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Pforzheim hat der Rückgang bei den Arbeitsplätzen im Januar besonders hart getroffen. Die Stadt bleibt weiterhin einsames Schlusslicht in der Arbeitslosenstatistik. Der Enzkreis dagegen hat einen Spitzenplatz.
Pforzheim hat der Rückgang bei den Arbeitsplätzen im Januar besonders hart getroffen. Die Stadt bleibt weiterhin einsames Schlusslicht in der Arbeitslosenstatistik. Der Enzkreis dagegen hat einen Spitzenplatz. © Symbolbild: dpa
31.01.2013

Zahl der Arbeitslosen in der Region steigt kräftig

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim ist zum Jahresbeginn kräftig gestiegen. Am härtesten traf es Pforzheim mit plus 0,7 Prozent, am glimpflichsten Bad Wildbad mit 0,3 Prozent.

Am Stichtag Mitte Januar waren 14.481 Menschen ohne Arbeit, 1684 oder 13,2 Prozent mehr als im Dezember 2012 und 1382 oder 10,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zum Vergleich: Im letzten Jahr stieg die Zahl der Arbeitslosen von Dezember auf Januar lediglich um 784 oder 6,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, hat sich gegenüber Dezember um 0,6 Punkte auf 4,7 Prozent erhöht. Im Januar 2012 lag sie bei 4,3 Prozent.

Die Veränderungsraten im Vergleich zum Vormonat reichten von plus 0,3 Prozent in Bad Wildbad (5,2 Prozent), 0,4 Prozent in Nagold (4,3 Prozent), Mühlacker (3,3 Prozent) und Horb (4,0 Prozent) und 0,5 Prozent in Calw (4,0 Prozent) und Freudenstadt (4,5 Prozent) bis plus 0,7 Prozent in Pforzheim (5,4 Prozent).

Jürgen Schwab, Leiter der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, nennt die Gründe für den Anstieg der Arbeitslosigkeit: „Wie immer wirkten sich im Januar die jahreszeitlich üblichen Entlassungen in den saison- und witterungsabhängigen Wirtschaftzweigen aus. Auf vielen Baustellen sowie in der Land- und Forstwirtschaft ruht im Winter die Arbeit. Auch in anderen witterungsabhängigen Branchen trennen sich die Arbeitgeber zeitweise von ihren Mitarbeitern, die dann vorübergehend arbeitslos werden.“

Doch es trifft auch Menschen, die nicht im Freien arbeiten müssen, wie Schwab erklärt: „Ein weiterer Grund für den Anstieg war das Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen zum Jahresende 2012 sowie der Kündigungstermin zum Quartalsende im Angestelltenbereich. Insbesondere im Versand- und Einzelhandel sowie in der Gastronomie wurden viele befristet beschäftigte Saisonkräfte nach dem Weihnachtsgeschäft nicht weiterbeschäftigt.“

Dass dieser Trend keine Eintagsfliege ist, macht auch dem Leiter der Arbeitsagentur zu schaffen: „Da immer mehr Arbeitnehmer nur befristet eingestellt werden, müssen wir uns künftig auf diese größeren Schwankungen einstellen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die nach wie vor gute Konjunktur im Frühjahr wieder zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen wird.“

Der Arbeitskräftebedarf ist, bedingt durch die Feiertage zum Jahreswechsel und Betriebsferien im Januar, weiter zurückgegangen. Insgesamt wurden der Agentur für Arbeit 697 freie Stellen gemeldet, 505 oder 42,0 Prozent weniger als im Vormonat und 378 oder 35,2 Prozent weniger als im Januar des Vorjahres.

Arbeitslose

Im Januar meldeten sich insgesamt 2567 Arbeitnehmer im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos, 1098 oder 74,7 Prozent mehr als im Dezember. Da insbesondere Männer in den witterungsabhängigen Außenberufen tätig sind, nahm von Dezember auf Januar vor allem die Zahl der arbeitslosen Männer zu, und zwar um 1143 oder 17,4 Prozent auf 7713. Die Zahl der arbeitslosen Frauen erhöhte sich dagegen nur um 541 oder 8,7 Prozent auf 6768.

