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Mit dem Künstler Yadegar Asisi (Mitte) im Gasometer einen Coup gelandet: Wolfgang Scheidtweiler und Andreas Kohm (rechts).
Mit dem Künstler Yadegar Asisi (Mitte) im Gasometer einen Coup gelandet: Wolfgang Scheidtweiler und Andreas Kohm (rechts).
Kein Bier auf dem Redaktionstisch, dennoch eine muntere Runde. Wolfgang Scheidtweiler (links) im Gespräch mit PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer, dem Geschäftsführenden Verleger Thomas Satinsky, Chefredakteur Magnus Schlecht und Wirtschaftsredakteur Lothar Neff (von rechts). Foto: Ketterl
Kein Bier auf dem Redaktionstisch, dennoch eine muntere Runde. Wolfgang Scheidtweiler (links) im Gespräch mit PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer, dem Geschäftsführenden Verleger Thomas Satinsky, Chefredakteur Magnus Schlecht und Wirtschaftsredakteur Lothar Neff (von rechts). Foto: Ketterl
Wolfgang Scheidtweiler – zuerst Bierbrauer, dann Gastronom, Hotelier und Projektentwickler. FOTOS: PZ-ARCHIV
Wolfgang Scheidtweiler – zuerst Bierbrauer, dann Gastronom, Hotelier und Projektentwickler. FOTOS: PZ-ARCHIV
11.05.2018

Wolfgang Scheidtweiler: „Eine Stadt braucht zwei Brauereien“

Pforzheim. Wie ein Rentner sieht er nicht aus. Wenn andere gemütlich auf der Parkbank sitzen, dann ist Wolfgang Scheidtweiler lieber unterwegs. Derzeit vorwiegend im Heilbronner Land und in Heidelberg – und plant neue Vier-Sterne-Hotels. „Ich mache nur noch Sachen, die mir Spaß machen“, sagt der 71-jährige Diplom-Braumeister. Und er hat ein Faible für historische Gebäude. „Da kann man was draus machen“, ist der Lieblingssatz des umtriebigen Pforzheimer Unternehmers. Er sieht sich dabei als Ideen-Scout.

Oftmals drängen ihn auch die Kommunen, ein neues Projekt möglichst rasch umzusetzen. „Wir sind froh, dass wir mit Wolfgang Scheidtweiler einen erfahrenen Projektpartner gefunden haben“, betont beispielsweise Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser. Dort errichtet der Pforzheimer Unternehmer gerade im Schloss ein 40-Zimmer-Hotel mit Vinothek und Weinbaumuseum. Der ehrgeizige Zeitplan sieht eine Eröffnung der „Weinzeit Brackenheim“ im Frühjahr 2019 vor. „Dann könnten wir noch die Bundesgartenschau in Heilbronn mitnehmen“, hofft Scheidtweiler. Spätestens zur Eröffnung der Bundesgartenschau im April 2019 soll auch das rund 40 Millionen Euro teure „Parkhotel Heilbronn“ im Stadtgarten die ersten Gäste in den 170 Zimmern beherbergen.

Das Bierbrauen wurde ihm zwar nicht in die Wiege gelegt, doch schon in jungen Jahren war klar, dass er einmal ein Brauerei-Unternehmen führen würde. Auf der grünen Wiese hatte sein Vater – eigentlich ein promovierter Jurist – nämlich kurzerhand eine Kölsch-Brauerei in Gemünd in der Nordeifel gegründet. Und das obwohl sein Vater nur selten Bier trank. So begann Scheidtweiler 1964 dort seine Ausbildung und machte schließlich das Diplom als Braumeister an der Technischen Hochschule München-Weihenstephan, wo Unternehmensberater Roland Berger in Vorlesungen den Untergang der kleinen Familienbetriebe prognostizierte. Als sein Vater früh starb, musste Scheidtweiler parallel zum Studium auch die Leitung der Gemünder Brauerei übernehmen und packte trotzdem noch ein Ingenieur-Studium beim Bierpapst Professor Ludwig Narziß obendrauf.

In Weihenstephan lernte er auch seine Frau Andrea kennen, die aus der Konstanzer Brauerfamilie Ruppaner stammt. Seit 1942 gehört ihr auch das Pforzheimer Brauhaus an der St.-Georgen-Steige. Die Anteile wurden damals von der Badischen Bank übernommen. Seit 1889 wird im Brauhaus Bier gebraut, erzählt Scheidtweiler, der 1974 als Vorstand der damaligen Bayerischen Brauhaus Pforzheim Aktiengesellschaft in die Goldstadt kam. Gut erinnert er sich an Fräulein Käthe Baumann, die damals als Prokuristin die Fäden im Bayerischen Brauhaus in der Hand hielt und mit 74 Jahren „frühpensioniert“ wurde. Damals gab es noch die Brauerei Beckh an der Maximilianstraße, die von Cluss geschluckt wurde. „Eine Stadt braucht mindestens zwei Brauereien“, sagt Scheidtweiler. Mit der regionalen Präsenz der beiden Pforzheimer Marken Ketterer und Brauhaus könne man die großen Konzerne auf Abstand halten.

„Bier braucht Heimat“ – deshalb hat Scheidtweiler 2009 die insolvente Palmbräu in Eppingen übernommen. Und das war mit ein Grund, warum er auch den Traditionsbetrieb Franz in Rastatt erwarb. Fasziniert war Scheidtweiler von der Architektur des Areals. Zunächst hat er ein energiesparendes Sudhaus gebaut. Allein durch die Energie-Einsparung mache sich die Investition in die moderne Brautechnik in einigen Jahren bezahlt. Und schwärmt von den Vorzügen des untergärigen Gerstensafts, der bei Temperaturen zwischen sechs und acht Grad Celsius im Eiskeller reift. Qualität und Wirtschaftlichkeit sind dabei kein Widerspruch, nur so könne man mit den Großbetrieben konkurrieren, die wesentlich größere Mengen Bier ausstoßen. Regionalität und Geschmack seien für kleinere Brauereien wichtige Vorzüge.

Was die hauseigenen Hotelbetriebe angeht, sei der Fachkräftemangel kein Thema. In den Parkhotels Pforzheim und Stuttgart habe man eigens Schichtarbeit eingeführt, um den Mitarbeitern mehr Freizeit auch am Wochenende bieten zu können. Viele Führungskräfte kommen aus dem eigenen Stall – deshalb läuft das Unternehmen auch, wenn der Chef mal nicht im Haus ist. „Auf meine Mitarbeiter kann ich mich verlassen“, sagt Scheidtweiler. Die Nachfolge ist geregelt. Dorothee Scheidtweiler und Patensohn Lionel Berger werden geschäftsführende Gesellschafter bei Palmbräu. Komplettiert wird die neue Führungsspitze von Johannes Schweizer, dem Lebensgefährten seiner Tochter.