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Engagieren sich für Existenzgründer (von links): Jörg Fuchs, Kenan Hörsch, Markus Schwarz, Hans Neuweiler, Stefan Hammes und Gründer Janis Wiskant.  Foto: Meyer 

Zahl der Existenzgründungen in der Region bleibt auf hohem Niveau

Pforzheim. „Eigentlich hatten wir was ganz anderes vor“, sagt Hans Neuweiler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw. Im Mittelpunkt sollten zwei Dutzend Gründungswillige stehen und als Veranstaltungsort war das Rex-Kino vorgesehen. Doch wie bei so vielem hat die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Doch das Thema Gründung und Unternehmensnachfolge sei zu wichtig, um es einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Weil eben auch Arbeitsplätze und damit Existenzen auf dem Spiel stehen. Deshalb wurde kurzerhand ein Pressegespräch im Sparkassenturm anberaumt, bei dem Experten und Referenten des abgesagten Gründertags zu Wort kamen, der eigentlich am Samstag hätte stattfinden sollen. „Entgegen dem Bundes- und Landestrend verzeichnen wir in den vergangenen Jahren meist steigende Zahlen, was Existenzgründungen angeht“, so Neuweiler. Dabei wurden bei über 300 Projekten seit dem Jahr 2018 fast 1000 Arbeitsplätze in der Region Nordschwarzwald geschaffen oder gesichert. „Zuvor wurden die Gründer und ihre Konzepte auf Herz und Niere geprüft.“

Wie groß ist das Interesse an Existenzgründungen?

Selbst im laufenden Krisenjahr dürfte noch das Vorjahresniveau von rund 90 Gründungen und Übernahmen erreicht werden. „Wir haben noch einige interessante Vorhaben in der Pipeline“, ergänzt Kenan Hörsch vom Gründerzentrum der Sparkasse Pforzheim Calw. Die Motivation der angehenden Unternehmer sei hoch. Auch der Branchen-Mix sei vielversprechend. Im Schnitt der Jahre 2018 bis 2020 gab es 110 Gründungen mit 17 Millionen Euro Finanzierungsvolumen pro Jahr.

Wirtschaft

Handwerker in der Region bekommen mit Walter Bantleon einen neuen Chef

Janis Wiskandt, Jahrgang 1994, ist Bäckermeister in Pforzheim. Er gehört seit 2014 dem Gemeinderat von Pforzheim an. Er kandidierte für die FDP bei der Bundestagswahl 2017. Beruflich hat sich Wiskant für die Übernahme des väterlichen Bäckereiunternehmens entschieden, in dem er seit mehreren Jahren tätig ist. „Das schafft man nicht im Alleingang“, räumt der Bäckermeister ein. Nicht nur, dass er die Verantwortung für über 60 Mitarbeiter übernommen hat. Daneben mussten etliche bürokratische Hürden überwunden werden.

„Ohne Steuerberater, Rechtsanwalt und der Unterstützung der Sparkasse hätte ich das wohl nicht geschafft.“

Macht Gründen in Corona-Zeiten überhaupt Sinn?

„Eine Krise bietet auch Chancen“, sagt Vorstands-Vize Neuweiler. „Existenzgründer brauchen einen langen Atem“, ergänzt Stefan Hammes von der IHK Nordschwarzwald. „In den ersten fünf Jahren scheitern die Hälfte aller Gründer.“ Umso wichtiger sei ein solider Businessplan. „ Wer finanzielle Unterstützung möchte, muss zunächst die Kollegen von Markus Schwarz, Abteilungsdirektor Firmenkunden, überzeugen. Es lohnt sich deshalb schon im Vorfeld Kontakt mit den Experten von IHK und Handwerkskammer aufzunehmen, die auch den Zugang zum Netzwerk des Ökosystems Nordschwarzwald ermöglichen können. „Die Existenzgründersprechtage waren trotz Coronabeschränkungen gut besucht“, ergänzt Hammes. Sein Kollege Jörg Fuchs von der Handwerkskammer Karlsruhe spricht sogar von einem „ausgebuchten Haus“. Über 350 Teilnehmer wurden bei den gemeinsamen Veranstaltungen gezählt. Ein brandneuer Image-Film, ein Gemeinschaftsprojekt der Sparkasse, IHK und HWK sollte laut Markus Schwarz eigentlich beim Gründertag im Rex-Kino Premiere feiern. „Das müssen wir jetzt eben auf nächstes Jahr verschieben“, so Hammes.

Lothar Neff

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