu Inhabern der alten Klasse-3-Lizenz keine schwereren Fahrzeuge mehr fahren, teilweise fallen niedrigere Mautgebühren an.

Ein Großteil der potenziellen Käufer findet den Einstieg aber nach wie vor über die Miete, sagt Holger Siebert, Vorstandsmitglied des CIVD. Etwa ein Viertel der hergestellten Fahrzeuge geht nach Angaben des Verbands in die Vermietung. Der klassische Käufer, das weiß man beim Branchenverband, ist älter als 45, männlich und hat in der Regel genug verdient, um sich ein komfortables Wohnmobil zum Preis von mehreren zehntausend Euro leisten zu können. Die Hoffnung liegt auf den Babyboomer-Jahrgängen, die gerade im richtigen Alter sind: Mangels attraktiver Anlageformen werde Geld in ein Reisemobil oder einen Wohnwagen gesteckt. Der Umsatz mit neuen und gebrauchten Fahrzeugen legte 2015 gegenüber dem Vorjahr um 14,4 Prozent auf 7,57 Milliarden Euro zu. Auch auf die Gefahr von Terroranschlägen führen die Hersteller die höhere Nachfrage zurück. „Beliebte Reiseziele werden unsicher“, sagt ein Sprecher des Herstellers Knaus Tabbert. Deutschland und die Nachbarländer steigen in der Gunst der flugunlustigen Urlauber. Viele Neueinsteiger entscheiden sich eher für einen Wohnwagen. Mit rund 20 000 Euro koste der nur etwa die Hälfte eines kleinen Reisemobils und sei auch im Unterhalt günstiger.