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Können gut miteinander, privat und beruflich: Ex-Sparkassenchef Herbert Müller und Deutschrocker Udo Lindenberg (links). Foto: Ketterl
Können gut miteinander, privat und beruflich: Ex-Sparkassenchef Herbert Müller und Deutschrocker Udo Lindenberg (links). Foto: Ketterl
09.02.2018

Zahlenmensch mit Herz: Ex-Sparkassen-Chef Herbert Müller feiert 70. Geburtstag

Auch in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Pforzheim Calw – dem an der Bilanzsumme gemessen größten öffentlich-rechtlichen Geldinstitut in Baden-Württemberg – gab sich Herbert Müller nicht als der abgehobene und stur auf Zahlen fixierte Bank-Manager. Im Gegenteil: „Die Verbundenheit zu den Menschen und der Wirtschaft in der Region, Bodenhaftung und Berechenbarkeit – all dies schätzten Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter in gleicher Weise an Dr. Müller“, hieß es 2012 in der Mitteilung der Sparkasse anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Am Sonntag feiert der rüstige Ruheständler seinen 70. Geburtstag.

Ob ihm Udo Lindenberg wieder – wie einst in Pforzheim – eine seiner berühmten Likörellen zum „Happy Jubielee“ übergeben wird, ist nicht bekannt. Der prominente malende, schreibende und singende Deutschrocker hat seine Finanzen schon vor vielen Jahren vertrauensvoll der Sparkasse Pforzheim Calw und in Person dem damaligen Vorstandsvorsitzenden übertragen. Die Verbindung der beiden brach auch nach Herbert Müllers Eintritt in den Ruhestand nicht ab.

Indes: Müller und Lindenberg verbindet nicht nur das Pekuniäre. Der Banker, so wird erzählt, habe im Weinlokal seiner Frau zu vorgerückter Stunde schon mal gerne zur Gitarre gegriffen. Und auch als Literat hält er mit seinem rockenden Kunden mit: Anlässlich des Jubiläums „Goldstadt 250“ im vergangenen Jahr veröffentlichte er das Buch „Pforzheim schmückt die Welt – Interessantes, Amüsantes, Verrücktes aus der Goldstadt“, ein mit Anekdoten gespicktes Werk und für Müller „fast eine Liebeserklärung an Pforzheim“. Es ist das Ergebnis jahrzehntelangen Sammelns von Tausenden von Zitaten, Fotos und Anekdoten. Der Erlös floss an die PZ-Aktion „Menschen in Not“.

Große Vorliebe

Ein weiteres seiner jüngsten Bücher lautet: „Sprechen wir übers Geld – Wissenswertes und Amüsantes zum zweitwichtigsten Thema unserer Welt.“ Schreiben, sagt er, sei eine seiner großen Vorlieben. Es sei fantasieanregend – „und als Pensionär habe ich jetzt Zeit dazu“.

Trotz aller Ernsthaftigkeit, die seine berufliche Tätigkeit erforderte, hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende immer auch im richtigen Maß die menschliche und humorvolle Seite des Lebens gepflegt. Seine Erklärung dafür: „Ich war schon immer der Meinung, gerade als Banker und Chef eines Unternehmens darf man nicht reiner Zahlenmensch sein, denn man hat es mit Menschen zu tun und die darf man nicht wie Zahlen behandeln.“

Müllers kreative Einfälle reichen weit in seine Sparkassen-Zeit hinein. Als unvergessen gilt der von ihm erdachte Wettbewerb „MaxX – Sparen ist das Größte“. Hier konnten große und kleine Kunden mehr als 15 000 MaxX-Sparschweine gestalten – eine Idee, die bundesweit Nachahmer hatte. Und wie ein PZ-Foto dokumentiert, war sich der Vorstandschef auch nicht zu schade dafür, selbst kräftig in den Farbtopf zu greifen und ein MaxX-Schwein zu bemalen.

Den Vorzeige-Unternehmen des Sparkassen-Geschäftsgebiets verhalf eine weitere seiner Ideen zu größerem Bekanntheitsgrad und zu einem Image-Gewinn der Region: An der Aktion „100 Glanzlichter der Wirtschaft gesucht“, die von neun Partnern mitgetragen wurde, beteiligten sich rund 400 Firmen. Zu seiner Verabschiedung Ende September 2012 kamen über 1000 Gäste, darunter Sparkassenpräsidenten und ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Herbert Müller war bis dahin 33 Jahre für die Sparkasse Pforzheim Calw tätig, davon 25 Jahre als Vorstandsmitglied, 17 Jahre als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender. Er übergab den Stab an seinen Nachfolger und heutigen Vorstandschef Stephan Scholl.

Herbert Müller wurde 1948 in Karlsruhe geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Bankbetriebslehre, Finanzwirtschaft und Organisation an der Universität Mannheim und promovierte dort. Im Oktober 1979 trat er bei der damaligen Stadt+Kreis-Sparkasse Pforzheim als Assistent des Vorstandsvorsitzenden ein. Der Jubilar ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.