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09.01.2009

Zettl-Schließung in Birkenfeld betrifft 161 Mitarbeiter

BIRKENFELD. Das Aus der Birkenfelder Schmuckfirma Zettl ist besiegelt. In einer Mitarbeiterversammlung informierte die Geschäftsleitung darüber, dass der gesamte Betrieb still gelegt und die Firma liquidiert werden soll.

Das Ende der Zettl GmbH – nicht zu verwechseln mit der Vorgängerin Friedrich Zettl GmbH – gilt für beide Unternehmensstandorte, also Birkenfeld und Idar-Oberstein. Wie gestern eine Sprecherin auf PZ-Anfrage sagte, seien insgesamt 161 Beschäftigte betroffen. Die Produktion – ausschließlich in Idar-Oberstein ansäßig – werde demnach zum 28. Februar dicht gemacht. Die offizielle Schließung erfolge zum 31. März. Mitarbeiter mit Arbeitsverträgen, deren Kündigungsfrist über den März hinaus reiche, werden den Angaben zufolge vom 1. April an freigestellt.

Ein regelrechter Absturz

In einer Pressemitteilung erklärte die Geschäftleitung den Grund für die einschneidende Maßnahme: „Nach Erwerb der insolventen Friedrich Zettl GmbH wurde mit hohem finanziellen Aufwand der Aufbau der Zettl GmbH in Birkenfeld betrieben. Seit der Gründung der Zettl GmbH im Jahre 2006 war diese defizitär, was durchaus für die Start-up-Phase planungskonform war“, hieß es in der Stellungnahme. Und weiter: „Nicht planungskonform war der Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008 und insbesondere die bereits heute bei der Zettl GmbH schmerzlich erkennbaren Auswirkungen für die Folgejahre, insbesondere das Jahr 2009.“

Insbesondere im dritten Quartal des vergangenen Jahres habe es „einen regelrechten Absturz“ gegeben. Der Geschäftsführung und der Gesellschafterin der Zettl GmbH seien deshalb keine andere Wahl geblieben, als die Produktion und letztendlich den gesamten Betrieb still zu legen und zu liquidieren, hieß es weiter. Der Mitteilung zufolge ist zwischen der Firma und dem Betriebsrat eine Vereinbarung getroffen worden, wonach die Entlassung sämtlicher Arbeitnehmer abgefedert werden solle. Mit diesem Ziel sei ein so genannter Interessenausgleich und ein Sozialplan abgeschlossen worden. Vor dem Hintergrund „des hoch motivierten Arbeitseinsatzes der Mitarbeiter“ drückte das Management in seiner Stellungnahme sein Bedauern über diesen Schritt aus.

Überrascht von der Nachricht

Für einige der Beschäftigten kam die Nachricht der Totalschließung offenbar völlig überraschend, als sie am Donnerstag bei der Mitarbeiterversammlung davon erfuhren, sagte gestern Martin Kunzman Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim. Er kritisierte den Zettl-Betriebsrat, der wohl schon vor Wochen mit der Geschäftsleitung verhandelt habe, ohne die Mitarbeiter zu informieren. „Das ist kein guter Umgang“, sagte Kunzmann. Der IG-Metall-Bevollmächtigte bedauerte zudem, dass man bei Zettl kein Fortführungskonzept entwickelt und sich statt dessen zur Betriebsaufgabe entschlossen habe.

Zur Erinnerung: Nach fast vier Jahren unter Insolvenzverwaltung drohte der angeschlagenen Friedrich Zettl GmbH das Aus. Mitte 2006 vermeldete die PZ, dass die indische Unternehmerfamilie Metha als Investor einsteigt. Im selben Jahr wurde mit der neu gegründeten Zettl GmbH der Betrieb weitergeführt. Knapp zweieinhalb Jahre später gehen nun doch die Lichter aus.