903 Frauen und Männer konnten im Januar ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Erwerbstätigkeit beenden, 282 oder 23,8 Prozent weniger als im Dezember.

Entwicklung nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) lag die Arbeitslosigkeit bei 6904, das sind 1109 oder 19,1 Prozent mehr als im Vormonat und 856 oder 14,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die anteilige SGB III-Arbeitslosenquote lag bei 2,2 Prozent.

Im Bereich der Grundsicherung (Hartz IV) gab es 7577 Arbeitslose, das ist ein Plus von 575 oder 8,2 Prozent gegenüber Dezember; im Vergleich zum Januar 2012 waren es 526 oder 7,5 Prozent Arbeitslose mehr.

Pforzheim

Die Arbeitslosenquote hat sich im Vergleich zum Vormonat um einen Prozentpunkt auf 8,5 Prozent erhöht. Im Januar 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Damit bleibt Pforzheim hinter Heilbronn Stadt (6,8 Prozent) und Mannheim (6,5 Prozent) Schlusslicht in Baden-Württemberg.

Insgesamt waren 5100 Personen arbeitslos gemeldet, davon 1546 (30,3 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 3554 (69,7 Prozent) in der Grundsicherung. Im Januar wurden 162 Stellenangebote gemeldet. Das waren 375 oder 69,8 Prozent weniger als im Vormonat und 11 oder 7,3 Prozent mehr als im Januar 2012. Derzeitig sind 633 offene Stellenangebote im Bestand, 176 oder 21,8 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Enzkreis

Die Arbeitslosenquote hat sich im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent erhöht. Im Januar 2012 lag sie bei 2,8 Prozent. Damit belegt der Enzkreis, gemeinsam mit Biberach, Platz eins in Baden-Württemberg. Insgesamt waren 2998 Personen arbeitslos gemeldet, davon 1798 (60,0 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1200 (40,0 Prozent) in der Grundsicherung. Im Januar wurden 161 Stellenangebote gemeldet. Das waren 72 oder 30,9 Prozent weniger als im Vormonat und 92 oder 36,4 Prozent weniger als im Januar 2012. Derzeitig sind 646 offene Stellenangebote im Bestand, 257 oder 28,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Landkreis Calw

Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 4,3 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte höher als im Dezember 2012. Vor einem Jahr lag sie bei 3,9 Prozent. Insgesamt waren 3557 Personen arbeitslos gemeldet, davon 1944 (54,7 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1613 (45,3 Prozent) in der Grundsicherung. Im Januar wurden 194 Stellenangebote gemeldet. Das waren 59 oder 23,3 Prozent weniger als im Vormonat und 262 oder 57,5 Prozent weniger als im Januar 2012. Derzeitig sind 814 offene Stellenangebote im Bestand, 354 oder 30,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Landkreis Freudenstadt

Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 4,3 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Im Januar 2012 lag sie bei 4,2 Prozent. Insgesamt waren 2826 Personen arbeitslos gemeldet, davon 1616 (57,2 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1210 (42,8 Prozent) in der Grundsicherung. Im Januar wurden 180 Stellenangebote gemeldet. Das war genau eine Stelle oder 0,6 Prozent mehr als im Vormonat und 35 oder 16,3 Prozent weniger als im Januar 2012. Derzeitig sind 683 offene Stellenangebote im Bestand, 167 oder 19,6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Stellenmarkt

Der negative Trend bei der Nachfrage nach Arbeitskräften setzte sich weiter fort. Im Januar wurden mit 697 nochmals weniger offene Stellen gemeldet als im Dezember (1202). Innerhalb der letzten drei Monate ging die Zahl der neu gemeldeten Stellen fast um die Hälfte zurück.

Nach wie vor gibt es jedoch eine Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften. Gesucht werden insbesondere Restaurant- und Hotelfachleute, Köche, Kellner, Kranken- und Altenpfleger sowie Fachkräfte im Handwerk.

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