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Die Apotheken-Branche ist im Umbruch.  Foto: Skolimowska/dpa 

Zahl der Filialen sinkt: Apotheken hoffen dennoch auf mehr Geschäft

Die Einführung des elektronischen Rezepts und der Fachkräftemangel bereiten der Branche Sorgen – auch in der Region. Doch die Aussicht auf die Bezahlung neuer Dienstleistungen macht der Branche wieder +Mut.

Deutschlands Apotheker blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Einerseits suchen sie händeringend Personal oder Nachfolger für ihre Betriebsstätten, andererseits sorgt ein neues Gesetz für zaghaften Optimismus in der Branche. Die Negativstimmung sei zurückgegangen und es herrsche "eine positivere Grundhaltung", sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Gabriele Regina Overwiening, am Mittwoch in Düsseldorf zum Auftakt des Deutschen Apothekertags, einem Branchentreff mit rund 300 Delegierten aus den verschiedenen Landesteilen.

Im Pandemie-Jahr 2020 hatte noch jeder zweite eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Betriebes erwartet. Vor allem die Centerapotheken, dann die innerstädtischen Apotheken waren von der Corona-Krise besonders getroffen, sagt Holger Isensee von der Pregizer Apotheke in Pforzheim. Leichter hätten es die Landapotheken, da die Menschen aus dem Umland seltener in die Stadt reinfahren.

Mehr Geschäft durch neue Dienstleistungen

Doch nun kommt Bewegung in die Sache: Es geht um das sogenannte Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz, das Ende 2020 in Kraft trat. Ein wichtiger Teil des Gesetzes ist die Bezahlung von pharmazeutischen Dienstleistungen. Gemeint ist damit zum Beispiel, dass ein Apotheker sich mit einem Patienten hinsetzt und sich einen Überblick verschafft über die Vielzahl an Medikamenten, die dieser regelmäßig einnimmt – dann können zum Beispiel Wechselwirkungen ausgeschlossen werden. Da Patienten Medikamente von verschiedenen Ärzten verschrieben bekommen, böte sich der Apotheker als zentrale Schnittstelle an, argumentiert die Abda.

Verhandlungen mit der Krankenkassenseite über die Frage, welche Dienstleistungen wie bezahlt werden, brachten bisher zwar kein Ergebnis. Eine Schiedsstelle soll nun aber Klarheit bringen. Der Start dieser pharmazeutischen Dienstleistungen ist für Januar 2022 geplant.

Elektronisches Rezept - Aufind für Online-Konkurrenz?

Ein zweites Thema, was die Branche bewegt, ist das E-Rezept. Ebenfalls Anfang 2022 sollen die üblichen Zettelchen vom Arzt Geschichte sein, zumindest im Regelfall – stattdessen sollen die Patienten QR-Codes bekommen. Das Rezepteinlösen soll also in das Digitalzeitalter gehievt werden. Für die Apotheken und Arztpraxen steht nicht nur ein technischer Kraftakt bevor, sondern das Werben um die Kundengunst wird härter – schließlich könnte das E-Rezept Aufwind sein für die reine Online-Konkurrenz, also für Versandhändler wie Docmorris und Shop Apotheke. Allerdings mischen viele Vor-Ort-Apotheken längst im Online-Handel mit. "Wir sind bereit für das E-Rezept", sagte Abda-Chefin Overwiening.

Rückgang der Apotheken wirtschaftliches Problem

Unterdessen setzte sich ein Trend fort: Die Zahl der Apotheken in Deutschland sank laut Abda im ersten Halbjahr um 162 auf 18.591. Das entspricht einem Minus von knapp einem Prozent. Im Jahr 2008 waren es noch 21.600 Apotheken – danach ging es bergab. Der Rückgang betraf fast alle Bundesländer, einzig in Bremen und im Saarland hielt sich die Zahl im ersten Halbjahr konstant.

Overwiening wies auf Fachkräftemangel und auf die schwierige Nachfolgersuche hin, wenn Apotheker in Ruhestand gehen wollen. Den Fachkräftemangel spürt auch Isensee. Bei Apothekern und PTAs sei der Markt fast leer gefegt, die Situation "extrem schwierig". Doch die Nachfolgesuche, so Isensee, sei nicht das vordergründige Problem. "Ein Geschäft wird dann geschlossen, wenn es nicht wirtschaften kann."

Mit Material der dpa

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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