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Der Windpark „Alpha Ventus“ vor der ostfriesischen Insel Borkum. Foto: Wagner
Der Windpark „Alpha Ventus“ vor der ostfriesischen Insel Borkum. Foto: Wagner
17.04.2019

Zehn Jahre Windkraft auf See – eine energetische Erfolgsgeschichte

Emden. Windräder in die Nordsee stellen und damit umweltfreundlich produzierten Strom ernten – diese Technologie ist heute zur Umsetzung von Energiewende und Atomausstieg nicht mehr wegzudenken. „Zu Beginn des Offshore-Zeitalters herrschte jedoch große Skepsis“, erinnert sich Jörg Buddenberg. „Die bislang unerprobte Technik funktioniert nie, sagten damals die Kritiker.“ Der Geschäftsführer beim Oldenburger Energieversorger EWE sieht den Bau des ersten Windpark-Testfeldes Alpha Ventus in der Nordsee vor zehn Jahren als Pionierprojekt: „Das war zwar kein Renditethema, aber eine wichtige Investition in die Zukunft.“

Zwölf Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse drehen sich im Test-Windpark Alpha Ventus 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum. Die Nordsee ist dort 30 Meter tief – nur eine von vielen Herausforderungen für die Techniker beim Aufbau der ersten Anlagen im April 2009. Schlechtes Wetter mit Sturm und hohen Wellen erschwerten die Bauarbeiten. Die Kosten verteuern sich um 60 auf 250 Millionen Euro. Doch im April 2010 geht Alpha Ventus in Betrieb. Für das Pilotprojekt hatten EWE und die Stromkonzerne Eon und Vattenfall das Konsortium Doti gegründet. Die Erfahrungen aus dem Testfeld sollten allen künftigen Offshore-Windparks zu Gute kommen. Mehrfach kommt es zu Rückschlägen: 2012 stirbt ein Berufstaucher bei Unterwasserarbeiten. Ende 2010 müssen sechs Getriebe mit Lagerschäden ausgetauscht werden. Fast zwei Dutzend Windparks wurden in nur zehn Jahren gebaut; mehr als 1300 Windräder mit einer Leistung von rund 6,4 Gigawatt drehen sich auf Nord- und Ostsee. Das entspricht ungefähr sechs bis sieben großen Atomkraft- oder Kohlekraftwerken. Sie lieferten im vergangenen Jahr rund 19 Terawattstunden Strom. In diesem Jahr ist abermals mit einem kräftigen Plus der Produktion zu rechnen; allein im ersten Quartal war es ein Drittel. Damit dürfte im laufenden Jahr fast ein Fünftel des gesamten deutschen Windstroms auf See erzeugt werden. Die sogenannten Gestehungskosten halbierten sich von zehn bis 15 auf fünf bis neun Cent je Kilowattstunde, je nach Anlage. Die Ausbauziele für das Jahr 2030 müssen von 15 auf 20 Gigawatt heraufgesetzt werden und auf 30 Gigawatt für 2035“, fordert Andreas Wagner von der Stiftung Offshore-Windenergie. Anders sei das Ziel der Bundesregierung nicht zu erreichen, bis 2030 rund 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Dazu wären rund 5000 Windkraftwerke erforderlich.

Naturschützern wird bei solchen Plänen angst und bange. „Das wäre keine grüne Energiewende mehr“, sagt Kim Detloff, Meeresexperte beim Naturschutzbund Nabu. Er sieht Fehler, die sich nicht wiederholen sollten, zum Beispiel beim Schutz von Vogelrouten und Rastgebieten oder der empfindlichen Schweinswale.